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Menschen | Dortmund - 08. April 2019

„Madame, wie geht es Ihnen?“

Frank Kleine stammt aus einer Croupier-Dynastie, trägt jeden Tag einen Smoking und pflegt beste Umgangsformen. Sein Arbeitsplatz befindet sich in der Spielbank Hohensyburg am Südrand von Dortmund.

Mit der Stadt Dortmund hat der kleine Bezirk Syburg nicht viel gemeinsam. Anstelle von großen Kreuzungen und Hochhausfassaden stehen hier Jägerzäune und Einfamilienhäuser. Wer zur Spielbank Dortmund-Hohensyburg möchte, muss sich eine serpentinenartige Straße hinaufschlängeln, denn die südlichste Ecke von Dortmund erhebt sich bis zu 250 Meter. Das Casino ist benannt nach der Burgruine, die sich in direkter Nachbarschaft befindet.

Die Welt der Casinos

Die Dortmunder Spielbank gehört zu den größten in Deutschland. Wer sich durch die unzähligen Spielautomaten bewegt und schließlich bei den Roulette-, Poker- und Black-Jack-Tischen landet, verspürt unweigerlich einen leichten Las-Vegas-Thrill. Den hat Frank Kleine an jedem Arbeitstag, denn er gehört zu den gut 130 Croupiers, die dort beschäftigt sind.

Anzug, Hemd und Fliege sind für Croupiers in Spielbanken verpflichtend - auch in Hohensyburg
Anzug, Hemd und Fliege sind für Croupiers in Spielbanken als Berufsbekleidung verpflichtend.

„Ich wollte immer etwas Außergewöhnliches machen“, sagt Frank Kleine „Die Welt des Casinos hat mich sehr fasziniert.“ Kennengelernt hat er sie durch seinen Vater, der auch eine Croupier-Laufbahn gewählt hat. „Ich bin in Bad Neuenahr aufgewachsen – ganz in der Nähe der Spielbank, wo mein Vater in den 1970er-Jahren gearbeitet hat. Ich habe immer gesehen, wie er im Smoking das Haus verließ.“ Damals gab es bundesweit nur 20 staatliche Spielbanken, heute sind es gut 70. Die Spielbank DO-Hohensyburg gehört neben den Häusern in Aachen, Bad Oeynhausen und Duisburg dem Land Nordrhein-Westfalen.

Das Publikum ist bunt gemischt. „An einem Samstagabend sind hier viele Leute in den 20ern, die sich in Schale geworfen haben und bei einem Glas Wein drei, vier Stunden Roulette spielen“, erklärt Frank Kleine. „80 Prozent der Besucher sind Stammgäste, die teilweise jede Woche vorbeischauen.“

„Wir haben Gäste, die hören auf, wenn sie 50 Euro gewonnen haben. Es gab auch mal einen Gast, der an einem Tag eine Million Euro beim Roulette erspielt hat.“Frank Kleine

Croupier Frank Kleine am Eingang der Spielbank-Hohensyburg
Croupier Frank Kleine am Eingang der Spielbank DO-Hohensyburg.

Nichts geht mehr

Die Bandbreite ist dabei sehr groß. Während eine ältere Dame am American Roulette gerade 100 Euro in Spielchips tauscht und vorsichtig jeweils 5 Euro auf ein Karree aus vier Zahlen setzt, kommt ein Mann in den 40ern vorbei und knallt einen Jeton im Wert von 2.000 Euro auf das Impair-Feld, setzt also darauf, dass gleich eine ungerade Zahl kommt. Die Kugel rollt durch den Kessel, wie es tatsächlich fachmännisch heißt, der Croupier sagt den legendären Satz „Nichts geht mehr“ und dann stolpert die Kugel auf ein Feld im rotierenden Zahlenkranz: Es ist die 17, ungerade. Die ältere Dame hat ihre 5 Euro verloren, während ihrem Spielpartner ein Stück Plastik rübergeschoben wird, das genau wie sein Einsatz 2.000 Euro wert ist. Hätte er seinen Spielchip auf die 17 gelegt, hätte er seinen Einsatz nicht nur verdoppelt, sondern den 35-fachen Wert bekommen.

