03. November 2016
Menschen | Berlin

Der Filmausstatter

Spätestens seit seiner Oscar-Nominierung zählt der Berliner Set Decorator Bernhard Henrich zu den Großen seiner Zunft. Der Filmausstatter sorgt für die perfekte Illusion auf der Leinwand.

Ein vorläufiger Höhepunkt seiner Arbeit: Mit Production Designer Adam Stockhausen und Rena DeAngelo (Art Department) war Bernhard Henrich für den Thriller „Bridge of Spies“ als erster Deutscher Set Decorator in der Kategorie „Bestes Szenenbild“ für den Oscar 2016 nominiert. Die Ehrung wertet er nicht allein als persönliche Auszeichnung. „Die große internationale Berichterstattung und die Aufmerksamkeit der Branchenexperten ist eine große Chance für den deutschen Film. Ich kann Flagge zeigen für meinen Berufsstand“, so Henrich.

Kompetenz und Kreativität

Der Filmstandort Deutschland besitzt einen guten Ruf in Hollywood. Immer mehr internationale Produktionen laufen über das Studio Babelsberg in Potsdam. Dabei verlassen sich auch bekannte Regisseure auf die Kompetenz und Kreativität von Bernhard Henrich. In seinem Job ist er ganz nah dran an den Stars des Filmgeschäfts. Er hat mit Regisseuren wie Steven Spielberg, Bryan Singer, George Clooney oder Roman Polanski gearbeitet und mit Schauspielern wie Matt Damon, Tom Cruise, Charlize Theron, Pierce Brosnan oder Tom Hanks.

Authentische Ausstattung

Von jeder seiner Filmproduktionen weiß er spannende Geschichten zu erzählen. Bei „Bridge of Spies“ zum Beispiel wünschte Regisseur Steven Spielberg kurzfristig ein Büro für den CIA-Chef. Bernhard Henrich flog nach London und besorgte ein komplettes Art-déco-Zimmer. Akribisch recherchiert er, damit die Ausstattung authentisch ist. Als aufwendigste Produktion stattete Henrich mit einem Budget von 4,5 Millionen Dollar die 132 Sets von „The Monuments Men“ aus. „Wie überraschst du das Publikum auf einen Blick mit dem Wahnsinn, dass die Nazis fünf Millionen Kunstwerke geraubt hatten?“, beschreibt der Set Decorator seine Aufgabe für die Schlüsselszene des Films, in der die amerikanischen Experten am Ziel ihrer Mission ein Versteck voller Beutekunst entdecken. Als Kulisse dient eine 70 Meter lange Höhle. „Und ich muss den riesigen, leeren Raum authentisch ausstatten, damit die Regie ihre Vision vom emotionalen Erlebnis für die Zuschauer umsetzen kann.“

Bernhard Henrich vor dem Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin. Bei seinen Recherchen und als Inspirationsquelle besucht der Filmausstatter regelmäßig Museen und Archive.
Bernhard Henrich vor dem Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin. Bei seinen Recherchen und als Inspirationsquelle besucht der Filmausstatter regelmäßig Museen und Archive.

Arbeitsalltag am Filmset

Bei den Dreharbeiten dominiert der Arbeitsalltag. „Jeder macht seinen Job und hat viel zu tun. Man hat gar keine Zeit, in Ehrfurcht zu erstarren.“ Also nichts Besonderes, wenn sich am Set von „The Monuments Men“ Regisseur und Set Decorator treffen, unterhalten und zusammen essen – selbst wenn der Regisseur George Clooney heißt. „Es ist toll, mit George zu arbeiten. Auch solche Stars sind im Umgang ziemlich normale Menschen“, verrät Henrich. Bei „Operation Walküre“ war die Zusammenarbeit mit Regisseur Bryan Singer ein Erlebnis. „Und Tom Cruise hat sich am Set sehr dafür interessiert, was wir machen und wie wir Details gelöst haben.“ Durch solche Reaktionen spürt der Set Decorator, wenn er mit seiner Ausstattung einen guten Job abliefert. „Man wird manchmal auch ausdrücklich gelobt. Aber die größte Anerkennung ist, wenn man ganz in Ruhe seine Arbeit machen kann.“ Daraus sprechen fast 40 Jahre Erfahrung im Filmgeschäft.

