02. November 2018

De Edle Wilde
Mit Christian Habekost durch die Pfalz

Heimat, Humor und Dialekt gehören für Christian Habekost – Künstlername Chako – einfach zusammen. Daher gibt es auch keinen besseren Pfalz-Guide als den Comedian.

Von einem altehrwürdigen Weinkeller, in dem eine ganz besondere Cuvée verkostet wird, zur Klosterruine Limburg, ins malerische Wachenheim an der Weinstraße. Auf dieser kleinen Pfalztour rund um Bad Dürkheim zeigt Christian Habekost seine Lieblingsplätze. Dabei lernt man nicht nur Orte kennen. Habekost erklärt auch seine Vorstellung von Heimat und was für ihn die Pfalz und ihre Bewohner so einzigartig macht.

Wo die Zitronen blühen

Es ist genau so, wie es sich die Tourismusämter wünschen. Die gekämmten Hügel, auf denen der Wein wächst, liegen in der heißen Sonne und sammeln die Wärme für einen Jahrgang, von dem die Winzer sagen, dass er außergewöhnlich wird. Vor malerischen Fachwerkhäusern ranken Rosenbüsche, man sieht Feigenbäume und sogar die ein oder andere Zitrusfrucht, die in einem geschützten Innenhof bestens gedeiht.

Es heißt, die Pfalz wäre die Toskana Deutschlands, die einzige Region des Landes, die am Mittelmeer liegt. Es heißt aber auch, die Pfalz wäre provinziell und der Dialekt für Nicht-Pfälzer kaum zu verstehen. Die Region zwischen Rhein und Saarland, zwischen Hunsrück und Elsass ist ein Fass voller Klischees. Die Weinfeste und Weindörfer locken Tausende, die Burgen auf den Höhen des Haardtgebirges wecken nostalgische Gefühle und die Küche lässt einen zunächst an Herzhaft-Deftiges wie Handkäs und Saumagen denken.

Christian Habekost im Weinberg bei Bad Dürkheim
Zu Hause in der Pfalz – Christian Habekost im Weinberg bei Bad Dürkheim.

Natürlich ist das nur die halbe Wahrheit oder eine viertel Wahrheit, denn die Pfalz kann auch kosmopolitisch und innovativ sein. Sie ist trotz aller Weinromantik auch ein Industrie- und Technologie-Standort. Christian Habekost schreibt dazu in seiner „Gebrauchsanweisung für die Pfalz“ (Piper Verlag): „Überall zwischen Bad Bergzabern und Kaiserlautern kann man zu jeder These eine Antithese entdecken: Wald und Wiese, alte Grantler und junge Hipster, Pfälzer Teller und Kastanien-Soufflé an Riesling-Schaumsauce.“ Zugegeben, auf dieser Tour geht es weniger um Hipster und Hightech als um die bunte Seite lieb gewonnener Vorurteile. Das hat auch einen guten Grund, Christian Habekost – oder Chako, wie ihn seine Fans nennen – spielt mit den Vorurteilen und Klischees wie kein anderer. Dem Pfälzer und Nicht-Pfälzer offenbart der Comedian im Dialekt seiner Heimat ebenso überraschende wie humorvolle Weisheiten.

Treffpunkt Wurstmarkt

Passend zum Wetter hat die Mercedes-Benz Niederlassung Mannheim-Heidelberg-Landau für die kleine Pfalztour ein C-Klasse Cabriolet bereitgestellt. Treffpunkt ist Bad Dürkheim, genauer gesagt der große Parkplatz am Ortseingang. Habekost hat den großen Platz, wenn man so will, aus didaktischen Gründen ausgewählt. Zum einen wohnt der gebürtige Mannheimer in Bad Dürkheim, er hat es also nicht weit. Zum anderen findet hier alljährlich das größte Weinfest der Welt statt, der Dürkheimer Wurstmarkt. Und um die Pfalz zu verstehen, kommt man um ein Weinfest nicht herum.

