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Menschen | Köln/Leverkusen - 07. Januar 2019

Von der Musik verführt

Seit über drei Jahrzehnten steht die Kölner Philharmonie für einen musikalischen Kanon auf höchstem Niveau. Mit ihrem abwechslungsreichen Programm bietet sie neben dem klassischen Repertoire auch viel moderne Musik für ein junges Publikum. Verantwortlich dafür ist Intendant Louwrens Langevoort. Im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin spricht der Niederländer über das, was ihn beeinflusst und was er an seinem Job so liebt.

Herr Langevoort, Ihre internationale Karriere weist einige attraktive Stationen auf: Brüssel, Salzburg, Hamburg, Paris … Wieso sind Sie ausgerechnet in Köln sesshaft geworden?

Weil Köln einfach eine unglaublich lebhafte Stadt ist. Ich fühle mich hier seit über 13 Jahren sehr wohl. Das ist die persönliche Antwort. Die berufliche lautet: weil die Philharmonie das schönste Konzerthaus ist, das dieses Land zu bieten hat. So ein Haus zu leiten, sein Programm zu gestalten und dabei immer wieder neue Ideen entwickeln zu dürfen, wie man Musik in dieser Stadt fördern kann, ist eine total schöne Aufgabe. Das mache ich sehr gerne.

Ist Musik als universelle Sprache umso wichtiger in der heutigen Zeit, in der sich viele Länder wieder mehr abschotten? Wie sehen Sie das als weit gereister Europäer?

Ich bin in einer Zeit groß geworden, in der es überall Grenzkontrollen gab. Dann kam die EU und 2001 der Euro. Ich habe dies stets als großen Vorteil gesehen. Viele vergessen heute den Fortschritt und die Freiheit, die mit der europäischen Idee einhergehen. Ich habe in fünf verschiedenen Staaten gelebt. Da lernt man, wie toll es ist, Freiheit zu haben. Nur gemeinsam können wir die Probleme unserer Zeit lösen.

Kann Musik dabei helfen?

Musik ist international. Genau wie die Kunst braucht sie keine Sprache. Das hilft ungemein. Wir können Künstler aus der ganzen Welt zu uns einladen – und sie werden verstanden. Unser Publikum hatte noch nie ein Problem damit, woher die Musiker stammen. Das wäre geradezu grotesk. Zum Glück ist Köln in der Hinsicht sehr offen.

Ihr dritter Fünfjahresvertrag als Intendant der Philharmonie läuft 2020 aus. Wie sind Ihre Pläne?

Ich will noch nicht in Pension. Warum soll ich aufhören, wenn es mir gefällt? Ich wäre bereit für ein viertes Engagement. Jede Periode bringt neue Gedanken und Initiativen.

Das mag wohl daran liegen, dass moderne Musik stets ein großer Bestandteil des Programms ist …

Richtig. Wir bieten mit ACHT BRÜCKEN und einigen Gastspielen im Rahmen der c/o pop viel Modernes. Darüber hinaus gibt es noch die Initiative ON, das ist ein Netzwerk für neue, klassische Musik in Köln. Dort finden Auftritte in kleinerem Rahmen statt. Schauen Sie, wir sind ein Konzerthaus für 2.000 Personen. Und mir geht es darum, dass hier Musik gespielt wird – am besten jeden Tag. Meine Aufgabe ist, dass sich jeder Kölner in der Philharmonie wohlfühlt und seinen Musikstil findet. Es gibt keine programmatischen Limits. Das ist das Spannende.

Das Design des Konzertsaals hat die drei Jahrzehnte schadlos überstanden.
Selten hat Intendant Louwrens Langevoort den 2.000 Zuschauer fassenden Konzertsaal so für sich alleine.
Beliebt beim jungen Publikum sind zeitgenössische Musiker. Kurz vor Silvester trat zum Beispiel wieder der Wahl-Kölner Chilly Gonzales auf, der immer im Bademantel am Piano sitzt.

