09. März 2017
Menschen | Köln/Leverkusen

„Abwechslung bringt Kreativität“

Der Kölner Teymur Madjderey zählt zu den besten Automobil-Fotografen Deutschlands. Auch für Mercedes-Benz ist der 39-Jährige häufig im Einsatz. Ein Gespräch über emotionale Bilder, Work-Life-Balance und den Reiz der Abwechslung.

Zusammen mit theblackdrone GmbH und Blogger Johannes Schlörb, der auch für das Mercedes-Benz Webmagazin Videos produziert, setzte Teymur Madjderey im vergangenen Jahr in Monte Carlo der Designlinie Mercedes-Benz Style ein filmisches Denkmal.

Teymur, als erfolgreicher Fotograf bist du in der ganzen Welt unterwegs. Wo kommst du gerade her?

Ich war bis gestern in Wien. Dort habe ich mich mit Freunden getroffen. Es war halb Urlaub, halb Dienstreise, denn wir haben auch viel über mögliche Projekte gesprochen und Brainstormings gemacht. Es waren ein paar kreative Köpfe dabei. So einen Austausch mag ich sehr. Ich will und kann Job und Privatleben gar nicht mehr streng trennen. Beides fließt ineinander, das gehört zu meinem Lifestyle. Eine Kamera ist ohnehin immer dabei – sei es die Spiegelreflex oder das iPhone.

Wie viele Tage im Jahr bist du unterwegs?

Oh, das habe ich noch nie gezählt. Es gibt sicher Jetset-Fotografen, die mehr reisen als ich. Ich fliege auch nicht besonders gerne, sondern fahre am liebsten Auto. Erstens macht mir das riesig Spaß und zweitens bin ich vor Ort flexibler.

Auto und Fotografie, daher kommt also deine Berufung …

Ja, das passt schon gut zusammen. Kürzlich bin ich mit einem befreundeten Koch aus Düsseldorf mit einem Mercedes-Benz CLS zu einer Veranstaltung nach Malaga in Spanien gefahren. Daraus haben wir einen Film gedreht.

Was war bisher dein außergewöhnlichstes Projekt?

Spannend waren die zwei Filmdrehs in Monaco für Mercedes-Benz Style: einmal mit Boot, Hubschrauber und S-Klasse Cabrio, das andere Mal mit Nico Rosberg, Lewis Hamilton und ihren Formel-1-Boliden. Vor allem die Style-Geschichte war spannend – dabei haben wir mit einem kleinen Team einen sehr anspruchsvollen Imagefilm im James-Bond-Stil gedreht.

Das waren Projekte, deren Schwerpunkt auf Film und nicht auf Foto liegt …

Das stimmt. Ich bin auch sehr filmaffin. Ich war einmal an einer Filmhochschule in den USA angemeldet, musste aber aus privaten Gründen verzichten. Mein größter Traum ist aber, irgendwann einmal einen Film zu drehen.

„Fotografiere niemals etwas, das dich nicht interessiert.“Lisette Model (1901–1983), Fotografin, USA

Teymur Madjderey fotografiert Lewis Hamilton und sein Formel-1-Fahrzeug
Der 39-jährige Teymur Madjderey ist ein Quereinsteiger in die Fotografie. Doch innerhalb von nur zehn Jahren hat sich der Kölner mit iranischen Wurzeln als kreativer wie akribischer Fotokünstler in der Autobranche einen Namen gemacht.
Wie bist du denn dann zur Fotografie gekommen? Als Autodidakt?

Ja, und ich bin recht spät eingestiegen. Aber ich habe mich schon immer gerne mit Technik beschäftigt. Vor knapp zehn Jahren habe ich mir eine Spiegelreflexkamera gekauft. Mit ihr habe ich aus Star-Wars-Figuren kleine Makro-Szenen nachgestellt und fotografiert. Jeden Tag eine. Ein Jahr lang. Diese 365-Tage-Projekte waren damals in der jungen Bloggerszene total in. Ich habe die Bilder auf meiner Seite hochgeladen und etwas dazu geschrieben. Das hat Spaß gemacht – und etwas ausgelöst. Ein Freund, der damals schon Autoblogger war, hat mich dann irgendwann gefragt, ob ich ihn auf einem Event vertreten könnte. Und von da an ging es immer weiter.

Wie?

Ich habe alles fotografiert und an Aufträgen angenommen, was man mir angeboten hat. Und dabei gemerkt, dass Hochzeitsfotografie nichts für mich ist. Es muss eine gewisse emotionale Bindung zum Thema da sein. Das war bei Hochzeiten jetzt nicht so gegeben – obwohl ich seit Jahren glücklich liiert bin. Bei Autos und anderen Themen fällt mir das leichter. Ich habe zum Beispiel einmal Industrieküchen fotografiert. Es war eine handwerkliche Herausforderung, die ganzen spiegelnden Flächen in den Griff zu bekommen. Wichtig ist, dass man als Fotograf für viel Abwechslung sorgt. Das fordert die eigene Kreativität heraus.

Was macht für dich ein gutes Autobild aus?

Natürlich kommt es auf den Auftrag an. Aber als Fotograf muss man immer eine Beziehung zu seinem Motiv aufbauen. Das ist generell mein Anspruch. Bei Autos haben sich die Designer bei der Gestaltung etwas gedacht. Es gibt immer eine Linie, die ansprechend ist. Der Rest ist Physik: Licht fällt ein, bricht, reflektiert. Dem Licht ist das Motiv egal. Dem Fotografen darf es nicht egal sein.