17. März 2016
Menschen | Berlin

Caras Gourmet:
Café im New-York-Style

Was macht ein passionierter Kaffeetrinker, wenn kein Café seine Qualitätsansprüche erfüllt? Er eröffnet ein eigenes. So begann die Geschichte von Georg Harenberg und Caras Gourmet an mittlerweile fünf Standorten in Berlin.

Genuss, Geschmack und Gesundheit bilden für Georg Harenberg einen Gleichklang. 1998 eröffnete er das erste Caras Gourmet Café im New-York-Style am Kudamm, um seine Idee von großartigem Kaffee und anderen sehr guten Getränken sowie handgemachtem, leckerem Essen zu verwirklichen. „Ich denke für meine Gäste wie für meine Familie“, sagt der 50-Jährige. Meistens überlegt er morgens beim Laufen, was er abends zu Hause zubereitet, das seinen drei Töchtern schmeckt und gesund ist. „Ich koche jeden Tag und experimentiere dabei gern. Es interessiert mich, neue Ideen für unsere Cafés auszuprobieren.“

Harenberg misst dem Food-Angebot große Bedeutung bei. „Mit dem Essen können Sie sich am deutlichsten im Markt abheben.“ Dennoch bleibt seine Leidenschaft für Kaffee der Ausgangspunkt. „Ich habe in den USA studiert und in New York die amerikanische Kaffee-Kultur kennengelernt. Das habe ich nach meiner Rückkehr nach Deutschland vermisst.“ So wurde aus dem Unternehmensberater in Berlin ein Gastronom, das Hobby zum Beruf.

Eine Tonne Leidenschaft pro Monat

Ein perfekt schmeckender Kaffee hat sehr viel mit Präzision zu tun. Mehr als 800 Aromen stecken in der Bohne. Doch nur gekonnte Röstung und sorgfältige Zubereitung sorgen für die Geschmacksexplosion am Gaumen. Als Missionar in Sachen Kaffeegenuss nimmt Georg Harenberg Genießer gern an die Hand. Seine Tastings im neuen Caras Lab sind gefragt. Haben Sie schon mal Kaffee aus dem Weinglas getrunken? Abwegig? Nein. „Die Aromen entfalten sich viel besser“, sagt der Vorkoster. Stufe für Stufe erschließt der Test die Differenzierungen. Erst Robusta gegen Arabica, dann Arabica als helle gegen eine dunkle Röstung, dann Espresso gegen Filterkaffee, dann Arabica aus Asien, Lateinamerika und Afrika, dann zwei Plantagen aus Kenia, dann zwei unterschiedliche Standorte einer Plantage. „Mit diesem Weg entdecken Sie, dass wie beim Wein das Terroir den Geschmack bestimmt.“ Höhepunkt des Tastings ist der Jamaica Blue Mountain, einer der besten Kaffees der Welt. Aber da sind sich die Liebhaber nie einig – wie beim Wein.

Für seine Cafés vertraut Georg Harenberg auf Röstungen seines Freundes Willi Andraschko. Top selektierte Bohnen nach eigenem Röstprofil verarbeitet. „Mir ist die Gleichmäßigkeit wichtig. Der Gast soll wissen, wie der Kaffee in der Tasse schmeckt.“ Deshalb legt er ebenso auf die Ausbildung des Personals Wert. Eine Tonne Bohnen pro Monat wird von seinen Mitarbeitern extrahiert und aufgebrüht. Am meisten mit Milch als Cappuccino und Café latte, zunehmend gefragt als Filterkaffee. Aus den USA spült der Cold Brew herüber, bei dem die Bohnen über Nacht in kaltem Wasser ziehen. „Wir haben es auf dem New York Coffee Festival gesehen. Das könnte der neue Trend werden“, hat Harenberg ein Auge drauf.

