05. Juni 2018
Menschen | Mainz

Jan Felix May:
Der Pianoman

Jan Felix May ist der Shooting-Star der deutschen Jazz-Szene: Mit drei Jahren spielte er zum ersten Mal Klavier, mit 19 studierte er an der Mainzer Hochschule für Musik, mit 23 gewann er den Nachwuchs-Solistenpreis bei der renommierten Jazzwoche Burghausen. Nach Abschluss des Studiums haut der Pianist jetzt richtig in die Tasten: auf seinem ersten Album und auf Tournee mit der norwegischen Sängerin Torun Eriksen.

Mit drei Jahren spielen fast alle Jungen mit Autos. Aber auch nur fast. Jan Felix May gehört zu den Ausnahmen, er interessierte sich mehr für die Instrumente seines Vaters, einem Musiklehrer. „In unserem Haus stand immer ein Klavier. Darauf habe ich zunächst einfach rumgeklimpert“, erzählt May. Der Vater wurde sein erster Lehrer. Später hatte May Unterricht bei einer russischen Klavierlehrerin. „Da habe ich viel Klassik gespielt. Aber ich wollte lieber etwas anderes machen“, erinnert er sich. „Irgendwann habe ich Oscar Peterson gehört, ein großartiger Jazz-Pianist. Da wusste ich: Eines Tages möchte ich auch Jazz machen.“

Mit ihr nahm Jan Felix May 2017 im Paris auch einige Stücke für sein erstes eigenes Album auf. Es erscheint im Oktober 2018.
Gemeinsam auf Tournee: Jan Felix May und die norwegische Sängerin Torun Eriksen.

Ausnahmetalent am Flügel

Eine musikalische Verbindung, die offenbar harmoniert: Zwischen 2008 und 2011 gewann May bei „Jugend jazzt“, dem Musikwettbewerb für den deutschen Jazz-Nachwuchs, vier erste Preise in der Combo und als Solist. Dort entdeckte ihn Sebastian Sternal, vielfach ausgezeichneter Jazz-Pianist, ebenfalls gebürtiger Mainzer und seit 2011 Professor für Jazz-Klavier und -Ensemble an der Hochschule für Musik Mainz. „Gerade für Jazz hat Mainz einen guten Ruf“, sagt May. Als einer der ersten Jungstudenten schrieb er sich 2012 noch als Schüler zum Studium ein. Spätestens seit 2016 ist der Pianist auch überregional bekannt: Da gewann er beim Nachwuchswettbewerb bei der Internationalen Jazzwoche im oberbayerischen Burghausen den Solistenpreis, seine Band den 2. Preis. „Das ist Jazz!“, schwärmte der renommierte Musikredakteur und Jazz-Experte Roland Spiegel bei der Preisverleihung.

Impressionen vom Palatia Jazz Festival 2017.

Der Auftakt für mehr

„Der Nachwuchspreis hat mir viele Türen geöffnet“, so der Pianist. Mit dieser Auszeichnung und dem Diplom im Rücken konzentriert sich May, der schon mit Größen wie Heinz-Dieter Sauerborn gespielt hat, nun 100-prozentig auf seine Karriere als Musiker, Arrangeur und Komponist. Sein ehemaliger Lehrer Sebastian Sternal ist überzeugt, dass sein Schüler seinen Weg macht: „Jan Felix treibt seine Projekte mit unheimlich viel Energie voran. Und für so einen jungen Musiker hat er eine sehr klare Vision, wie seine Musik klingen soll.“

Auch wenn seine Wurzeln erkennbar im Jazz liegen, liebt May die Vielfalt und den Stilmix. „Wir sind eine Art moderne Rockband mit Electrosound, gespielt von Musikern, die alle ihre Wurzeln im Jazz haben.“ Radiomacher Thomas Hein sagte über ihn: „Der melodische Gestaltungswille von May sorgt für zahlreiche Momente an Schönheit in der Musik, die sich tief ins Gedächtnis einprägen.“ Doch am besten hört man sich seine Musik selbst an. Dazu gibt es bald ausgiebig Gelegenheit: Im Oktober erscheint sein erstes Album, das er gemeinsam mit der norwegischen Sängerin Torun Eriksen eingespielt hat. Wir haben ihm jazzmäßig ein paar Themen zugeworfen, die er für uns interpretiert.

Das Klavier ist für mich …

ein Mittel, um mich auszudrücken. Eben ein Instrument. Komponieren ist ein unglaublich vielschichtiger Prozess. Weil ich das Klavier lange kenne, weiß ich ungefähr, was er hergibt.

In Mainz …

lebe ich seit meiner Geburt. Aber Mainz ist auch ein guter Standort für einen Musiker. Gerade in Sachen Jazz passiert hier momentan sehr viel. Die Szene wächst. Und ich kann hier auch gut komponieren. Hier ist es schön ruhig.

An der Musikhochschule habe ich gelernt, dass …

man früh anfangen muss, sein Leben in die Hand zu nehmen, gerade als Musiker. Viele wissen nach dem Studium nicht, wie sie weitermachen sollen. Ich habe gesehen, wie Profis mit dem Job umgehen. Und natürlich habe ich hier technisch und musikalisch viel gelernt.