Eine Szene aus „The Monuments Men“. Set Decorator Bernhard Henrich sorgte zum Beispiel für die „Kunstwerke“, die George Clooney im Auto transportiert, oder die Ausstattung des Feldcamps mit Mobiliar, Kisten, Kochstellen.
Eine Szene aus „The Monuments Men“. Set Decorator Bernhard Henrich sorgte zum Beispiel für die „Kunstwerke“, die George Clooney im Auto transportiert, oder die Ausstattung des Feldcamps mit Mobiliar, Kisten und Kochstellen.

Beim Nominees Luncheon neben Leonardo DiCaprio

Beim Nominee Luncheon vor der Oscar-Verleihung in Los Angeles: Production Designer Adam Stockhausen, Rena DeAngelo (Art Department) und Set Decorator Bernhard Henrich.
Bei einem Treffen – dem sogenannten Nominee Luncheon – vor der Oscar-Verleihung in Los Angeles (von links): Production Designer Adam Stockhausen, Rena DeAngelo (Art Department) und Set Decorator Bernhard Henrich.

Doch die ganze Erfahrung reichte nicht aus, sich die Oscar-Events auszumalen. „Das habe ich total unterschätzt“, erzählt Bernhard Henrich. In seinem Arbeitszimmer haben die Nominierungsurkunden der amerikanischen Academy of Motion Picture Arts and Sciences und der British Academy of Film and Television Arts einen Ehrenplatz. Gleich neben dem Gruppenbild vom Nominee Luncheon, einem Mittagessen, bei dem sich einige Wochen vor der Oscar-Verleihung die Nominierten treffen. Für Bernhard Henrich ist es noch immer etwas unwirklich: „Das Bild war in den meisten US-Zeitungen. Hier Lady Gaga, Jennifer Lawrence und Leonardo DiCaprio – und direkt daneben ich.“

Beim Oscar 400 Meter roter Teppich

Noch faszinierender war der Abend der Oscar-Verleihung. „Wir wurden wirklich hofiert.“ Ein Chauffeur fuhr Bernhard Henrich und seine Frau in der Mercedes-Benz S-Klasse zum Dolby Theatre in Los Angeles. Sie schritten über den berühmten roten Teppich – 400 Meter lang und gesäumt von Tausend Journalisten und Fotografen. Die Preisverleihung war ein Erlebnis, fast nebensächlich, dass es dann doch nicht der Oscar wurde. Denn: „Auch als Nominierter genießt du ein enormes Ansehen.“ Ein weiterer Höhepunkt der Oscar-Nacht war die abschließende Party des Filmstudios 20th Century Fox, das den Erfolgsthriller „Bridge of Spies“ produziert hat. „Du kommst in die Event-Location und über der Bar hängt ein Banner mit deinem Namen. In dem Moment begreifst du, dass die vielen Gäste auch dir zu Ehren gekommen sind.“

Seit er bei den Oscar-Feierlichkeiten in Los Angeles mit einer S-Klasse chauffiert wurde, ist Bernhard Henrich Mercedes-Benz Fan und fährt einen GLC.
Seit er bei den Oscar-Feierlichkeiten in Los Angeles mit einer S-Klasse chauffiert wurde, ist Bernhard Henrich Mercedes-Benz Fan und fährt einen GLC.
Unvergesslich: Bernhard Henrich und seine Frau auf dem berühmten roten Teppich der Oscar-Verleihung.
Unvergesslich: Bernhard Henrich und seine Frau auf dem berühmten roten Teppich der Oscar-Verleihung.
Bernhard Henrich
  • Geburtsjahr und -ort:

    1952 im Saarland geboren, als Sohn eines Bergmanns

  • Beruflicher Werdegang:

    Lehre als Schaufensterdekorateur, in den 1970er-Jahren Wechsel nach Berlin als Plastiker am Schiller-Theater. Zum Film kam er als Requisiteur, der internationale Durchbruch als Filmausstatter gelang 1982 mit „Der Zauberberg“. Erste Hollywood-Produktion war 2000 „Vertical Limit“.

Der Set Decorator

Als Experte für die Filmausstattung entwickelt der Set Decorator das kreative Ausstattungskonzept anhand des Drehbuchs und steuert Personal, Timing und Finanzen; er verantwortet die Umsetzung mit der Erstellung aller Ausstattungsgegenstände und sorgt mit der Logistik für die pünktliche Installation am Filmset.

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