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Menschen | Mannheim-Heidelberg-Landau - 04. Dezember 2017

Teatime
in der Pfalz

Wo Wein wächst, da wachsen auch Kräuter. Das zumindest dachten sich Jessica Schönfeld und Christian Weiß. Seit 2016 produziert das junge Start-up Pfälzer Tee vom Feinsten – biologisch und in reiner Handarbeit.

Nur 20 Minuten von Mannheim entfernt liegt ein kleines Kräuterparadies: Auf über 2.500 Quadratmetern verströmen Minze, Salbei und Melisse ihren betörenden Duft, während Malven, Ringel- und Kornblumen eine einzigartige Farbenpracht auf die Felder zaubern. Ein Werk der „Tee-Gärtner“, wie sich Jessica Schönfeld und Christian Weiß selbst nennen. 2016 gründeten sie das Start-up Schönfeld Tee, das rein biologisch angebaute Kräutertees aus der Pfalz produziert.

Dass es das Paar, das sich während des Studiums an der Hochschule Geisenheim kennenlernte, ausgerechnet ins beschauliche Dörfchen Ruppertsberg verschlug, war ein glücklicher Zufall: Schönfeld hatte sich bei einigen Weingütern beworben, unter anderem in Deidesheim, wo sie einen Job bekam. Weiß hat Getränketechnologie studiert und seine Bachelorarbeit über die Konzeption einer Teemarke geschrieben. Zudem ist er gelernter Landschaftsgärtner in vierter Generation und wurde sozusagen mit dem grünen Daumen geboren. Seine beruflichen Erfahrungen haben ihn noch mal darin bestärkt, Lebensmittel herzustellen, die ohne den Einsatz von Chemie auskommen.

Pfälzer Tee für die Genussregion

Und so begannen die begeisterte Teetrinkerin und der gebürtige Rheinländer Pläne zu schmieden. „Das milde Klima der Pfalz eignet sich nicht nur perfekt für den Anbau von Wein, sondern auch von Kräutern. Nicht umsonst wurden hier früher mal Pfefferminze und Tabak angebaut“, so Schönfeld. „Hinzu kommen die ausgezeichneten Böden.“ Als Wahlheimat entschieden sich die beiden für den nur etwa zwei Kilometer von Deidesheim entfernten Nachbarort Ruppertsberg. „Hier gibt es eine wirklich tolle Dorfgemeinschaft“, sagt die Gründerin, „man hat es uns nie spüren lassen, dass wir nur zugezogen sind.“

Über Kontakte zur Genossenschaft kamen sie an landwirtschaftliche Flächen, die sie für ihre Tee-Idee nutzen konnten. Im Dezember 2016 begann der Verkaufsstart – etwa 500 Packungen Tee ergab die erste Ernte der beiden. Bereits Mitte Februar waren diese ausverkauft. „Es hat uns total überrascht, wie gut es lief, viel besser als angenommen.“ Mittlerweile vertreiben sie die Tees über ihren eigenen Onlineshop, drei regionale Supermärkte sowie einige kleine Händler. Sogar nach Belgien wurde der Tee aus der Pfalz schon verschickt.

Natürlich ist es nicht immer leicht: „Im Winter 2016 war es sehr kalt“, erzählt Schönfeld, „da haben wir 70 Prozent unserer Zitronenverbene verloren, das war auch finanziell ein Rückschlag für uns. Zum Glück bauen wir immer etwas mehr an, als wir brauchen. Hagel, Hitze, Kälte – es kann immer etwas Unkalkulierbares passieren.“ Und dass nicht immer alles rundläuft, das wisse man ja, wenn man ein Start-up gründe.

Pfälzer Teamwork für Pfälzer Tee: Während der Erntezeit bekommt das Start-up Hilfe von Bewohnern der Region
Teamwork: Ab Sommer bis Mitte Oktober ist Erntezeit. Dann bekommt das Start-up Hilfe von Bewohnern der Region.

