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Menschen | Hamburg - 23. Juli 2019

Edle Tropfen

Ein Hotspot in der Nähe von Hamburgs bekanntester Meile: Die Drip Bar ist so gar keine Klischee-Bar, hat ein besonderes Konzept und lockt mit ihren außergewöhnlichen Drinks. Wir haben Christian Janzen in seiner Bar zum Interview getroffen.

Vorbeigefahren, weil nicht gefunden. Umgekehrt und den anderen aus der Gruppe erklärt: „Doch da brennt Licht, die haben geöffnet.“ Geklingelt und endlich angekommen. Im schummrigen Licht, zwischen hohen Tischen auf der einen und gemütlichen Sesseln auf der anderen Seite, die Wände dunkelgrün gestrichen, stehen wir im Raum und setzen uns an den Tisch direkt an der Bar. Hinter der Theke zwei Typen mit gepflegten Bärten, die jede Frage, die wir stellen, beantworten können. Und das müssen sie oft machen. Denn jeder, der in die Drip Bar kommt, ist erst mal sprachlos – nach ein paar Minuten sprudeln dann aber doch die Fragen. Meistens über das Dripping – eine spezielle Methode, Flüssigkeiten mit einem Aroma zu veredeln – und zwar Tropfen für Tropfen. Christian Janzen, der Eigentümer der Drip Bar, freut sich darüber. Im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin spricht er über Existenzgründung, Kreativität und richtig gute Drinks.

Drink in der Drip Bar
Ein echter Hotspot in der Hamburger Barszene: die Drip Bar.
Mixgetränk in der Drip Bar
Auch optisch lecker: die Kreationen der Barmixer.
Christian, wie ist die Idee der Selbstständigkeit und der eigenen Bar entstanden?

Ich wollte schon immer selbstständig sein. Während eines Urlaubs habe ich mir dann das Buch „Rich Dad, poor Dad“ vorgenommen. Darin geht es um den richtigen Umgang mit seinen Finanzen. Das hat mich inspiriert. Ich habe es verschlungen, musste es aber tatsächlich zwei Mal durcharbeiten, um alles zu verstehen. Die Thesen sind mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Ein Jahr lang habe ich mir dann ständig Gedanken darüber gemacht, wie ich es umsetzen kann, mich selbstständig zu machen und finanziell erfolgreich zu sein. So nahm meine Bar gedanklich Formen an. Ich habe alles intensiv durchdacht, einen Businessplan geschrieben, der so aussagekräftig war, dass ich Sponsoren für mein Konzept fand und alles ohne einen Kredit stemmen konnte. Die Geburt der Drip Bar.

Das Konzept der Drip Bar ist einzigartig für Hamburg – wie bist du darauf gekommen?

Da ich leidenschaftlicher Kaffeetrinker bin, hat mich das asiatische „Cold Brew Dripping“ neugierig gemacht. Und weil ich Dinge gern selbst mache, habe ich mir direkt ein solches Teil angeschafft. Nur Kaffee zu drippen reichte mir aber schon bald nicht mehr und so probierte ich unterschiedlichste Dinge aus. Rum drippte ich zum Beispiel über Spekulatius und nach verschiedenen Versuchen, die echt gute Ergebnisse zeigten, kam mir die Idee, das als Hauptkonzept für meine Bar zu nehmen.

Und was hast du schon alles gedrippt?

Oh, schon sehr viel. Zum Beispiel Gin über gedörrtem Knoblauch mit Pfeffer, Rum mit Salatgurke oder Wodka mit Lavendelblüten. Wunderbar funktioniert auch Tequila mit Roter Bete. Man wird wirklich mutig und kreativ mit der Zeit. Bald bekommen wir Äpfel aus dem Alten Land, mal schauen, was wir daraus machen.

Welche Geschmackssorten sind denn die beliebtesten bei den Gästen?

Das ist tatsächlich von Abend zu Abend verschieden. Jeder Tag ist wie eine Wundertüte. Laufen am Dienstag Kaffee-Drinks super, sind es an manchen Samstagen alkoholfreie Varianten. Die Klientel hier ist einfach nicht zu durchschauen und verblüfft uns immer wieder.

Gibt es auch Zutaten, die sich nicht zum Drippen eignen?

Brokkoli – das funktioniert gar nicht. Spargel hingegen eignet sich wiederum wunderbar. Wir probieren viel aus und sind oft selbst überrascht, was toll schmeckt und was nicht. Allerdings klappen die meisten Drips echt gut, weil wir mittlerweile ein feines Händchen für Neukreationen entwickelt haben.

Was sind deine Lieblingszutaten?

Meine Freude an Bestehendem währt nie lange, ich probiere lieber immer wieder etwas Neues aus. Dann bin ich glücklich. Ich arbeite an den Spirits, verfeinere, verbessere, ändere die Drips ab und suche neue Herausforderungen. Lieblingszutaten gibt es also nicht.„Meine Freude an Bestehendem währt nie lange, ich probiere lieber immer wieder etwas Neues aus.“Christian Janzen, Inhaber der Drip Bar

In der Drip Bar fühlt man sich wie in einem heimeligen, gemütlichen Wohnzimmer, das allerdings ziemlich verborgen liegt. Von außen seid ihr ja fast gar nicht zu erkennen und ein echter Geheimtipp. Wie erfährt man von euch?

