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Menschen | Hannover - 10. April 2017

Kontrastprogramm

Tüfteln, sägen, schrauben. Greifbares schaffen und Finger schmutzig machen. Dafür steht das Handwerk. Betrachtet man die Filme und Digitaldrucke des Künstlerduos Quintessenz, fällt es im ersten Moment schwer, an Handarbeit zu denken. Das Mercedes-Benz Kundenmagazin hat ganz genau hingeschaut und mit einem der kreativen Köpfe, Thomas Granseuer, gesprochen – über Kreationen, ihren Forschungsauftrag und über „Selbstläufer“.

Quintessenz heben sich von der Masse der Kreativ-Agenturen ab. Das Besondere: Die Künstler verbinden Analoges mit Digitalem, produzieren Stop-Motion-Clips für Kampagnen großer Unternehmen – nahezu ohne digitale Effekte. Bewegungen, Animationen und Sets werden in der physischen Welt erzeugt. Quintessenz zeigen die fließenden Grenzen zwischen Realität und Virtualität auf – mit ihren Motions, aber auch mit analogen Installationen, die sie immer wieder transformieren: von der Ausstellung in den Print, vom gedruckten Papier wieder zurück auf den Rechner – in neue Grafiken. Oder in Wandmalerei.

Etwas ungewöhnlich für so ein kleines Kreativ-Studio, aber sprichwörtlich „großes“ Thema ist bei euch die Wandgestaltung.

Ja, Tomislav und ich kommen ursprünglich aus der Graffiti-Szene. Anschließend haben wir Grafik- und Farbdesign studiert. Aber die Skills an der Dose sind natürlich noch da. Wir sind quasi von der Straße über das Studium in die Lehre gegangen und kehren nun regelmäßig wieder zurück zu unseren Wurzeln – allerdings als professionelle Farbkünstler (lacht).

Vor wenigen Monaten durftet ihr eine riesige Häuserwand auf Mauritius gestalten. Wie kam es dazu?

Das war ein Projekt für das PORLWI Festival in Port Louis. Wir wurden neben anderen Künstlern eingeladen, Fassaden der Hauptstadt zu gestalten, die auch beständig sind. Die Stadt wird quasi von Jahr zu Jahr bunter. Aber das eigentlich Besondere daran war, wie wir das Projekt umgesetzt haben: Ich bin zu der Zeit Vater geworden und konnte der Einladung nach Mauritius nicht folgen. Somit ist Tommy alleine geflogen. Er hat Fotos von der Architektur vor Ort gemacht und mir geschickt. Ich habe ihm dann im 11.000 Kilometer entfernten Hannover am Rechner eine Collage und damit die Vorlage der Komposition erarbeitet. Diese hat Tommy auf Mauritius in Bilder übersetzt auf die Wand gebracht. So wurde ich auch ein Teil des Ganzen.

Eure überdimensionalen Installationen findet man auf den großen Kunstfestivals und Ausstellungen im ganzen Land ...

Genau. Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise ein großes Projekt auf dem MS Artville in Hamburg gestaltet. Hier haben wir mit Holz gearbeitet und mehrere Tubes gebaut, die wir als eine Installation von ungefähr zehn Meter Länge und circa vier Meter Höhe in das Gras vor die Kulisse der Hafenindustrie gestellt haben. Irritation im Raum ist immer das, womit wir arbeiten. Hier waren es knallige Farben, die aussehen wie grafische Gräser und sich dadurch wieder mit der Natur verbinden. Wir experimentieren mit Materialien und grafischen Linien – das ist unser Stil. Der Betrachter muss sich dabei immer ein eigenes Bild machen. Wir lassen genügend Raum für Interpretation.„Wir sind auch Wissenschaftler und Forscher: Wir probieren uns immer wieder aus und eignen uns neue Techniken an.“Thomas Granseuer (Quintessenz)

Ein Porträt von Thomas und Tomislav von Quintessenz Creation
Quintessenz – das sind Thomas Granseuer (links) und Tomislav Topic, ein kreatives Kollektiv aus Hannover/Berlin. Für sie ist es wichtig, eine gute Balance zwischen unabhängigen Projekten und Kundenarbeit zu halten, um genügend Freiheit zum Experimentieren zu haben und mit ihrer Kunst neue Wege zu gehen.
Und anschließend digitalisiert ihr eure analogen Arbeiten. Wie darf man sich das vorstellen?

Von Installationen erstellen wir in der Regel anschließend Artprints. Wir „filtern“ sie mit der Kamera, machen Detailaufnahmen. Diese Werke stellt sich ja niemand ins Wohnzimmer. Sie sind temporär, stehen höchstens bis zum nächsten Jahr an Ort und Stelle. Wir bringen sie also vom Analogen ins Digitale und gestalten am Rechner Collagen daraus. Davon bringen wir wiederum eine Feinartprint-Edition auf den Markt. Die Edition unserer Artville-Installation nennt sich „Noon“ und wird über die Affenfaust Galerie in Hamburg veröffentlicht.

Gibt es eine übergeordnete Botschaft in euren Kunstwerken?

Wir arbeiten, wie nur wenige in der Szene, nicht figürlich. Und sind dadurch natürlich auch nicht politisch. Was wir ausdrücken wollen, ist Emotion. Der Betrachter, der an unseren Installationen vorbeigeht, soll sich in einem Farbspektrum verlieren und auch darin wiederfinden, in Interaktion mit den Werken treten. Uns ist wichtig, viele Perspektiven zu zeigen: Man hat bei den Rauminszenierungen so viele Möglichkeiten, daran vorbeizugehen, und durch verschiedene Blickwinkel bekommt man immer andere Ausschnitte vom ganzen Konstrukt. Dabei spielt auch das Material eine große Rolle – wie bei dem Coloropolis, das transzendent ist: ein Gittermaterial, durch das sich Farben untereinander mischen.

