13. April 2018
Menschen | Köln/Leverkusen

Der Titelsammler: Johannes Floors

Er läuft die 100 Meter in 11,04 Sekunden: Johannes Floors. Mit 23 Jahren ist der Spitzensportler vom TSV Bayer 04 Leverkusen Dreifach-Weltmeister im Sprint. Einblicke in den Trainingsalltag eines außergewöhnlichen Athleten.

Es ist acht Uhr morgens und Johannes Floors startet mit einem Power-Frühstück in den Tag. Danach macht er sich auf den Weg in die Leichtathletikhalle nach Leverkusen, um zehn Uhr beginnt seine erste Trainingseinheit. Einige Aktive sind schon da und laufen sich warm. Sie unterhalten sich, es wird viel gelacht. Doch bevor Johannes mit seinen Übungen startet, wechselt der Spitzenathlet zunächst seine Prothesen. Er wurde ohne Wadenbein geboren, und beim Sport tauscht er seine Alltagshilfen gegen Spezialanfertigungen – mit Sprungfedern, den sogenannten Blades: „Das ist eine wackelige Angelegenheit. Denn Sport-Prothesen haben keine Ferse. Sobald ich die (Sport-)Prothesen trage, muss ich in Bewegung bleiben. So halte ich beim Laufen die Balance.“ Und los geht’s …

EM-Gold als nächstes Ziel

Jeder Leistungssportler in Leverkusen hat einen individuell angefertigten Trainingsplan – so auch Johannes, der heute Morgen ein Krafttraining inklusive Sprungübungen absolviert. Sit-ups, Crunches, Liegestütze und viele andere Übungen stärken die Muskeln. Passend dazu feilt er mit kleinen und großen Sprüngen an seiner Technik. Er trainiert im Moment jeden Tag mehrere Stunden. Sein nächstes Ziel? Gold bei der Leichtathletik-EM im August in Berlin. „Die Vorbereitungen für die EM laufen im Moment echt gut. Das Krafttraining ist deshalb so wichtig, damit ich für die Sprints genügend Kraft aus dem Oberschenkel und der Gesäßmuskulatur nehmen kann. Läufer ohne Handicap nehmen diese Kraft unter anderem auch aus den Unterschenkeln und Fußmuskeln. Das Laufbild ist aber prinzipiell identisch.“

Johannes Flors sprintet auf einer Laufbahn.
Johannes Floors beim Training: Ausdauer, Technik und Kraft sind entscheidend.

Nach dem Training ist vor dem Training

Nach etwa zwei Stunden ist die erste Einheit vorbei. Es folgt eine kurze Mittagspause, dann geht es wieder in die Halle. Nachmittags stehen Läufe oder spezielle Koordinationsübungen an. „Im Moment arbeite ich intensiv an der Ausdauer für die 400-Meter-Sprints. Ich möchte auf den letzten 100 Metern meine Kraft, Power und Ausdauer deutlich steigern“, so Johannes. Unterhaltsamer ist es natürlich, im Team zu trainieren. Deshalb macht er sich gemeinsam mit den Zehnkämpfern warm. Obwohl jeder Sportler einen individuellen Plan hat, ist auch das Training in der Gruppe ein entscheidender Erfolgsfaktor. Es ermöglicht einen disziplinübergreifenden Austausch und fördert den Kampfgeist. „Weil wir uns gegenseitig motivieren und uns gegenseitig anspornen.“

Leidenschaft für den Sport

Auch nach dem Training ist Johannes gerne sportlich unterwegs: zum Beispiel beim Bouldern im Stuntwerk in Köln. „Bei dieser Disziplin benötige ich alle Muskelgruppen. Das verbessert mein Körpergefühl. Außerdem reizt es mich, Routen so lange zu versuchen, bis ich sie schaffe.“ Weiteren Ausgleich findet er in diversen Escape Games in Köln und Umgebung. „Der Denksport ist für mich perfekt zum Entspannen.“

Johannes Floors: Informationen zum Sportler
Johannes Floors
  • Geburtsjahr und -ort:

    1995, Bissendorf bei Osnabrück

  • Werdegang:

    2011 Unterschenkel-Amputation aufgrund einer angeborenen Fehlbildung, seit 2013 Leichtathlet beim TSV Bayer 04 Leverkusen (Disziplinen 100 m, 200 m, 400 m, Staffel), 2014 Sportabitur, danach folgte eine Ausbildung zum Orthopädietechnik-Mechaniker, aktuell studiert Johannes Floors im zweiten Semester Maschinenbau an der Rheinischen Fachhochschule Köln

  • Größte Erfolge:

    Goldmedaille 4 x 100 m Staffel (40,82 Sek.) in Rio 2016, Goldmedaille jeweils auf 400 m (46,67 Sek.), 200 m (21,50 Sek.) und 4 x 100 m (42,81 Sek.) in London 2017 (Weltmeisterschaft)