„Wenn ich jemanden sehe, der sehr exotisch aussieht, und der babbelt auf einmal Pfälzisch, dann hat sich der Kreis geschlossen.“Christian Habekost

Aber heute ist kein Weinfest. Also muss der Comedian erklären, warum ihm die Festkultur seiner Heimat so wichtig ist: „Es ist einfach ein Erlebnis besonderer Art, den Pfälzern bei der Ausübung ihres Lieblingsrituals – dem Sich-selbst-Feiern – beiwohnen zu können, verbunden mit exotischer Nahrungsaufnahme.“

Zu den großen Schoppengläsern, die nicht nur an Weinfesten zum Einsatz kommen, passt das riesige runde Gebilde, das am Ende des Parkplatzes aufragt. Es ist das Dürkheimer Riesenfass. Theoretisch würden dort 1,7 Millionen Liter Wein hineinpassen. Tatsächlich ist es ein beliebtes Lokal für Pfalzbesucher. Auf dem Weg zum nächsten Ziel, dem Weingut Fitz-Ritter, das man vom Parkplatz aus gut zu Fuß erreichen kann, erklärt Habekost, warum er in seinem Bühnenprogramm seine Heimat aufs Korn nimmt, mit den Klischees von Heimat und Eigenheiten spielt: „Heimat ist für mich ganz wichtig, weil immer alles gleicher, immer globalisierter wird. Heimat ist wichtig, aber nicht dieses Heimattümelnde, Konservative, sondern Heimat als etwas, wo sich jeder emotional zuhause fühlen kann. Es geht nicht darum, woher jemand kommt, sondern darum, womit man sich identifiziert. Wenn ich jemanden sehe, der, sagen wir mal, ein bisschen exotisch aussieht, babbelt aber breitestes Pfälzisch, dann hat sich der Kreis geschlossen.“

Gebrauchsanweisung für die Pfalz, Christian Habekost
Das Buch zur Region
  • Gebrauchsanweisung für die Pfalz

    Christian Habekosts literarische Gebrauchsanweisung für die Pfalz spart nicht mit Spott und Humor und ist doch eine Art Liebeserklärung an eine ganz besondere Region. Wer also schon immer wissen wollte, wie das Lebensgefühl zwischen Acker und Großem Gewächs, zwischen Donnersberg und Betzenberg ist, wird bestens unterhalten.

Christian Chako Habekost vor dem Weingut Fitz-Ritter in Bad Dürkheim

Wein und Geschichten

Wenn schon kein Weinfest ist, warum nicht ein Weingut besuchen? Nur wenige Hundert Meter vom Wurstmarktgelände entfernt findet sich ein besonders schönes, das Weingut Fitz-Ritter. Das historische Anwesen und VDP-Weingut wird von Johann Fitz in neunter Generation geführt. Besucher können in der Vinothek nicht nur köstliche Weine wie etwa den Ungsteiner Herrenberg Riesling Großes Gewächs probieren – der Jahrgang 2015 wurde 2017 beim renommierten Decanter World Wine Award als Best Dry German Riesling prämiert  – man kann auch mit einem Kaffee sich ein Plätzchen im traumhaften Park suchen. Dort steht unter anderem ein riesiger Ginkgobaum, der mit seinen über 200 Jahren das älteste Exemplar in Deutschland sein soll.

Das Weingut hat auf seine Weise Geschichte geschrieben. Johannes Fitz – ein Vorfahre des aktuellen und gleichnamigen Inhabers, beteiligte sich an der deutschen Demokratiebewegung 1832 beim Hambacher Fest. Als er fliehen musste, wählte er als Exil die französische Champagne, wo er die Kunst der Champagnerherstellung erlernte und fünf Jahre später zurück nach Bad Dürkheim importierte und die erste Sektkellerei im heutigen Rheinland-Pfalz gründete. Auf dem Gut, das zum Königlich Bayerischen Hoflieferanten wurde, werden noch heute Sekte nach dem traditionellen Flaschengärverfahren erzeugt.