Diese Verbindung analog versus digital – was wollt ihr damit vermitteln?

Bereits im Studium waren digitale Programme nicht mehr wegzudenken. Wir wollten aber trotzdem analog arbeiten und das Digitale nutzen, um zu verfeinern. Diese Arbeitsweisen befruchten sich gegenseitig: Wir könnten keine Artprints auf den Markt bringen, würden wir sie nicht fotografieren und filtern, um sie dann wieder analog anzubieten. Klar, wir könnten auch nur digital arbeiten, aber das Analoge ist für jeden Gestalter eine Bereicherung. Das Handwerk eröffnet andere Ebenen: Der Mensch am Rechner arbeitet nur mit dem Kopf, agiert nur mit der Hand an der Maus. Sobald man aber malt oder etwas baut, riecht, spürt und arbeitet man mit dem ganzen Körper. Das ist etwas, das Emotionen weckt und den gestalterischen Prozess vorantreibt. Wir experimentieren viel und sind dabei immer auch wissenschaftlich unterwegs.

Eines eurer Aushängeschilder ist der fünfminütige Stop-Motion-Film „True Colors“, der ganz ohne computeranimierte Effekte produziert wurde ...

Ja, handmade ist unser Motto. Das wollen wir auch in den Filmproduktionen überwiegend beibehalten. Wir glauben, dass das den besonderen Charme ausmacht und dass der Betrachter auch sieht, dass es handgemacht ist. Das ist natürlich enorm viel Arbeit. Eigentlich ist es „Gesetz“, dass man 24 Frames pro Sekunde setzen muss, damit das menschliche Auge das Ganze nicht mehr als Bild, sondern als Film wahrnimmt. Wir arbeiten aber immer mit 12 bis 14 Frames pro Sekunde. Kurz: Für „True Colors“ haben wir Zigtausende von Frames gestellt und standen mit zehn Personen über vier Monate von morgens bis abends in einer Abrisshalle – unsere Location für den Film.

Und euer aktuelles Projekt ist quasi ein „Selbstläufer“?

Richtig. Wir haben die Arbeiten so genannt, weil sie sich mit ihrer Technik quasi von selbst malen. Dabei handelt es sich um Verlaufsarbeiten auf Löschkarton. Wir hängen dazu das Bild in mehreren Durchgängen in unterschiedliche Farben. So verdrängt eine die andere und es entstehen diese besonderen Verläufe. Wir spielen hier mit dem Komplementärkontrast, mit der Wirkung der Farben aufeinander. Wir als Künstler beeinflussen einzig und alleine die Hängezeiten und die Tauchgänge. Wir entziehen uns hier eigentlich unserem Regelwerk – dass wir nicht genau beeinflussen können, wie das Endergebnis aussehen wird. Das ist ein spannendes Thema dieses Jahr, das wir auf einer Wanderausstellung in Deutschland zeigen werden.

Das Stop-Motion-Projekt „True Colors“ war Teil der Diplomarbeit von Tomislav Topic. Rund 4.000 Quadratmeter Wand- und Bodenfläche standen für die Umwandlung und den Kulissenbau zur Verfügung. Es wurden ca. 150 Liter Farbe, 250 Quadratmeter Holz, 350 Laufmeter Konstruktionsmaterial und viele andere Materialien verarbeitet. Sieben Spezialisten aus Requisite, Kamera, Licht, Technik, Sound, Assistenz und Regie unterstützten den Dreh. Das Endprodukt besteht aus ca. 5.000 Bildern.

Thomas und Tomislav von Quintessenz Creation
Quintessenz Creation
  • Das Duo:

    Das Quintessenz-Künstlerduo Tomislav Topic (Studio Berlin) und Thomas Granseuer (Studio Hannover) hat sich 2006 an der HAWK Hildesheim (Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst) kennengelernt. Seit 2008 realisieren sie gemeinsam freie und Auftragsprojekte mit den Schwerpunkten Wall, Installation, Motion und Illustration.

  • Die Studios:

    Quintessenz pendeln je nach Auftrag oder Projekt zwischen ihren Studios in Berlin und Hannover – in einem Coworking Space mit Atelier. Mit ihrem „dritten Studio“, einem Transporter, touren sie für ihre Arbeiten zu Kunstfestivals und Ausstellungen regelmäßig durch Deutschland und Europa.

  • Das Lab:

    Unter „Lab“ auf ihrer Homepage berichten Quintessenz darüber, welche neuen Herangehensweisen und Erfahrungen sie im Umgang mit Materialien machen. An der Hochschule für Gestaltung in Hildesheim unterrichten sie seit Anfang 2015 auch als Lehrkräfte im Kompetenzfeld Farbdesign.

  • Die Termine:

    2014 wurde Quintessenz von einer New Yorker Foto Stock Agentur als eines von zehn wegweisenden Kreativ-Studios gekürt. Neben der deutschlandweiten Präsenz auf Festivals und Galerien, rief das Duo 2016 die eigene Ausstellung The Part of me in Hannover ins Leben. Bis Ende Mai 2017 ist eine Installation auf der The Haus in Berlin und vom 21.04. bis zum 27.05. eine Ausstellung in der Leipziger Jahn Galerie zu sehen. Außerdem die Jahresausstellung Selbstläufer in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin. Am 23. Juni sind Quintessenz auf dem Metropolink Festival in Heidelberg mit einer Installation und am 25. August auf dem Schweizer Visionart Festival mit einer Wandmalerei vertreten.