10. Februar 2017
Menschen | Mannheim-Heidelberg-Landau

„Ich lebe das, wovon ich immer geträumt habe!“

Marco Sailer aus Mannheim war „Deutschlands Bester Barbier 2015“. Erfolg hatte er schon vorher. Mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin sprach er über seinen Retro-Barbershop Sieferle & Sailer in Mannheim, Lieblingskunden und Reisen.

Herr Sailer, im Jahr 2015 sind Sie zu Deutschlands besten Barbier gewählt worden. Wie war das?

Das war ein Wahnsinnsjahr. Ich hatte im September 2015 gerade meinen eigenen Barbershop in Mannheim eröffnet. Im November fand der Wettbewerb „German Barber Awards“ erstmals statt. Meine Teilnahme war eigentlich ein reiner Zufall!

Wie kam es dazu?

Ich hab auf Facebook von der Veranstaltung gelesen. Mir gefiel das, und ich wollte mir die Veranstaltung als Besucher auf jeden Fall ansehen. Also drückte ich auf „Teilnehmen“. Daraufhin schrieb mich der Veranstalter an. Dass ich gleich gewinne, hätte ich nie gedacht! Der Sender Kabel 1 hat den Wettbewerb damals begleitet. Weitere Medien folgten. Am Samstag nach meiner Rückkehr war ich dann auf der Titelseite des Mannheimer Morgen. An diesem Tag stand mein Telefon nicht still und mein Terminkalender war plötzlich für drei oder vier Wochen gefüllt. Schon vorher hatte ich allerdings meine Stammkunden und zwei Wochen Vorlauf.

Mens Grooming, Hot-Towel-Shave – ein Barbershop bietet Services, die bestes Handwerk fordern. Wie kamen Sie dazu?

In meiner Friseurausbildung merkte ich schnell, dass der klassische Damenbereich mit Strähnen und Föhnen nicht meine Welt ist. Und weil ich dazu auch noch traditionsreiche Handwerksberufe und alte Sachen liebe, entdeckte ich das Herrenfach für mich. Barbier werden, das war es. Ich kannte bereits ein paar Barbershops in Holland, die sehr authentisch sind. In Rotterdam gibt es Schorem, einen ganz berühmten Shop. Er ist mittlerweile weltweit bekannt. Ich kam da rein, und es packte mich. Ich wusste in diesem Moment: So einen Laden möchte ich haben.

„Ich habe diese Leidenschaft fürs Barber-Fach.“Marco Sailer, Barbier

Potrait von Marco Sailer
Marco Sailer, Best Barber 2015, in seinem Barbershop in Mannheim.
Der Startschuss für Ihren Barbershop?

Ja. Ein solcher Shop mit Originalambiente wie die klassischen Retro-Barbershops in den 1920er-Jahren, das war mein Traum. Die Einrichtungsgegenstände sollten keine Replikate sein, das war mir wichtig. Ich hab mir dann zwei Jahre lang alles zusammengesucht: hölzerne Regalwände, alte Stühle aus den 1930er-Jahren, eine alte Spiegelwand mit Marmorplatte. Dazu der Geruch der alten Aftershaves, die vielen Old-School-Produkte wie Pomaden und Haarwasser, die es schon seit 50 Jahren gibt. In meinem Laden ist wirklich alles alt – mit Ausnahme einiger Kleinigkeiten.

Ist das Ihr Erfolgsgeheimnis?

Das und meine Leidenschaft fürs Barber-Fach. Vergangenes Jahr bin ich mit einem Freund nach New York geflogen. Wir haben zahlreiche Barbershops besucht, haben uns angeschaut, wie sie eingerichtet sind und wie die Barber arbeiten. Bei Schorem in Holland bin ich immer noch regelmäßig. Betrieben wird der Laden von zwei Jungs, die ursprünglich einfach nur den Leuten in ihrer Nachbarschaft die Haare schneiden wollten – und dann voll durchgestartet sind! Das finde ich wahnsinnig inspirierend.

Welches sind Ihre Lieblingskunden?

Am liebsten sind mir natürlich die Kunden, die diesen Lifestyle selbst auch mögen und leben. Es ist schön, wenn da jemand kommt, der gezielt einen bestimmten Schnitt für sich will, schon die Pomaden kennt und die Barbier-Leidenschaft teilt. Andere Kunden kommen als Neulinge und erkennen sich in diesem Style wieder. Auch das ist prima. Wer einen klassischen Schnitt will und deshalb gezielt herkommt, ist am richtigen Ort.

Besitzen Sie eine Philosophie als Barber?

Männer als Kunden beim Friseur waren meiner Meinung nach Jahrzehnte lang Nebensache. Das Hauptgeschäft galt den Frauen. Barber kehren diesen Trend um. Wir planen pro Haarschnitt eine Dreiviertelstunde bis Stunde ein. Das ist unser Kerngeschäft. Immer mehr Männer nehmen das wahr und sind bereit mehr Geld dafür auszugeben, gut auszusehen. Die Wertschätzung von Qualität, persönlicher Betreuung und Handwerk schätze ich sehr. In meinem Barbershop mit Bar, den ich mittlerweile mit einem Partner betreibe, kommen Leute einfach so auf einen Kaffee vorbei, um ein bisschen zu quatschen. So war es früher in Amerika. Samstags ging es in den Barbershop, da traf man sich. Das ist echter Lifestyle!