2.222 Flaschen

So schön dieser Ausflug in die Geschichte des deutschen Weins ist, Christian Habekost hat das Gut ausgesucht, weil er mit Johann Fitz einen ganz besonderen Tropfen kreiert hat. Im urigen Keller lässt der Winzer seinen Freund das Ergebnis probieren. „De Edle Wilde“ heißt er, genauso wie das neue Soloprogramm des Comedians, das im Mannheimer Capitol seine Premiere gefeiert hat. Auf diesem lustigen Safari-Trip schlüpft er in zahlreiche Rollen: Motzer, Schnäppchenjäger, Gefahrensucher, Body-Protzer, Liegestuhl-Reservierer und so weiter.

Ein Teil des Edle-Wilde-Weines wurde kontrolliert im Stahltank vinifiziert, der andere ist das Ergebnis einer Spontangärung im Holzfass. Für Habekost steckt in dieser auf 2.222 Flaschen limitierten Cuvée das Wesen des Pfälzers an sich: „De Edle Wilde, das sind wir alle, die hier wohnen. Es ist der edle Mensch, der sich gepflegt unterhalten kann, der exquisite Küche genießt und dabei seinen Wein aus einem Stielglas zu sich nimmt. Und es ist der wilde Pfälzer, der seinen Wein aus Halbliter-Blumenvasen trinkt, ganz laut wird und drastisch redet, sodass alle, die von woanders herkommen, ganz verschreckt sind.“

Die Show und der Wein

Das neue Soloprogramm

In seiner neuen Show macht Chako sein Publikum kurzerhand zur Reisegruppe und sich selbst zum Tour-Guide und Safari-Ranger. Ab geht’s ins Unterholz der kulturellen Vorurteile. Hier tritt Christian Chako Habekost mit DE EDLE WILDE auf.

Der Wein zur neuen Show

Wie schmeckt der von Johann Fitz und Christian Habekost kreierte Weißwein? Gewinnen Sie den limitierten ORIGINAL CHAKO RIESLING DE EDLE WILDE aus dem Hause Fitz-Ritter. Teilnahmeschluss ist der 30.11.2018.

Christian Chako Habekost deklamiert in der Klosterruine Limburg bei Bad Dürkheim

Kloster ohne Dach

Inzwischen hat Habekost die Fitz-Ritter‘schen Tropfen in den Kofferraum des C-Klasse Cabrios verfrachtet, um zur nächsten Station aufzubrechen. Die Klosterruine Limburg liegt oberhalb von Bad Dürkheim und ist von einem dichten Mischwald mit vielen Kastanienbäumen umgeben. Ein schmales Sträßchen führt durch diese grüne Welt, die wieder einmal mehr an mediterrane Gefilde erinnert als an deutsche Breiten.

„Das Kloster ist eine meiner liebsten Open-Air-Spielstätten. ­Als Comedian möchtest du ja gerne immer haben, dass am Schluss vor Begeisterung das Dach wegfliegt, das brauchst du hier gar nicht mehr, es ist schon weg“, so Habekost. Außerdem gefällt ihm die Spiritualität des Ortes. Das passt gut zu seinem Programm, das die geistigen und spirituellen Bedürfnisse der Pfälzer gerne mit einem gewissen Hang zur Weinseligkeit verbindet.

Mit Christian
Auch ohne Dach beeindruckend – die Klosterruine Limburg.

Dialekt mit Tiefgang

Liegt es an der besonderen Atmosphäre des alten Klosters oder an einer spontanen Eingebung des promovierten Literaturwissenschaftlers Habekost? Jedenfalls findet der Comedian einen Weg, um vom Trinkverhalten seiner Landsleute, das er ein „Meditieren mit Glas in der Hand“ nennt, zu den letzten und tiefsten Fragen des Daseins zu kommen. Er deklamiert einen Ausschnitt seiner Bühnennummer „de Sinn vum Soi“ („der Sinn vom Sein“), deren Lebensweisheit erst durch die Wortspiele des Dialekts ihren Sinn bekommt.

Die Größe der Klosteranlage ist beeindruckend. Habekost erzählt von einer, historisch nicht haltbaren, aber schönen Legende, wonach die Grundsteinlegung im Jahr 1015 am selben Tag stattgefunden haben soll, an dem auch der Grundstein des Speyerer Doms gelegt wurde. Der Comedian mag diese Legenden und Verästelungen der Gegenwart in die Geschichte und ihre Geheimnisse.

