Erstelle Deine persönliche Artikelsammlung. Wähle die Schlagworte, die Deinen Interessen entsprechen.
#Produktexperte
+
Auswahl anzeigen

Alle Tags

Reise

Städtetrip
Essen & Trinken
Mobilität
Shopping
Abenteuer
Kultur

Lifestyle

Design
Start-Up
Nachhaltigkeit
Kult

Innovation

Innovationen

Digitalisierung
E-Mobilität
Car-Sharing
Autonomes Fahren
Assistenzsysteme
Sicherheit

Menschen

Mode
Pionier
Produktexperte
Markenbotschafter
Kunst
Soziales Engagement

Events

Ausstellung
She's Mercedes
Fahrertraining
Roadshow
Pop-Up Store
Ausfahrt

Sport

Well-Being
Golf
Reiten
Tennis
Motorsport
Fitness

Fahrzeugklassen

  • #A-Klasse
  • #AMG GT
  • #B-Klasse
  • #C-Klasse
  • #CLA
  • #CLS
  • #E-Klasse
  • #EQ
  • #G-Klasse
  • #GLA
  • #GLC
  • #GLE
  • #GLS
  • #Klassiker
  • #Maybach
  • #Nutzfahrzeuge
  • #S-Klasse
  • #SL
  • #SLC
  • #Smart
  • #V-Klasse
  • #X-Klasse
Menschen | Wuppertal - 07. Juni 2019

Neues Leben an der Wupper:
Die bewegende Reise von Ohanis Bulbulian

Vieles verloren, alles riskiert, erfolgreich neu gestartet: Die Geschichte des Syrers Ohanis Bulbulian hat alle Zutaten für ein spannendes Drehbuch. Doch seine Reise war ganz real – mit allen dramatischen Szenen und glücklichen Fügungen. Ein Happy End hat er gemeinsam mit seiner Familie nun in Wuppertal gefunden, als sprachbegabter Transporter-Verkäufer in der Mercedes-Benz Niederlassung.

Ohanis Bulbulian bittet seine Gäste freundlich lächelnd in sein Büro in der Mercedes-Benz Niederlassung Wuppertal. Er ist zuvorkommend, sehr aufmerksam und spricht hervorragend Deutsch. Auf dem Schreibtisch stehen die Visitenkarten des Verkäufers für Transporter und Vans. Bulbulian wirkt glücklich und stolz, sich heute in dieser Lage und in dieser Position präsentieren zu können. Und das vollkommen zu Recht. Denn es war ein langer Weg für den Geflüchteten und seine Familie aus Aleppo in Syrien bis nach Deutschland. Die Migration war geprägt von Ängsten, Abschieden, Zweifeln. Aber auch gespickt mit viel Zuversicht, Zufällen und Ehrgeiz. Über diese Aspekte und seine gelungene Integration in Wuppertal spricht Ohanis Bulbulian im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin.

„Das Beste in Deutschland? Vor dem Gesetz sind alle gleich.“

Herr Bulbulian, was hätten Sie demjenigen gesagt, der Ihnen vor fünf Jahren erzählt hätte, dass wir nun gemeinsam hier in Wuppertal bei Mercedes-Benz sitzen?

Das hätte ich wohl nicht geglaubt. Aber ich war immer positiv. Und umso glücklicher bin ich jetzt.

Wie sind Sie auf die Stelle aufmerksam geworden?

Hier in Wuppertal sind wir jede Woche zur Kirche gegangen. In der christlichen Gemeinde haben wir andere armenische und deutsche Familien kennengelernt, die uns unterstützt haben – die Kinder bei den Hausaufgaben, mich bei der Jobsuche. Damals konnte ich noch nicht gut Deutsch. Sie haben mir geholfen, die Sprache zu erlernen und Bewerbungen zu schreiben, unter anderem für eine Ausbildung bei Mercedes-Benz in Wuppertal als Nachwuchsverkäufer. Es hat tatsächlich geklappt.

Wie sah Ihr Leben in Aleppo vor der Flucht aus?

Die Situation vor dem Krieg war sehr gut. Unsere Familie hatte ein Import-/Exportgeschäft für Lkw-Ersatzteile, das mein Vater vor mehr als 25 Jahren gegründet hatte. Wir haben Geschäftsbeziehungen in ganz Europa gepflegt.

Kommt daher Ihr Talent für Sprachen? Wie ich hörte, haben Sie binnen weniger Monate Deutsch gelernt …

Das kann sein. Mein Vater sagte immer, dass man die Sprache des Gegenübers beherrschen muss, wenn man mit ihm Geschäfte machen will. Also habe ich zum Beispiel Italienisch gelernt. Armenisch ist ja meine Muttersprache, dann kann ich als Syrer natürlich Arabisch. Außerdem spreche ich noch Englisch, Türkisch und Kurdisch. Seit ein paar Jahren jetzt auch einigermaßen Deutsch. Und gerade lerne ich etwas Chinesisch.