Der gewisse Kick

„Dass es sich um richtiges Geld handelt, um das gespielt wird, realisiert man nicht so richtig. Wir arbeiten mit Jetons, das macht es sehr abstrakt – für uns und für die Spieler“, so Frank Kleine, der nun schon seit 28 Jahren Gäste aller Alters- und Einkommensklassen im Casino erlebt hat. „Wir haben Typen, die hören auf, wenn sie 50 Euro gewonnen haben. Es gab auch mal einen Gast, der an einem Tag eine Million Euro beim Roulette erspielt hat.“ Kleine betont aber, dass dies natürlich nicht mit ein paar Hundert Euro Einsatz zu schaffen ist, auch nicht mit ein paar Tausend. „Um diese Million zu erspielen, hat er vermutlich 200.000 Euro mitgebracht“, erklärt der 50-Jährige, der mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen im benachbarten Hagen lebt. Zu dieser Anekdote gehört allerdings auch das unrühmliche Ende, das viel über den Charakter dieses Glücksspiels verrät: „Derselbe Gast hat drei Wochen später wieder alles verspielt. An einem einzigen Abend hat er die Million wieder verloren.“

Wohlgemerkt verzog der Gast keine Miene, weder beim Gewinn noch beim Verlust des Geldes. Trotzdem scheint das Spiel einen gewissen Kick zu liefern. Der Nervenkitzel ist dabei für alle gleich. Ich habe den eben schon bei 1.000 Euro, jemand anderes verspürt denselben Nervenkitzel erst ab 100.000 Euro.“

Frage des Stils

Ein guter Croupier schiebt nicht nur die Jetons hin und her, sondern ist gewissermaßen auch Entertainer. „Die Gäste erwarten, dass man sich mit ihnen unterhält. Die Beziehung zu den Besuchern ist etwas ganz Besonderes, was mich auch sehr reizt an diesem Beruf.“ Ein Stück weit scheint eine Spielbank auch eine Oase des guten Stils zu sein. Natürlich ist nicht jeder im schwarzen Anzug und Abendkleid unterwegs, allerdings gibt es einen Dresscode. Jeans ist okay, aber nur in Kombination mit einem Hemd. T-Shirt mit einem Sakko darüber geht auch in Ordnung. Die Croupiers – an einem Samstag kommen ganze 70 zum Einsatz – sind dabei sehr akkurat in ihren Umgangsformen, Frauen sprechen sie standardmäßig mit „Madame“ an. Wo gibt es das noch?

Beliebter Job

Die gut 1.000 Gäste, die täglich nach Hohensyburg pilgern, können das ganz traditionelle Französische Roulette spielen oder das etwas schnellere American Roulette. Kleine kennt sich in allen Disziplinen aus und kümmert sich um den Croupier-Nachwuchs. Es handelt sich zwar nicht um ein von der Handelskammer anerkanntes Berufsbild, dennoch zieht der Job viele junge Menschen an.

Ob Familie Kleine weiterhin für Casino-Nachwuchs sorgen wird, lässt sich noch nicht sagen. Die beiden Söhne sind 11 und 15 Jahre alt. „Mein Ältester ist eher der Computerfreak. Als er mich mal fragte, wie Online-Casinos funktionieren, habe ich ihm erklärt, dass die meisten dieser Seiten in Deutschland illegal sind. Das hat ihm eingeleuchtet. Bis er mir auf der Hohensyburg zusehen kann, muss er leider noch drei Jahre warten, denn der Zutritt ist erst ab 18 erlaubt. Mal sehen, ob’s ihm gefällt.“

Frank Kleine ist Croupier in der Spielbank Hohensyburg
Bleibt cool: Frank Kleine hat die Spieler am Roulettetisch stets im Blick.

Spielbank Hohensyburg

Hohensyburgstraße 200
44265 Dortmund
www.westspiel.de