Als Schüler unter Studenten …

bin ich gar nicht aufgefallen. Der Altersunterschied war ja auch nicht riesig. Und für Musiker spielt das Alter ohnehin keine Rolle. Ich habe kürzlich noch mit Vitold Rek gespielt, einem 62-jährigen Kontrabassisten aus Polen. Wir sind einfach zusammen in einem Raum und machen Musik.

Jazz ist nicht nur was für alte Männer, weil …

Jazz ein großer Überbegriff ist, der nicht nur Swing und Bebop umfasst, sondern auch Moderneres. Jazz ist wie eine Sprache. So wie diese sich mit den Menschen weiterentwickelt, entwickelt sich auch der Jazz. Der Begriff steht heute für eine Vermengung von ganz vielen Stilen. Auch in der Popmusik steckt viel Jazz. Genau das war von Anfang an der Jazz-Gedanke: Dinge zu vermengen. Das Schöne am Jazz ist: Wenn man vier Jazz-Musiker aus allen Ecken der Welt zusammenholt, dann können sie zusammen spielen. Man einigt sich auf einen Jazz-Standard und improvisiert dann. Es ist wie mit Freunden. Dabei erfährt man sehr viel über die Menschen. Denn so, wie man ist, so macht man auch Musik.

 

 

„Songs zu schreiben ist für mich wie Architektur.“Jan Felix May

Meine Musik ist …

nicht nur Jazz. Das ist mir wichtig. Klar, im Jazz liegen meine Wurzeln. Aber ich kenne niemanden, der diese Einflüsse aus Jazz, Electro und Rock auf diese Weise zusammen mit diesen ungeraden Taktarten so vermischt, und das ist für mich etwas Neues. Aber mir geht es nicht um die Innovation der Innovation wegen. Es ist eine sehr komplexe Musik, aber zugleich hörbar, kein Gedudel. Ich möchte ja viele Menschen erreichen. Etwas Komplexes so hörbar zu machen, dass es etwas ausdrückt, das ist die Herausforderung beim Komponieren.

Zu den Dozenten von Jan Felix May an der Hochschule für Musik gehörte Sebastian Sternal, Jazz Pianist und zweifacher Jazz Echo Preisträger.
Charakterkopf: der Mainzer Pianist Jan Felix May.
Ideen für neue Stücke kommen ...

auf ganz unterschiedlichen Wegen zu mir. Ich kann den ganzen Prozess selbst nicht verstehen. Songs zu bauen ist wie Architektur. Mal steht am Anfang ein Gefühl, mal eine Geschichte, manchmal eine musikalische Idee. Ich werde beeinflusst durch die Musik, die ich höre, durch Kunst. Manchmal scheine ich überzuquellen vor Ideen. Zum Beispiel wenn ich beim Haus meiner Eltern einen bestimmten Weg entlanggehe. Manchmal sitze ich einen Tag an zwei Takten. Ich mache erst weiter, wenn ich weiß, was ich will. Aber ich habe auch schon mal ein Stück an einem Tag geschrieben.

Als Nächstes würde ich gerne …

eine Weile in Paris leben. Dort habe ich im vergangenen Jahr mein erstes Album aufgenommen. Ich habe eine enge Verbindung nach Frankreich. Mein größtes Vorbild ist Jacques Brel, nicht wegen seiner Musik, sondern wegen seiner Energie. Über meinem Bett hängen drei Fotos von ihm. Er ist auch als junger Mann nach Paris gegangen.

Mein erstes Album …

erscheint im Oktober. Es ist mein erster Schritt in die für mich noch neue Welt als Profimusiker. Aber es wird weitergehen. Ich habe schon viel neues Material.

Torun Eriksen sollte man sich anhören, weil …

sie eine sehr eigene Art hat, Songs zu interpretieren. Ich habe sie beim SWR Jazzpreis gesehen. Ich fand sie so toll, dass ich nach dem Konzert zu ihr gelaufen bin und sie gefragt habe, ob ich ihr was zuschicken darf. Sie war anfangs etwas reserviert, aber dann hat sie zugestimmt. Ich hatte beim Komponieren schon im Ohr, wie sie die Stücke singen würde.

Am Leben als Musiker gefällt mir, dass …

man jung bleibt. Wenn ich Musik mache und komponiere, bin ich immer in Kontakt mit dem Wesentlichen, dem Hier und Jetzt. Denn letztlich ist Musik immer der Versuch, das Leben auf eine neue Weise zu erzählen. Und ich mag auch die Lebensweise, die Freiheit, die man als freischaffender Künstler hat. Allerdings muss man als Musiker schon etwas mehr auf sich aufpassen als in anderen Berufen. Ich hoffe, ich werde auch in Zukunft mein Geld mit der Musik verdienen – so wie jetzt, nur etwas mehr (lacht).

Begleitet wurde der Pianist von der norwegischen Sängerin Torun Eriksen, die mit ihm ab Mai 2018 auf Tournee geht.
Jan Felix May
  • Geburtsjahr:

    1993

  • Werdegang:

    Studium an der Hochschule für Musik Mainz (2012–2017); seitdem freischaffender Musiker, Komponist und Arrangeur

  • Auszeichnungen:

    Vier erste Preise bei „Jugend jazzt“, Combo und Solist (2008–2011); Solistenpreis 8. Europäischer Burghauser Nachwuchs-Jazzpreis; 2. Platz mit Band (2016)

  • Projekte und Ensembles:

    Jan Felix May & Band; Vitold Rek und Young Spirit; Minority