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Menschen | Hannover - 12. Januar 2017

Künstliche Intelligenz:
Die Muster der Maschinen

Zukunftsforscher Alexander Mankowsky arbeitet bei der Daimler AG in einem kreativen Netzwerk aus Designern und Ingenieuren an Mobilitätslösungen für morgen. Als Soziologe betrachtet er dabei immer auch die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien. Ein Gespräch über künstliche Intelligenz, menschliche Vorzüge und fliegende Flecken.

Herr Mankowsky, Sie beschäftigen sich seit über 25 Jahren mit künstlicher Intelligenz (KI). Worin besteht der Unterschied zwischen KI in den 1990ern und heute?

Damals war Symbolismus das Schlagwort. Man dachte, dass wir Menschen in Symbolen denken, und wollte dieses Denken in Maschinen nachbilden. Dazu musste man ihnen alles beibringen, sämtliche Regeln und Bedeutungen. Man wollte den Maschinen quasi Intelligenz einpflanzen – eine Sisyphusaufgabe. Heute geht es ums maschinelle Lernen. Und das ist ein Zahlenspiel: Eine Maschine versteht ausschließlich 0 und 1. Sie ist im Prinzip dumm.

Also basiert die vermeintliche Intelligenz einer Maschine heute darauf, dass sie einen unbegrenzten Erfahrungsschatz aufbauen kann?

Ja, genau. Wobei eine Maschine keine Erfahrungen macht. Sie interpretiert Daten, sie wertet Muster aus. Aus den Daten wird jedoch nie Erfahrung oder Wissen. Das erscheint uns nur so aus unserer menschlichen Perspektive. Nehmen Sie die Sensoren eines Autos: Diese können schon heute sehr zuverlässig Muster erkennen, die zum Beispiel auf einen Fußgänger schließen lassen. Aber die Sensoren wissen nicht, dass es ein Fußgänger ist.

Erkennen wir Menschen im Prinzip nicht auch nur Muster?

Nein. Wenn ein kleines Kind am Horizont einen Fleck sieht, wird es irgendwann darauf zeigen und „Vogel“ sagen. Das Kind versteht sozusagen das Konzept „Vogel“ und das Konzept „Fliegen“. Es verknüpft damit eine Leidenschaft. Vielleicht würde es selbst gerne fliegen können und wackelt mit den Armen, um den Vogel zu imitieren. Das Kind entwickelt Empathie. Das ist zutiefst menschlich. Für die Maschine bleibt der Vogel ein Fleck. Alles andere dichten wir hinzu. Für die Sensoren an einem Fahrzeug ist es letztlich ja auch nur wichtig, dass die Muster korrekt interpretiert werden.

Im Gespräch mit Redakteur Oliver Knoch erläutert Alexander Mankowsky das Prinzip der künstlichen Intelligenz.
Im Gespräch mit Redakteur Oliver Knoch stellt Daimler Zukunftsforscher Alexander Mankowsky klar, dass künstliche Intelligenz nur dann dauerhaft erfolgreich sein kann, wenn es gelingt, zwischen Mensch und Maschine Vertrauen aufzubauen.
Im Mercedes-Benz Forschungsfahrzeug F 015 Luxury in Motion arbeiten diese Sensoren bereits so zuverlässig, dass sie in einem gewissen Rahmen autonomes Fahren ermöglichen. Was kann das Auto heute schon?

Mit dem F 015 wollen wir in erster Linie Antworten auf wichtige Fragen finden: Wie kann autonomes Fahren funktionieren? Was bringt es uns für Vorteile? Wie soll so ein Fahrzeug aussehen? Zum Beispiel haben wir durch den F 015 gelernt, dass ein autonomes Auto mit seiner Umwelt kommunizieren muss.

Ich nehme an, dass Sie damit mehr als nur einen Blinker meinen?

Richtig. Wenn man das Verkehrsgeschehen heute betrachtet, dann gleicht es einem Herdenverhalten. Wir schauen uns an, wie die anderen fahren, und interpretieren es. Wer fährt unsicher? Wer telefoniert? Wir stecken in einer dauerhaften, gegenseitigen Feedbackschleife. Das ist Biologie. Bei uns Menschen funktioniert das prima. Das Verhalten eines autonomen Fahrzeugs kann man hingegen nicht vorwegnehmen. Deshalb muss das Auto deutlich nach außen signalisieren, was es vorhat.

Wie kann es das tun?

Zum Beispiel durch große LED-Displays an Front und Heck. Wir haben auch einen virtuellen Zebrastreifen entwickelt, den der F 015 vor sich auf den Asphalt projizieren kann. Akustisch kann er durch Sounds und gezielte Sprachhinweise Signale senden.