„Wir haben weder einen Hof noch Flächen geerbt, auch kein Kapital“, sagt die gebürtige Leipzigerin, die derzeit noch Vollzeit auf einem Weingut arbeitet. „Alles, was wir haben, haben wir allein geschafft. Da muss man halt sparsamer leben und kann sich nicht alles leisten, was andere haben. Da heißt es zum Beispiel daheim wandern gehen, statt in den Urlaub zu fahren. Manchmal grübelt man schon kurz“, sagt Schönfeld, zum Beispiel, wenn die Freundin im selben Jahr zum dritten Mal in den Urlaub fahre. „Wir bereuen unsere Entscheidung aber nicht, wir wissen, dass das, wofür wir arbeiten, wirklich unsers ist, das ist viel wert.“ Dass die beiden abends oft Tee verpacken, am Wochenende ernten oder Messen besuchen, macht ihnen nichts aus. „Solange noch genügend Zeit für Freunde bleibt, ist alles in Ordnung. Wir lieben es Tee-Gärtner zu sein, deswegen bereuen wir unsere Entscheidung auch nicht. Selbst wenn wir mal frei haben erwischen wir uns immer wieder dabei, doch über das Projekt nachzudenken, einfach weil wir dafür brennen!“

Leidenschaft für Pfälzer Tee: Christian Weiß ist hauptberuflich für Schönfeld Tee im Einsatz, Jessica unterstützt ihn in jeder freien Minute.
Leidenschaft: Christian Weiß ist hauptberuflich für Schönfeld Tee im Einsatz, Jessica unterstützt ihn in jeder freien Minute.

Natürliche Zutaten von Hand geerntet

Transparenz ist dem jungen Start-up wichtig: „Unsere Kunden sollen sehen können, wo und wie ihr Tee angebaut wird, deswegen bieten wir nach Absprache auch Führungen an. Auf diesen lernen die Besucher alle Schritte der Teeproduktion kennen: vom Einsetzen der Jungpflanzen über die Ernte bis hin zur Trocknung. Am Ende steht immer eine Teeverkostung an.“

„Unsere Kunden sollen sehen können, wo und wie ihr Tee angebaut wird.“Das nachhaltige Konzept der „Tee-Gärtner“ kommt gut an, auch bei Großstädtern: „Anfangs hatten wir etwas Sorge, dass gerade jüngere Leute vielleicht sagen: ,Tee trinke ich nur, wenn ich krank bin‛, doch das hat sich spätestens geändert, als wir drei Hipster-Jungs aus Hamburg mit Models für einen Werbevideo-Dreh hier hatten und die meinten: ,Selbst gemachter Tee? Ist doch voll cool!‘“ Diesen Wunsch „zurück zu den Wurzeln“ nehmen sie mittlerweile ganz stark bei den Menschen wahr.

Ob sie Träume für die Zukunft haben? „Wir hätten gerne mehr Fläche, um mehr Sorten anbauen zu können, jedes Jahr sollen drei neue dazukommen. Allerdings nur Kräuter, die sich hier wohlfühlen.“ Darunter auch exotische Sorten wie Ingwer, Zitronengras, und Griechischer Bergtee wird es im kleinen Ruppertsberg bald geben. „Unser größter Wunsch wäre es jedenfalls, wenn unser Pfälzer Tee mal irgendwann so gut ankommt, dass wir davon leben können.“

Zitronenverbene: dieser Pfälzer Tee ist beliebt wegen seines leicht zitronigen Geschmacks
Natürlicher Frischmacher: Tee aus Zitronenverbene gehört in Frankreich zu jedem guten Essen dazu. Er zeichnet sich durch seinen frischen Geschmack und zugleich beruhigende Wirkung aus, verrät Jessica Schönfeld.

Tee-Gärtner aus Leidenschaft: Jessica Schönfeld und Christian Weiß haben ihre neue Wahlheimat schätzen gelernt, denn sie bietet ideale Anbaubedingungen für die Kräuter.