Ja, ein großartiger Pianist und Entertainer. Er sorgt immer für ein volles Haus. Seine Stücke schreibt er übrigens alle selbst. Ich bin froh über diesen populären Künstler. Denken sie auch an Nils Frahm, Michael Wollny oder die Aufführung der Six Pianos von Steve Reich. Das war sehr schön. Es kamen sechs Pianisten zusammen und haben miteinander kommuniziert. Dafür ist Musik da. Lang Lang ist in diesem Bereich ein Beispiel dafür, dass man auch mit klassischem Piano noch viele Menschen erreichen kann.

Warum liegt Ihnen die Förderung junger Musiker so sehr am Herzen?

Als Konzertsaal sind wir einerseits in der Pflicht, der nächsten Generation die Möglichkeit zu geben, sich vor Publikum zu präsentieren – sei es auf unserer Bühne oder in Kooperationsprojekten. Andererseits müssen wir neue, junge Besucher für uns begeistern. Das funktioniert häufig besonders gut, wenn Künstler und Publikum etwa im selben Alter sind. Wir fördern aber auch schon ganz junge Hörer. Etwa mit unserem Projekt PhilharmonieVeedel, bei dem wir Konzerte für Babys und Kinder in den Kölner Stadtteilen organisieren. Auch für Schulklassen haben wir Angebote, bei denen viele Jugendliche zum ersten Mal Musik erleben. Schön wäre, wenn jedes Kind aus Köln mindestens einmal bei uns war. Dann können sie selbst entscheiden, ob sie das Erlebnis nachhaltig beeindruckt hat.

Die Kölner Philharmonie spricht eine universelle Sprache

Die Kölner Philharmonie mit ihren steilen Rängen und der großen Orgel beeindruckt noch immer.
Der Saal wurde vom Architekten-Duo Peter Busmann und Godfrid Haberer entworfen. Sein Klang sucht nach wie vor seinesgleichen.
Welchen Stellenwert hat die Philharmonie generell in Köln?

Objektiv betrachtet – etwa anhand der Zuschauerzahlen – sind wir mit rund 600.000 Besuchern pro Jahr eines der meistbesuchten Häuser in Deutschland. Natürlich macht uns die Elbphilharmonie in Hamburg den Spitzenplatz streitig. Aber sie ist momentan auch noch ständig ausverkauft, hat zwei Säle und einen exponierten Platz in der Stadt. So viel Aufmerksamkeit hatten wir zuletzt vor 32 Jahren. Und trotzdem hat die Kölner Philharmonie immer noch ein internationales Programm, das sich mit allen Spielstätten messen kann. Unsere Akustik bleibt unerreicht. Und was wirklich besonders ist: Alle Musiker, die in der Philharmonie auftreten, fühlen sich wohl auf dieser Bühne. Deshalb spielen sie gerne hier, und das merkt auch das Publikum. Die einen begeistern die anderen. Man schaukelt sich gegenseitig hoch. Das macht das Erlebnis Philharmonie aus.

In der aktuellen Spielzeit 2018/2019 sind die Niederlande das Hauptthema. War das ein spezieller Wunsch von Ihnen?

Nein, das ist eher zufällig bei der Planung entstanden, als wir überlegten, wen wir gerne nach Köln holen würden. Dabei fiel auf, dass einige Niederländer dabei waren. Da machte es Sinn, diesen Fokus zu setzen. Es hat nichts Autobiografisches.

Trotzdem waren die Besuche im Amsterdamer Concertgebouw schon früh prägend für Sie, oder?

Natürlich. Als ich klein war, war Bernhard Haitink schon der bekannteste Dirigent der Niederlande. Umso mehr freue ich mich, dass wir ihn im Februar ein paar Wochen vor seinem 90. Geburtstag für zwei Konzerte bei uns begrüßen dürfen.

