10. Juli 2018
Menschen | Wuppertal

Handgemacht in Solingen
Leimküller-Messer

Solingen nennt sich ganz offiziell „Die Klingenstadt“, denn 90 Prozent der deutschen Schneidwaren- und Besteckunternehmen sind in der Stadt an der Wupper ansässig. Zudem gibt es dort ein paar kleine, feine Manufakturen. Eine davon gehört Matthias Leimküller – und das Mercedes-Benz Kundenmagazin hat den Jungunternehmer in seiner Werkstatt besucht.

Wer in die Kellerwerkstatt von Matthias Leimküller herabsteigt, würde in dem kleinen, niedrigen Raum voller Werkzeug und Schleifmaschinen alles vermuten, aber bestimmt keine Kunstwerke. Zwischen vielen Schächtelchen und jeder Menge Schleifpapier liegen glänzend geschliffene Messerklingen oder schon fertige Jagdmesser mit aufwendig geformten Griffen aus Holz und Messing. Beim Begriff „Kunstwerk“ wiegelt der 37-Jährige aber gleich ab: Seine Messer seien zwar jeweils Unikate, aber Handwerk sei Handwerk und keine Kunst. Ein Blick in die Biografie des 37-Jährigen relativiert diese Aussage ein wenig, denn Leimküller, geboren und aufgewachsen in der Klingenstadt Solingen, hat Grafikdesign und Malerei studiert – ein wenig Künstlertum ist also durchaus vorhanden. „Das Studium war insofern eine gute Basis, als ich ein Auge für Proportionen bekommen habe. Es hilft mir, optisch ansprechendere Messer zu gestalten.“

Eine Stadt als Qualitätssiegel

Vor sechs Jahren hat er sich mit dem Solinger Klingenvirus angesteckt. „Auf einer Messe habe ich mir von einem Schmied eine Klinge fertigen lassen“, erinnert sich der Jungunternehmer. „Ich habe dafür dann den Griff gemacht, und das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dachte, jetzt musst du es mal ganz selber probieren.“ Seine ersten Messer-Experimente unternahm er bei einem Förderverein in Solingen, Anfang 2017 bezog er dann seine Werkstatt, was die Stückzahlen schnell nach oben schnellen ließ. „In den vergangenen 18 Monaten sind hier gut 70 Messer entstanden. Die Kellerwerkstatt ist übrigens der alte Schleifkotten meines Großvaters.“

Matthias Leimküller in seiner Werkstatt in Solingen
Matthias Leimküller in seiner Solinger Werkstatt.

Ein Schleifkotten ist eine Schleiferwerkstatt, denn Schleifer oder „Schlieper“, wie die Solinger sagen, war früher ein eigener Berufsstand. „Mein Uropa war Scherenschleifer und mein Opa hat einige Zeit Nagelzangen geschliffen, von daher knüpfe ich mit dem Messermachen ein wenig an die Familientradition an“, so Leimküller, der wie alle ortsansässigen Schneidwaren-Produzenten den Namen Solingen auf seinen Messern führen darf. Tatsächlich existiert eine sogenannte „Solingenverordnung“, die den Namen der Stadt als Herkunftsangabe – und letztlich als Qualitätssiegel – schützt. Solingen ist damit als einziger Städtename der Welt gesetzlich geschützt.

Jäger und Sammler

Das wissen auch die Kunden von Matthias Leimküller zu schätzen. Jäger und Outdoorfans schwören auf die Klingen von „M. Leimküller – Solingen“, wie seine Manufaktur offiziell heißt. Theoretisch lassen sich die Messer über seinen Onlineshop kaufen, aber „ich mag es lieber, wenn die Leute mich in der Werkstatt besuchen und das Messer auch haptisch wahrnehmen“.

Neben den „Usern“ gibt es auch Liebhaber von Handwerkskunst und Sammler, die sich ein Leimküller-Messer ins Regal legen. „Aber ich freue mich auch immer sehr über Feedback von Kunden, die meine Messer wirklich benutzen und sie immer wieder in die Hand nehmen.“

Eine Kiste mit Schlüssel in der Messer-Werkstatt vom Matthias Leimküller in Solingen
Setzt auch beim Thema Mobilität auf langlebige Qualität: Matthias Leimküller reist zu Kunden und Messen mit einer Mercedes-Benz C-Klasse, Baujahr 2006.
Matthias Leimküller bei der Messer-Herstellung in seiner Solinger Werkstatt.
Hier sind Erfahrung und Können gefragt.

Rostfrei oder nicht rostfrei?

Allerdings ist Leimküller kein Schmied. Er kauft den Stahl für die Klingen in der richtigen Stärke und lässt sich die meisten Rohlinge für seine Entwürfe in einer örtlichen Schlosserei auf einem Wasserstrahl-Schneider ausschneiden – das spart Zeit und vor allem Dreck. In der Werkstatt schleift er den Stahl dann zu einer scharfen Klinge und fügt ihn mit dem Griff zusammen. „Ich entwerfe meine Messer am Rechner mit einer Software, die ich auch als Grafikdesigner nutze.“ Etwas moderne Technik kommt also schon zum Einsatz, aber ansonsten verläuft der Fertigungsprozess beinahe so traditionell wie vor hundert Jahren.

Übrigens zieht der Klingenexperte nicht rostfreie Stähle vor. Jedoch sei die Stahlwahl eine Art Glaubensfrage unter den Messerliebhabern, denn sowohl rostfreie als auch rostende Stähle hätten Vor- und Nachteile. „Ich fertige sowohl Messer aus rostfreiem als auch aus rostendem Stahl, je nachdem, für welchen Einsatzzweck das Messer konzipiert ist. Viele Menschen wollen zum Beispiel keinen rostenden Stahl in der Küche, da sie es unansehnlich finden, wenn die Klinge mit der Zeit anläuft und dunkel wird“, sagt Matthias Leimküller. Und „rostfrei“ wäre ohnehin ein irreführender Begriff: „‚Rostträge‘ müsste man eigentlich sagen, denn selbst ein rostfreies Küchenmesser bekommt ohne richtige Pflege irgendwann mal Flecken.“ Der 37-Jährige selbst nutzt ein Messer aus nicht rostfreiem Stahl beim Wandern und Trekking – seine Leidenschaft gilt den weitläufigen Landschaften in Schweden und Norwegen, die er mit Rucksack und Zelt zu Fuß oder im Kanu durchstreift. Manchmal ist es eben doch ganz gut, dem engen Keller in Solingen zu entkommen.

Rostige Klinger in der Solinger Messer-Werkstatt von Matthias Leimküller
Rost ist kein Makel für Matthias Leimküller, sondern eine normale Materialeigenschaft.
Matthias Leimküller
M. LEIMKÜLLER – SOLINGEN
  • Handwerk:

    „M. Leimküller – Solingen“ bietet Jagd- und Outdoormesser, die alle handgefertigt sind. Kunden können sich ihr Traummesser nach eigenen Wünschen fertigen lassen. Auch die Messerscheide entsteht in Handarbeit. Die teuersten Messer liegen bei über 500 Euro.

  • Inhaber:

    Matthias Leimküller ist geboren und aufgewachsen in der Klingenstadt Solingen. Der Grafikdesigner hat sich das Messermachen selber beigebracht und knüpft an die Familientradition an, denn sein Großvater und sein Urgroßvater waren Klingenschleifer in Solingen.

  • Social Media:

    Mehr Informationen zu den Produkten von M. Leimküller – Solingen gibt es bei Facebook und auf Instagram.