Der F 015 von Mercedes-Benz definiert die Zukunft von Mobilität neu.
Mit dem autonom fahrenden Forschungsfahrzeug F 015 Luxury in Motion zeigt Mercedes-Benz wie das Automobil über seine Rolle als Transportmittel hinauswächst und sich zum mobilen Lebensraum und Arbeitsplatz von morgen wandelt.
2030 sollen autonome Fahrzeuge wie der F 015 in Serie gehen. Ist das nur ein Ansporn für die Ingenieure oder ein realistisches Ziel?

Der F 015 als solcher ist ja eine Studie und insofern natürlich Motivation für die Ingenieure. Wir wollen Elemente aus dem Forschungsfahrzeug in die Serienreife überführen. Das Ziel 2030 halte ich da schon für realistisch. Viele Ideen aus dem F 015 werden bis dahin Realität werden.

An welche konkreten Dinge denken Sie?

Das weitgehend autonome Fahren auf Autobahnen und großen Landstraßen wird meines Erachtens bis dann möglich sein. Auch wird es andere Interaktionsformen mit dem Auto geben. Wir werden weniger lenken, sondern vielmehr dirigieren. Und man wird mehr Zeit im Auto zur Verfügung haben. Dadurch werden sich unsere Gewohnheiten ändern. Gerade Geschäftsreisende werden davon profitieren, im Auto konzentriert arbeiten oder kommunizieren zu können. Es werden sich durch autonomes Fahren viele Rituale ändern – im Arbeits- wie im Privatleben.

Das bezieht sich ja nicht nur auf die Mobilität. Künstliche Intelligenz wird uns in Zukunft in allen Bereichen begegnen. Immer mehr Aufgaben werden von Algorithmen ausgeführt, ganze Berufszweige verschwinden. Was bleibt als unser menschliches Alleinstellungsmerkmal, also der entscheidende Vorteil, den wir gegenüber Maschinen haben?

Beruflich sollte sich jeder ganz individuell fragen: Wo liegen meine Talente? Was sollte ich an mir fördern? Man darf bei all der Technisierung nicht übersehen, dass es in der kreativen Avantgarde auch eine Gegenbewegung gibt. Dort wird es immer menschlicher, Achtsamkeit ist der große Trend. Vorhin sprachen wir bereits von der Empathie. Die Vis-à-vis-Sitze im F 015 sind ja längst nicht nur für Geschäftsleute gedacht, sondern insbesondere auch für Familien. Darin können sie dann zum Beispiel mit ihren Kindern spielen.

Alexander Mankowsky ist von Hause aus Soziologe.
Alexander Mankowsky hat in den 1990er-Jahren Sozialwissenschaften und künstliche Intelligenz (KI) studiert. Heute verknüpft er sein Wissen in den Bereichen Psychologie, Soziologie und IT, um Prognosen und Konzepte für das gesellschaftliche Leben von morgen zu entwickeln.
Macht Ihnen das Szenario der technischen Singularität also keine Sorgen?

Sie meinen das Konzept, nach dem in absehbarer Zeit die Computer den Menschen überlegen sein werden? Nein. Absolut nicht. Sich darüber Sorgen zu machen, ist so, als ob ein Zug auf Sie zurast und Sie darüber philosophieren, ob jetzt der Blitz einschlagen könnte. Singularität ist der Blitz, der Zug könnte in diesem Vergleich die Erderwärmung sein. Ich halte es da eher mit Miguel Nicolelis von der Duke University und seiner Theorie des „Relativistic Brain“. Er sagt, dass von digitalen Rechnern niemals unsere Hirnfunktionen nachgebildet werden können, weil in unserem Gehirn elektrische Felder aktiv sind, die zufällig Verknüpfungen erstellen. Und diese lassen sich mathematisch nicht beschreiben. Wir Menschen sind eben mehr als bloß Hardware und Software.

Künstliche Intelligenz bei Mercedes-Benz

Künstliche Intelligenz (KI) ist für Mercedes-Benz in vielen Bereichen ein zentrales Zukunftsthema – sei es in der Entwicklung, der Produktion, bei der Fahrzeugnutzung und darüber hinaus im Bereich von Mobilitätsservices.

Ein bedeutendes Ziel von Mercedes-Benz bildet die Entwicklung kognitiver Fahrzeuge. Diese sollen nicht nur auf bestimmte Situationen reagieren können, sondern über genügend Wissen verfügen, um auf dieser Grundlage selbstständig zu handeln.

Die automatische Bild- und Mustererkennung für Fahrassistenzsysteme und autonom fahrende Fahrzeuge wird fortlaufend optimiert. Entscheidend dabei ist das Zusammenspiel von Kameras, Sensoren und den verbundenen Recheneinheiten.

Mercedes-Benz arbeitet mit vielen renommierten Forschungseinrichtungen zusammen, u. a. mit dem Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory (CSAIL) des Massachusetts Institute of Technology (MIT), eine der weltweit bedeutendsten Einrichtungen auf dem Gebiet der KI.