Wird das ein besonderes Highlight für Sie?

Ich bin ein Mensch, der immer wieder Highlights erlebt. Ich genieße die meisten Konzerte, die ich besuche. Sicher war Haitinks Aufführung von Mahlers dritter Sinfonie mit dem Orchester des Bayerischen Rundfunks vor einigen Jahren hier in der Philharmonie ein grandioses Erlebnis. Das Schöne an unserem Saal ist aber, dass wir jeden Tag etwas Neues und anderes erleben können. Man kann sich jederzeit neu von der Schönheit der Musik und dem Talent der Musiker verführen lassen.

„Schön wäre, wenn jedes Kind aus Köln mindestens einmal bei uns war.“Louwrens Langevoort

Stammbesetzung sind das Gürzenich-Orchester oder das WDR Sinfonieorchester.
Der 61-Jährige ist voller Tatendrang. Die Vorbereitungen für die Spielzeit 2019/2020 sind fast abgeschlossen.
Sie sprechen aus eigener Erfahrung?

Ja. Meine Eltern waren Laienmusiker und sind mit mir ins Concertgebouw gegangen. Das fand ich immer total faszinierend. Samstagnachmittags gab es ein günstiges Programm für Familien. Ich wollte immer wieder hin.

Sie sprechen es an, für viele Familien ist sicher das Preisniveau eine Hemmschwelle …

Sicher, aber wir haben auch Gratisangebote wie den PhilharmonieLunch. So nennen wir die letzte halbe Stunde einer Probe am Donnerstagmittag. Es gibt zudem Livestreams auf Philharmonie.tv. Und auch beim Festival ACHT BRÜCKEN im Frühjahr bieten wir immer einen Tag komplett ohne Eintritt an, an dem man alle Arten neuer Musik kennenlernen kann.

Das klingt experimentell …

Keineswegs. Neue Musik ist etwas aus dieser Zeit und nichts Abgehobenes oder schwer Verständliches. Es geht bei Musik um Gefühle, die man zu vermitteln versucht. Das lässt sich auch ohne große Vorkenntnisse übertragen. Trotzdem ist es manchmal hilfreich, die Strukturen von Musik zu kennen. Eine Sprache kann man ja auch nicht ohne Grammatik begreifen.

Stationen des Berufslebens

Louwrens Langevoort begann seine Tätigkeit als Kulturmanager nach Abschluss seines Jurastudiums 1981 als Dramaturg für Öffentlichkeitsarbeit und später als Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros am Brüsseler Théâtre Royal de la Monnaie. 1989 übernahm er die Leitung des Künstlerischen Betriebsbüros der Salzburger Festspiele. 1991 wurde er Künstlerischer Direktor an der Oper Leipzig und wechselte dann 1993 als Künstlerischer Betriebsdirektor an die Oper der Stadt Köln.

1994 wurde Langevoort Intendant und später auch Geschäftsführender Direktor der Nederlandse Reisopera in Enschede. Mit Beginn der Saison 2000/2001 trat er sein Amt als Opernintendant der Hamburgischen Staatsoper an. In dieser Position setzte er künstlerische Akzente, die die erfolgreiche Geschichte des Hamburger Opernhauses fortführten. 2004 und 2005 war Louwrens Langevoort auch als Berater für die Deutsche Staatsoper Berlin tätig.

Zu Beginn der Saison 2005/2006 hat Langevoort sein Amt als Intendant der Kölner Philharmonie, Geschäftsführer der KölnMusik GmbH sowie Künstlerischer Gesamtleiter des Festivals ACHT BRÜCKEN angetreten. Im August 2014 wurde der Vertrag des Niederländers zunächst bis Ende Juli 2020 verlängert. Sein Bestreben ist es, das weit über die deutschen Grenzen berühmte Angebot der Kölner Philharmonie in seiner Qualität und Vielfalt zu erhalten und weiter auszubauen.