13. Oktober 2017
Menschen | München

Bernd Luz – Automotive Art

Farb-Poet, Stil-Ästhet und Freigeist: Bernd Luz schafft Kunstwerke, die Lebensfreude ausstrahlen. Sie sind farbenfroh und energiegeladen, zeigen Länder, Menschen und besonders oft Fahrzeuge. Im neuen Classic Center der Niederlassung München ist derzeit seine Ausstellung „Stern-Legenden“ zu sehen. Im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin erzählt der Pop-Art-Künstler von seinen Bildern, was ihn inspiriert und über sein Faible für Technik.

Herr Luz, Sie gehören mittlerweile zu den wichtigsten Pop-Art-Künstlern. Jetzt ist Ihre Ausstellung „Stern-Legenden“ im Classic Center in der Niederlassung München zu sehen. Was zeigen die Bilder?

Auf 27 Kunstwerken habe ich die Rennsport-Geschichte von Mercedes-Benz festgehalten – vom Ursprung bis heute.

Welche Techniken verwenden Sie?

Ich arbeite mit einer Technik, die ich Abstrakt-Pop nenne. Meine Werke sind Mediamix-Collagen – eine Mischung aus Collage und abstraktem Bild, das ich mit Pinsel, Spachtel, Schwamm oder mit den Händen male.

In der Pop-Art wird in der Regel aber doch nur sehr selten gemalt ...

Ja, das stimmt. Andy Warhol beispielsweise hat fast ausschließlich gedruckt. Ich möchte den Bildern allerdings ihren ganz eigenen und zeitgenössischen Stil geben. Und auch mein Stil und die technischen Möglichkeiten entwickeln sich natürlich im Laufe der Zeit weiter. Die Collagen fertige ich beispielsweise mittlerweile digital an und kombiniere sie dann mit Acrylmalerei. Diese Verbindung alter und neuer Techniken macht meine Kunst aus – ein Brückenschlag zwischen moderner Technik und alten Malweisen.

Und was möchten Sie mit Ihrer Kunst erreichen?

Information ist mir wichtig. In jedem meiner Bilder stecken viel Recherche und Wissen. Über QR-Codes können die Besucher der Ausstellung „Stern-Legenden“ zahlreiche Hintergrundinfos abrufen. Gleichzeitig möchte ich die Welt ein wenig schöner machen und die Menschen begeistern und berühren.

Haben Sie Lieblingsbilder?

Natürlich gibt es immer Bilder, die ich besonders gerne mag – bei einigen finde ich das Motiv extrem toll, bei anderen die Farben. Bei den „Stern-Legenden“ gibt es fünf Werke, die wichtige Vorkriegsrennen aus den Jahren von 1903 bis 1937 zeigen. Das sind meine Favoriten. Die Bilder sind bunt, voller warmer Töne und Energie. Die Collage über die Targa Florio von 1924 – eines der wichtigsten Rennen der Geschichte auf Sizilien – habe ich beispielsweise bewusst in Rot gehalten. Die Italiener haben natürlich ihre eigenen Fahrer, die in roten Autos unterwegs waren, am meisten bejubelt. Deshalb haben die deutschen Starter ihre Fahrzeuge ebenfalls rot lackiert. Hinter jedem Bild steckt eine Geschichte, das macht es so faszinierend.

„Beim Malen höre ich Musik, lasse mich fallen und fühle mich in die Motive ein.“Bernd Luz

 

Pop-Art-Künstler Bernd Luz
Pop-Art-Künstler Bernd Luz
Und was fasziniert Sie an klassischen Fahrzeugen?

Das Gefühl, das man zu Technik und Straße hat. Moderne Fahrzeuge übernehmen das Fahren ja immer mehr selbst. Ich mag es, nah an der Materie zu sein. Das macht für mich das Flair aus. Wenn ich in einem Klassiker unterwegs bin, dann komme ich zur Ruhe und kann es mir einfach gut gehen lassen.

Ihre Begeisterung für Fahrzeuge ist offensichtlich. Stehen deshalb Autos so oft im Mittelpunkt Ihrer Werke?

Natürlich! Rund 70 Prozent meiner Arbeiten zeigen Fahrzeuge und historische Rennsportveranstaltungen, weil sie mich fesseln. Aber auch Menschen und Kulturen thematisiere ich. Wichtig ist, dass mich die Motive berühren. Übrigens sind vor allem Bilder, die Länder und Kulturen vorstellen, eine besondere Herausforderung. Man muss sehr viele Inhalte in einem Bild vereinen. Derzeit erstelle ich eine Europa-Serie, darunter aktuell ein Irland-Pop. Um dem Land, seiner Geschichte und seinen Menschen gerecht zu werden, braucht man so viele Motive, die stimmig miteinander kombiniert werden müssen: vom irischen Kleeblatt und dem St. Patrick’s Day über die Kelten und Oscar Wilde bis hin zur Architektur und Natur auf der Insel.

War für Sie schon immer klar, dass Sie Künstler werden wollen?

Die Kunst war für mich lange Zeit „nur“ ein Hobby. Schon als Kind habe ich gezeichnet und gemalt. Später habe ich Zeichentrickfilme mit einer Super-8-Kamera gedreht. Nach meinem Design-Studium habe ich vor allem Illustrationen für Magazine erstellt, zwischendurch aber immer wieder auch eigene Projekte angestoßen. Auf der anderen Seite fasziniert mich Technik ungemein. Ich habe sogar zwischendurch Chirurgie-Mechaniker gelernt und als junger Mann habe ich leidenschaftlich gerne an meinen Autos geschraubt und sie hergerichtet. Heute male ich sie.

Welchen Moment in Ihrer Karriere werden Sie nie vergessen?

Vielleicht den Moment, als im Cité de l’Automobile in Mulhouse meine Dauerausstellung eröffnet wurde. Es ist das weltweit größte Automobilmuseum – das war ein herausragendes Ereignis. Ich hatte schon so viele tolle Ausstellungen.

Und welche Bilder hängen bei Ihnen zu Hause?

Das ändert sich laufend – je nachdem, welche meiner Bilder gerade in Ausstellungen gezeigt werden und welche Kunstwerke mir gerade besonders gefallen. Manchmal nehme ich sie auch wieder von der Wand, um daran weiterzumalen. Wenn ich lange auf ein Bild blicke, kommen mir manchmal ganz neue Ideen.

Classic Center der Mercedes-Benz Niederlassung München
Classic Center
  • Angebot:

    Auf einer um das Vierfache gewachsenen Fläche erwarten Interessenten im neuen Classic Center über 25 top restaurierte oder sehr gut erhaltene Mercedes-Benz Old- und Youngtimer. Den perfekten Rahmen für die Fahrzeuge bilden echte Raritäten aus der konzerneigenen Sammlung wie der Benz Patent-Motorwagen von 1886 und der legendäre Prototyp C 111 sowie die Ausstellung von Pop-Art-Künstler Bernd Luz. Die Werke können übrigens auch erworben werden.

  • Beratung:

    Benjamin Künstner berät in der Mercedes-Benz Niederlassung München zu allen Fragen rund um die Young- und Oldtimer sowie deren Historie.

  • Website:

    www.classic-center-muenchen.de

  • Website Künstler:

    www.berndluz.de