Sie sprechen sogar sehr gut Deutsch, das ist keine leichte Sprache …

Deutsch ist eine Herausforderung, vor allem die Grammatik. Aber mir macht das Lernen Spaß. Und wenn der Wille da ist, dann klappt das auch.

Ihren Kindern fiel es sicher noch leichter, oder?

Ja, die beiden gehen ja nun schon ein paar Jahre hier zur Schule. Der Große ist sogar Klassenbester und spricht nun auch schon vier Sprachen. Sie korrigieren mich und meine Frau immer, wenn wir etwas falsch sagen.

Wann haben Sie sich damals entschlossen, Ihre Heimat Aleppo zu verlassen?

Das war 2012. Die Situation begann sich damals schon zuzuspitzen. Deshalb sind wir ausgereist und zunächst bei Bekannten in Beirut im Libanon untergekommen. Dort habe ich meine Familie zurückgelassen und mich weiter nach Norden durchgeschlagen. Über Schweden bin ich im Dezember 2014 nach Deutschland gekommen, zunächst nach Dortmund, dann nach Gera in Thüringen. Dort habe ich neun Monate auf meine Aufenthaltsgenehmigung gewartet.

„Von meinen Kollegen bei Mercedes-Benz in Wuppertal wurde ich sehr herzlich aufgenommen.“Ohanis Bulbulian

Schon in Syrien war der Verkäufer in der Fahrzeugbranche tätig. Perfektes Beispiel für gelungene Integration in Wuppertal: Ohanis Bulbulian
Ohanis Bulbulian redet nicht gerne über die traumatischen Ereignisse seiner Flucht. Dafür ist er einfach ein viel zu positiver Mensch.
Was war das Schwierigste dabei?

Dass ich mehr als anderthalb Jahre von meiner Familie getrennt war. Meine Kinder waren bei meiner Ausreise fünf und anderthalb Jahre alt. Zum Glück gibt es Social Media und Videotelefonie. Trotzdem hat der Kleine mich bei unserem ersten Wiedersehen in Wuppertal kaum noch erkannt.

Mit was für Unterschieden mussten Sie sich zu Beginn in Deutschland auseinandersetzen, besonders auch beruflich?

Die Mentalität ist eine andere. Aber auch gesetzlich ist vieles anders. Als ich zum ersten Mal meinen Lohn bekommen habe, war ich schon geschockt über die hohen Steuerabzüge. Das gab es damals in Syrien so nicht. Aber inzwischen verstehe ich es: Wer arbeitet, zahlt Steuern. Das ist das Gesetz, von dem letztlich jeder profitiert. Und die Gesetze gelten hier in Deutschland für jeden. Es gibt Gerechtigkeit und Meinungsfreiheit. Das sind Unterschiede, die ich sehr zu schätzen weiß.

Warum denken Sie, hat die Integration bei Ihnen so schnell geklappt?

Es dauert ein wenig, die Abläufe in Deutschland zu verstehen. Wann muss ich meine Miete bezahlen, wann die Rechnungen …? Zunächst muss man die Sprache lernen, dann eine Arbeit finden, und dann ist eine gelungene Integration eigentlich kein Problem. Allerdings, an den ganzen Papierkram werde ich mich wohl nicht so schnell gewöhnen. (lacht)

Wie haben die Kollegen bei Mercedes-Benz beim Thema Integration geholfen?

Super, da bin ich ausnahmsweise sprachlos. Sie haben mich alle so herzlich aufgenommen und unterstützt. Wir gehen auch nach der Arbeit gerne noch zusammen aus.

Vor fünf Jahren sind Sie in Wuppertal angekommen. Wo sehen Sie sich im Jahr 2024?

Die nächste Episode wird auf jeden Fall besser als die letzten Jahre. Ich habe einen unbefristeten Arbeitsplatz und seit Anfang Mai auch einen unbefristeten Aufenthaltstitel. Es geht aufwärts.

Zum Abschluss, haben Sie ein Lieblingswort in Deutsch?

„Feierabend“ vielleicht? (lacht) Nein, besser „Stolz“. Meine Kollegen sagen immer, dass sie stolz auf mich sind. Und ich bin es auch.

Kimberly Kamminga hat ihrem neuen Kollegen viel beigebracht. Perfektes Beispiel für gelungene Integration in Wuppertal: Ohanis Bulbulian
Flüchtling, Migrant, Mensch – Ohanis Bulbulian hat die Integration in Wuppertal gemeistert und ist bei den Kolleginnen und Kollegen sehr beliebt.