15. November 2016
Menschen | München

Er lässt die Puppen tanzen

Christian Bahrmann ist Schauspieler, Puppenspieler, Sänger und Moderator – und der Held vieler Kinder. Gemeinsam mit ihnen entdeckt er die Welt und erobert im Sturm ihre Herzen. Im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin erzählt er von seinem Leben als Kasper, von den wahren Helden des Alltags und seiner Liebe zum FC Bayern München.

Sie sind gerade im Auto unterwegs?

Ja, ich bin auf dem Weg zu meinem nächsten Auftritt. Ich hoffe, Sie verstehen mich gut. Aber ich fahre ja Mercedes, der ist sehr leise.

Welches Modell fahren Sie denn?

Eine V-Klasse, weil ich viel Platz brauche. Zum einen bin ich Papa von drei Kindern und zum anderen bin ich beruflich viel unterwegs. Ich reise zu Auftritten bis nach Österreich und Italien – im Gepäck mein Puppentheater, Licht- und Soundanlage. In der V-Klasse kann ich das alles problemlos transportieren und sie ist wirklich komfortabel. Für mich das perfekte Auto.

Nicht viele Kinder haben so einen bekannten Vater. Sie müssen der Superheld für sie sein ...

Ja und nein. Klar sind meine drei manchmal stolz, wenn sie sagen: „Das ist mein Papa.“ Allerdings hat mein Beruf natürlich auch Nachteile für sie. Ich bin viel an den Wochenenden unterwegs, weil da die meisten Veranstaltungen stattfinden. Dann bin ich der Superheld, der nicht da ist. Allerdings kennen meine Kinder es auch nicht anders. Meine beiden kleinen Töchter sind in unseren etwas „anderen“ Familienalltag hineingewachsen, für die ist das ganz normal. Mein Sohn ist mittlerweile in der siebten Klasse. Dem ist es eher peinlich, wenn mich Mitschüler nach Autogrammen fragen.

War es schon immer Ihr Berufswunsch, Puppenspieler, Sänger und Moderator zu werden?

Nein, überhaupt nicht. Puppentheater fand ich aber schon immer toll. Während der Schulzeit habe ich in Berlin in einem Puppentheater gejobbt. Nach dem Abitur wollte ich Lehrer werden, aber das Studium war mir viel zu trocken. Nach zwei Semestern habe ich es abgebrochen. Allerdings glaube ich, dass ich heute trotzdem ein Lehrer bin – für kleinere Kinder. Ich versuche auf jeden Fall, als Vorbild voranzugehen. Ich will, dass die Kinder Spaß haben, aber auch, dass sie lernen, dem Leben offen und ehrlich zu begegnen. Ziel meines neuesten Projektes „leckerlogisch“ ist es beispielsweise, Kinder zu animieren, sich gesund zu ernähren. Wir wollen sie dazu bringen, Gemüse toll zu finden und Neues auszuprobieren.„Es kommt immer wieder vor, dass mich Kinder auf der Straße ansprechen. Ich liebe diese wundervollen Begegnungen.“Christian Bahrmann

Puppenspieler Christian Bahrmann
Wie ging es nach Ihrem abgebrochenen Studium weiter?

Ich habe mich bei der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin beworben, wurde angenommen und habe dort meinen Abschluss als diplomierter darstellender Künstler/Puppenspieler gemacht. Auch zu dieser Zeit war noch nicht abzusehen, dass ich in den Kinderbereich wechsle. Aber am Theater sind die Themen oft sehr düster und traurig. Das zehrt an der Seele. Deshalb habe ich eine Auszeit vom Erwachsenentheater gebraucht und habe mit „Das tapfere Schneiderlein“ mein erstes Kinderstück inszeniert. Das kam so gut an, dass ich ein zweites, drittes und viertes Stück geschrieben habe. Irgendwann hat mich eine Fernsehproduzentin angesprochen, die mich bei einem meiner Auftritte gesehen hat – so kam ich zu meiner Sendung „KiKANiNCHEN“ auf KiKA. Jetzt, zehn Jahre später, kennt mich nahezu jedes Kind in Deutschland.

Woran erkennt man denn bei Ihnen das Kind im Manne?

Man muss mich nur spielen sehen, dann sieht man, dass ich das leidenschaftlich gerne tue. Ich liebe es, mit Kindern Spaß zu haben, und kann mich wirklich gut in sie hineinversetzen. Es gibt nichts Wichtigeres in unserem Leben, als ein Stück Kindheit zu bewahren. Kindheit heißt für mich, die Welt zu entdecken und spielerisch zu lernen. Das ist die wichtigste Phase unseres Lebens. Deshalb kann ich es überhaupt nicht nachvollziehen, dass Erzieher so schlecht bezahlt werden und dass ihr Job so wenig honoriert wird. Für mich sind das die wahren Helden der heutigen Zeit.