Gemeinsam mit seiner Frau Britta verarbeitet Habekost die pfälzischen Untergründe zu spannenden, satirischen Krimis, die in der Region zu Bestsellern avanvierten. Elwenfels, in diesem imaginären Pfälzer Dorf, wo es Zauberwein und Geistererscheinungen gibt, ermittelt ausgerechnet ein Hamburger Privatdetektiv, der immer wieder lustvoll mit Pfälzer Lebens- und Mundart konfrontiert wird. Gerade ist der dritte Band erschienen: Elwenfels – Kräutertee im Dubbeglas.

Mit Christian Habekost durch die Pfalz – Blick von der Klosterruine Limburg.
Blick von der Klosterruine Limburg.
Christian Chako Habekost bei Wachenheim im Mercedes-Benz C-Klasse Cabriolet

Alles zusammen

Kaum hat sich Christian Habekost für den Fotografen postiert, kommt ein Anwohner wie zufällig vorbei. Ist das nicht? Ja, das ist doch der Habekost! Mit dem Fotoshooting ist es erst mal vorbei, denn jetzt wird „gebabbelt“. Die Pfälzer lieben nicht nur ihren Dialekt, sie lieben auch Chako, mit ihm können sie über ihre Eigenheiten und über die typischen Pfalz-Klischees herzhaft lachen.

Ganz typisch für die Pfalz und die Weinstraße ist Wachenheim, das Habekost zum Pflichtprogramm seiner kleinen Tour zählt. „Hier hast du sämt­liche Klischees der Pfalz zusammen: Du hast den Wein, die Hügelkette der Haardt, du hast die Burgen und du hast natürlich auch die Leut‘, wie wir gerade festgestellt haben.“ Das bezieht sich auf den Anwohner, der sich unbedingt mit Habekost unterhalten möchte und die Gelegenheit nutzt, seine kleine Heimatstadt anzupreisen: „Des isch die schäänscht Aussicht vun alle!“ Das mit dem schönsten Blick überhaupt findet der Kabarettist auch, weshalb die Aussicht auf die Wachtenburg auch das Cover seiner „Gebrauchsanweisung“ schmückt.

Anwohner von Wachenheim scherzen mit dem Comedian Christian Habekost.
Ist das nicht der Chako? Zwei Männer aus Wachenheim an der Weinstraße scherzen mit dem Comedian.

Dialekt hilft weiter

Was soll man sich anschauen, wenn man in die Pfalz kommt? Eine Burg wie die Wachtenburg, einen Weinort wie Wachenheim und Bad Dürkheim, die Weinstraße und natürlich ein Weinfest besuchen, wenn gerade Saison ist. Es gibt aber noch etwas, was Habekost dem mutigen Reisenden empfiehlt: einige Worte Pfälzisch lernen, denn „etwas Identitätsstiftenderes als den Dialekt gibt es ja gar nicht“.

Pfälzisch mit Christian Habekost

Begrüßung

Pfälzer Begrüßungen fallen meist äußerst knapp aus. Je knapper, desto vertrauter. Manchmal tut es auch nur ein wechselseitiges kurzes Knurren. „Morsche!“ („Guten Morgen!“) oder „N’ Owend!“ beziehungsweise „Gu’n  Owend!“ („Guten Abend!“). Ohne Zeitangabe und immer gültig ist das simple wie persönliche „Un wie?“. Eine passende Antwort kann durchaus nur die Wiederholung der Frage sein: „Un wie?“

(Aus: „Gebrauchsanweisung für die Pfalz“)

Verabschiedung

Wer sich rein pfälzisch verabschieden möchte, sagt: „Alla.“ Oder etwas ausführlicher: „Alla donn!“ Alla ist das Zauberwort des Pfälzischen. Etymologisch stammt es wohl vom Französischen „aller“ („gehen“) und wird in zahlreichen anderen Zusammenhängen benutzt. Als Aufforderung: „Alla hopp!“ („Los geht’s“). Als Beschwichtigung oder ungläubiger Ausruf: „Jo alla!“

(Aus: „Gebrauchsanweisung für die Pfalz“)

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