Bei Caras Gourmet kann man besten Filterkaffee genießen
Immer frisch aufgebrüht.
Caras Gourmet nutzt zur Belieferung seiner Cafés auf Mercedes-Benz Sprinter
Immer frisch: Für die Belieferung seiner Cafés setzt Caras Gourmet auf Sprinter von Mercedes-Benz.
Gründer: Georg Harenber
Caras Gourmet
  • Gründer:

    Georg Harenberg

  • Gründungsjahr:

    1998

  • Ort:

    Berlin

  • Konzept:

    „Wir wollen unseren Gästen die perfekten Gastgeber sein und jeden Aufenthalt zu einem angenehmen Teil ihres Alltags machen.“ Mit dieser Philosophie arbeiten Georg Harenberg und seine mehr als 100 Mitarbeiter in den fünf Cafés in Berlin. Beliebt ist auch das Catering-Angebot.

  • Website:

    www.caras.de

Klassiker und Specials

Kaffee, Tee, Säfte, Smoothies, Frappés und andere Kaltgetränke ergeben eine große Vielfalt, ergänzt um aktuelle Specials auf der Getränkekarte. Auch bei den Speisen gibt es die Klassiker als Dauerläufer und dazu wechselnde Spezialitäten. Die Gäste erwarten bei Caras Gourmet einfach pfiffige Rezepte. Mit Baguettes, Sandwiches, Salaten, Desserts, Kuchen, Cookies und Gebäck wird der herzhafte und süße Hunger bekämpft.

Dabei lassen sich – je nach Wetter – täglich wechselnde Vorlieben der Gäste ebenso ausmachen wie langfristige Trends: Arabisch-orientalische Komponenten mögen die Berliner derzeit besonders gern, vegetarisch ist ein Muss, vegan auch gefragt. Bereitwillig probiert das Caras-Team Alternativen zu tierischen Ausgangsprodukten, „wenn der Geschmack nicht leidet“, wie der Chef seine Prämisse formuliert. Da kommt statt Ei auch mal Apfelmus in den Muffin. Warum einzelne Gerichte einen Hype erleben, lässt sich nicht immer ausmachen. Als gebürtiger Westfale schwärmt Georg Harenberg für Linsen, gern mit viel Essig angemacht. „Wir haben es mehrfach probiert. Immer blieben die Portionen stehen. Jetzt plötzlich entdecken alle den gesunden Faktor der Hülsenfrüchte, und wir können uns vor der Nachfrage kaum retten.“ Qualität mit besten Zutaten ist essenziell. Heißt: täglicher Einkauf in der Region und auf dem Berliner Großmarkt, Verzicht auf industriell vorgefertigte Zutaten oder Geschmacksverstärker und schonende Zubereitung in der zentralen Caras Gourmet Küche am Anhalter Bahnhof. Ab morgens um vier stehen 15 Mitarbeiter in der Küche. In der ersten Runde werden die Backwaren produziert. Bis elf Uhr bringt die zweite Lieferrunde die Speisen in die Cafés. Jeden Tag frisch.

Caras Gourmet experimentiert gerne mit neuen Trends, zum Beispiel Quinoa-Salat
Geschmackskick: Rotkohl-Quinoa-Salat!

Kaffee aus dem Filter

Großmutters Filterkaffee erlebt eine Renaissance. Dafür der Tipp: Eine spezielle Röstung wählen, Kanne und Filter vorheizen, Filterpapier durchspülen, sprudelnd kochendes Wasser kurz abkühlen lassen und dann das Kaffeepulver in Ruhe aufbrühen. Möglichst frisch trinken.

Orientalische Salate

Der Israeli Yotam Ottolenghi war Wegbereiter der orientalischen Revolution in der abendländischen Küche. Auch arabische Basics wie Bulgur, Couscous, Tabbouleh und Kichererbsen sind im Mainstream angekommen, gern kombiniert mit Rotkohl oder Roter Bete.

Quinoa und Co.

Quinoa, das Getreide der Inka, und Chia-Samen, Heilmittel der Maya, sind förmlich in aller Munde. Reich an Mineralstoffen bzw. Omega-3-Fettsäuren, eignen sie sich für herzhafte oder süße Zubereitungen. Unbedingt probieren: den Quinoa-Rotkohl-Salat von Caras.

Selbst gemachte Eistees

Vergessen Sie die süßen Industrie-Softdrinks. Angesagt für Frühjahr und Sommer sind selbst gemachte Eistees. Echte Geschmacksbomben ohne Kalorien. Die natürlichen Früchtetees gibt es in vielen kreativen Geschmacksrichtungen.

Fotos: © Charles Yunck