Was lernen Sie denn von den Kindern?

Sehr viel! Bei meinen Puppenspielen und Auftritten beziehe ich die Kinder immer mit ein – und was da an Einwänden und Anmerkungen kommt, das verblüfft und überrascht mich immer wieder. Kinder sehen die Welt mit ihren Augen, sie sind kreativ und haben die tollsten Ideen. Mein ganzes Programm basiert auf meinen Erfahrungen mit Kindern. Sie hören aufmerksam zu und sind neugierig. Viele Erwachsene haben das leider verlernt.

Was macht die Faszination von Puppenspiel aus – gerade in einer Zeit von Fernsehen, Tablets und Co.?

Es ist echt und Kinder können zwischen echt und unecht ziemlich gut unterscheiden. Außerdem haben sie die Möglichkeit, mit jemandem zu interagieren. Wenn sie im Puppentheater rufen: „Vorsicht, der Räuber kommt!“, dann schaut sich der Kasper wirklich um. Dazu kommt, dass die Kleinen merken, der hört auf mich. Sie fühlen sich wichtig. In meinem Puppentheater Prenzlkasper in Berlin stehe ich regelmäßig auf der Bühne. Kinder, die oft kommen, sind selbstbewusst und trauen sich auch im „echten Leben“ einzumischen. Das haben mir schon viele Eltern erzählt.

Wenn Sie eine Puppe wären, welche wäre das?

Ein ziemlich böser Kasper. Ich bin eben einfach ein Kasper, das ist meine Natur. Für mich ist das jemand, dem alle zuhören und der sich traut, Dinge anzusprechen. Und als Schauspieler haben mir gerade die Rollen, bei denen ich einen gemeinen Charakter darstellen durfte, besonders viel Freude gemacht. Der böse Wolf bei meinen „Rotkäppchen“-Aufführungen hat ganz klar auch etwas von mir.

Eine ganz andere Rolle spielen Sie bei der Aktion „Weihnachten für Alle“, die sich für vernachlässigte Kinder engagiert. Was ist die Idee dahinter?

Es gibt so viele Kinder, die nur ganz wenig oder nichts haben und deshalb auch kein richtiges Weihnachtsfest feiern können. Diesen Kindern versuche ich gemeinsam mit unzähligen Unterstützern zu helfen. Sie bekommen von uns Geschenke, aber auch Schlafsäcke, Kleidung und Essen. Ich freue mich über jeden, der sich engagieren möchte. Alle Infos gibt es unter weihnachten-fuer-alle.de.

Was machen Sie, wenn sie keine Kinder um sich haben?

Ich verstehe die Frage nicht (lacht). Das kommt wirklich nur sehr, sehr selten vor. Aber wenn doch, dann fahre ich mit meinem Rasentraktor. Außerdem schaue ich leidenschaftlich gerne Fußball. Schon seit meiner Kindheit bin ich ein großer Fan vom FC Bayern München. Leider habe ich es bisher noch nie in die Allianz Arena geschafft. In Berlin werde ich immer ausgebuht, wenn ich erzähle, für wen mein Fußballerherz schlägt. Aber das ist mir egal!

Schauspieler Christian Bahrmann
Christian Bahrmann
  • Alter:

    40 Jahre

  • Musik:

    Die erste Christian & Kikaninchen-CD „Dibedibedab!“ war das meist verkaufte Kinderalbum im Jahr 2011. 2012 erschien das Album „Wir tanzen, spielen, singen Lieder!“, 2015 „Die Welt ist bunt“. Im selben Jahr veröffentlichte Bahrmann sein erstes Solo-Album „Meine schönsten Winter- & Weihnachtslieder“. 2016 folgte sein zweites Solo-Album „Meine schönsten Kinderlieder und Märchen“.

  • Fernsehen:

    Christian Bahrmann ist seit Sendestart von KiKANiNCHEN 2009 täglich von montags bis freitags im KiKA, dem Kinderkanal von ARD und ZDF, zu sehen. Gemeinsam mit dem blauen Kikaninchen führt er durch das erfolgreiche Vorschulprogramm für Fernsehanfänger und war an der Entwicklung der Sendung beteiligt.

  • Puppenspiel:

    In den letzten 10 Jahren spielte Christian Bahrmann in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Italien und Dänemark über 3.000 Vorstellungen für insgesamt über 250.000 kleine und große Zuschauer. Er tritt in seinem eigenen Puppentheater, dem Prenzlkasper in Berlin, auf ebenso wie bei Kinderfesten, Stadtfesten, Theaterfestivals oder Firmenevents.

  • Website:

    www.der-christian.com