Die Drip Bar ist ein Speakeasy und die Gäste müssen klingeln, um reinzukommen. Da wir wirklich nur gedrippte Eigenkreationen anbieten, ist uns die Meinung der Leute wichtig, Mund-zu-Mund-Propaganda die ehrlichste Werbung für uns. Außerdem können wir durch diese Art die Gästeanzahl limitieren. Mehr als 35 Personen zur gleichen Zeit kommen nicht rein. So garantieren wir eine gute Qualität der Drinks und besten Service.

Drip Bar Interview
Sein Konzept überzeugt: Christian Janzen, der „Macher“ der Drip Bar.
Im Vordergrund steht das Experimentieren und die Verbindung verschiedenster Geschmacksnoten, die sich dann wie ein Wunder perfekt ergänzen. Wie lange sitzt ihr am perfekten Drink – und davon stehen ja einige auf eurer Karte?

An manchen Drinks tüfteln wir tagelang und manche entstehen superschnell zum Beispiel nach einer Kochsendung. Wichtig ist, dass ein Cocktail perfekt ausgewogen ist. Von der Spirituose bis hin zur Säure und Süße muss alles harmonisch sein. Die sensorische Erfahrung ist essenziell. Allerdings brauchen wir selten länger als fünf Minuten. Das bringt die Erfahrung mit sich. Ich überlege mir einen Drink schon vorher, schleife daran und setze ihn zusammen. Wenn ich ihn dann teste, weiß ich eigentlich schon, wie er schmeckt. Ich probiere meine Drinks deshalb nicht selbst und gehe nicht nach meinem Geschmack, sondern höre mir die Meinung anderer dazu an.

Genauso kreativ wie die Drinks ist auch die Karte. Sie versteckt sich in Märchenbüchern.

Ja, weil ich mir am Anfang nicht so sicher war bei der Auswahl der Getränke und erst mal probieren wollte, habe ich keine Karten im klassischen Sinne drucken lassen, sondern Ausdrucke in die Bücher geklebt. Bei Stilbruch, einer Art Secondhandshop für kleine Portemonnaies, habe ich eine ganze Reihe Märchenbücher entdeckt. Weil das so gut ankommt, habe ich die Optik beibehalten und tausche nur in bestimmten Abständen die Drinks. Regelmäßig werte ich die Statistik aus der Kasse aus. Ladenhüter ersetze ich durch neue Kreationen. So lernen auch unsere Stammgäste immer wieder Neues kennen.

Du empfiehlst den Gästen auch nur ungern Drinks, richtig?

Ja, weil viele Geschmäcker so kompliziert sind. Wenn jemand auf der Karte liest, dass Holunderblüten ein Bestandteil sind, mag er das Getränk oft schon nicht mehr probieren. Obwohl dieser Inhaltsstoff vielleicht nur ganz dezent durchkommt. Es ist einfach schwierig, Menschen zu beraten, auch weil sie pro Abend im Durchschnitt nur zwei Getränke zu sich nehmen. Sie möchten dann etwas, was ihnen auch wirklich schmeckt. Wenn sie stattdessen nach ihrem Bauchgefühl gehen, liegen sie meist richtig.

Was würdest du in der Drip Bar bestellen, wenn du Gast wärest?

Sehr interessante Frage, denn ich weiß über jeden Cocktail Bescheid, habe aber die Hälfte davon noch nie probiert. Zum Feierabend gönne ich mir eher ein kaltes Craftbeer oder einen Crémant. Ein Gläschen, um mich runterzubringen nach dem langen Abend. Ich bin in Sachen Drinks ein kleiner Gourmet und habe meinen Geschmack selbst über die Zeit„versaut“. Wenn ich trinke, dann wähle ich mir etwas anderes als das, mit dem ich täglich zu tun habe.

Deine Don’t-drink-and-drive-Empfehlung?

Der Mangopresso. Ein Espresso-Cocktail mit Mangopüree, Mandelmilch und Vanille.

Drip Bar Theke
Das Dripping im Detail: Die Flüssigkeiten tropfen auf die jeweiligen Zutaten und nehmen das Aroma auf. So entstehen erstklassige Geschmackserlebnisse.

Gut zu wissen

Speakeasy

Ein aus der Prohibition stammender Begriff. Zwischen 1919 und 1933 war der Genuss von Alkohol in den USA verboten. So entstanden illegale Kneipen, Bars und Clubs, in denen heimlich Hochprozentiges ausgeschenkt wurde. Ein Speakeasy ist von außen nicht zu erkennen – seine Existenz verbreitet sich nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Typisch für diese geheimen Flüsterbars waren auch Codewörter, die man durch kleine Öffnungen oder Gucklöcher in der Tür wispern musste, um eingelassen zu werden.

Cold-Drip-Verfahren

Beim Cold Dripping lässt man eine Spirituose auf einen Rohstoff tröpfeln, der als Filter dient. Nach circa acht Stunden bis zu drei Tagen entsteht dann eine Spirituose, die den Geschmack des gefilterten Stoffs annimmt. Dass es so lange dauert, lässt sich gut am Beispiel eines Blumentopfes erklären. Schüttet man viel Wasser auf einmal in den Topf, rauscht es durch, ohne dass die Blume viel davon aufnehmen kann. Gießt man es aber langsam hinein, kann die Erde das Wasser viel besser aufnehmen. Die Saugfähigkeit wird maximal ausgeschöpft. Das wird beim Dripping genutzt. Der Alkohol saugt sich mit dem Geschmack des Filters voll.