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Menschen | Frankfurt/Offenbach - 04. Juni 2019

1.000 Kilometer zu Fuß

Eigentlich wollten die Filmemacher Silke Schranz und Christian Wüstenberg nur den Fernwanderweg Rota Vicentina laufen, aber aus geplanten 100 Kilometern wurden am Ende 1.000. Ihre besonderen Erlebnisse haben sie festgehalten in dem Kinofilm „Portugal – Der Wanderfilm“.

Oft sind Silke Schranz und Christian Wüstenberg zu wunderschönen Stränden in Portugal gefahren, sind am Wasser entlanggelaufen und haben diese Zeit richtig genossen. Auf der Fahrt in einem Mietwagen haben sich die beiden dann irgendwann die Frage nach dem Warum gestellt. Ihre Sehnsucht, einfach weiterzulaufen, zu erfahren, was sie hinter der nächsten unentdeckten Kurve, dem nächsten Felsen erwartet, wurde so groß, dass sie es eines Tages einfach gemacht haben. Die wunderschöne Landschaft, die tosenden Wellen an der portugiesischen Küste haben die beiden absolut in ihren Bann gezogen, sodass aus 100 Kilometern am Ende 1.000 wurden. Ihre Wanderung führte sie in 36 Etappen entlang der Küste von der Algarve über Lissabon bis hoch in den Norden nach Porto. Auf dem Rücken nur knapp fünf Kilogramm Gepäck und in der Hand immer die Videokamera, denn die Filmemacher haben ihre Wanderung mit den vielen Herausforderungen, die sie zu meistern hatten, im Film „Portugal – Der Wanderfilm“  dokumentiert: Was, wenn Flüsse ihren Weg kreuzen? Wenn die Blasen an den Füßen höllisch schmerzen oder wenn es dunkel wird und sie immer noch keine Unterkunft gefunden haben?

Impressionen von der Wanderung an Portugals Küste.

Ihr seid 1.000 Kilometer zu Fuß gelaufen. Für viele unvorstellbar. Ihr müsst geübte Wanderer sein.

Christian: Im Gegenteil. Wir sind blutige Anfänger und haben zum ersten Mal für einen Dokumentarfilm kein Verkehrsmittel benutzt. Gestartet sind wir im Südwesten Portugals und hatten uns 100 Kilometer vorgenommen. Daraus sind dann 1.000 Kilometer geworden, weil uns das Wandern so gut gefallen hat und wir unbedingt weiterlaufen wollten.

Habt ihr euch gar nicht vorbereitet?

Silke: Wir haben uns zumindest um gute Schuhe gekümmert. Auch der Rucksack sollte nicht drücken und nerven. Ansonsten waren wir relativ unvorbereitet. Aber es war bewusst so gewählt. Während wir uns für unsere vorherige Reisereportage eine Südafrika-Karte ins Arbeitszimmer gehängt, ein Jahr lang recherchiert und eine sinnvolle Route von Kapstadt bis Johannisburg – 10.000 Kilometer durch Südafrika – geplant haben, sind wir für „Portugal – Der Wanderfilm“ einfach losgelaufen und wollten schauen, was uns erwartet.

Es scheint immer etwas mit den Leuten zu machen, wenn sie zu Fuß gehen.Christian Wüstenberg

Ihr habt das gemacht, was man heutzutage selten macht: sich dem hingeben, was kommt, und nicht vorgefertigte Wege gehen …

Silke: Es ist toll, das zuzulassen und sich Dinge zu trauen. Unsere einzige Maßgabe war, immer an der Küste, am Meer zu laufen. Wir wollten keine markierten Wanderwege gehen. Das führte natürlich auch zu Herausforderungen. Manchmal gab es tiefe Schluchten, die wir nicht passieren konnten. Dann mussten wir kilometerweit wieder landeinwärts laufen. Es gab große Lagunen, die mussten wir mit dem Rucksack in den Händen fast bis zum Kinn im Wasser durchwaten.

Und ihr musstet darauf vertrauen, jeden Abend einen Schlafplatz zu finden.

Christian: Das macht wahnsinnig viel Spaß. Wenn man für sieben Wochen keine einzige Unterkunft vorbucht und jeden Tag eine neue braucht, ist man dazu gezwungen, Leute anzusprechen. Das übt im Umgang mit der Sprache – und es führt zu wunderschönen Begegnungen mit Menschen, mit denen man auch noch abends bei einem Essen zusammensitzt.

 

Haben Lissabon erreicht: Silke Schranz und Christian Wüstenberg von Portugal – Der Wanderfilm
Silke Schranz und Christian Wüstenberg haben das Etappenziel Lissabon erreicht.

Silke: Man wird jeden Tag aufs Neue überrascht und ist geplättet von so viel Freundlichkeit. Man fragt sich immer, würde einem in Deutschland das Gleiche passieren, wenn man vom Regen zerrupft ankommt und im Mini-Mercado, dem Tante-Emma-Laden im Dorf, fragt: „Kennen Sie jemanden, der heute Nacht noch ein Zimmer vermietet?“ An allen 36 Etappen haben wir sofort eine Unterkunft bekommen.

Beschreibt euren Wanderprozess.

Christian: Den ersten Tag sind wir voller Euphorie losgelaufen. Am nächsten Morgen hatten wir den ersten Muskelkater und die erste kleine Blase. Vor allem der Muskelkater wurde nicht besser, weil die Beine untrainiert waren. Am dritten Tag kam eine Etappe über 28 Kilometer und es wurde ganz schön sportlich für Ungeübte wie uns. Ich habe morgens eine Schmerztablette genommen und bei jedem Schritt „aua“ gedacht. Aber man lernt, mit Schmerzen umzugehen. Die positive Erfahrung des Wanderns überwiegt.

Silke: Wir merkten, dass es mit jedem Tag draußen in der Natur besser geht. Wir ließen uns von der Brandung und den Wellen anpfeifen. Es wurde intensiver und schöner. Man entwickelt ein anderes Gefühl für Geschwindigkeit – das ist herrlich.

Was ist euch denn zum Beispiel auf eurem Weg passiert?

Silke: Einmal, als wir eine Unterkunft gefunden hatten, erzählte uns der Hausbesitzer, dass im Nachbarort ein großes Fest stattfindet. Kurzerhand beauftragte er seine Schwester, uns dorthin zu fahren. Daraus entwickelte sich ein unvergesslich schöner Abend.

Wie haben die Menschen generell auf euch reagiert, wenn ihr von eurer Wanderung erzählt habt?

Silke: Die haben uns alle nicht geglaubt. Portugiesen kennen eigentlich Wandern als solches nicht.

Christian: Die älteren Menschen auf den Parkbänken haben uns immer gegrüßt und dann mit Fingern auf unsere Schuhe gezeigt, weil niemand in Portugal Wanderschuhe trägt. Und wir fragten: „Wie kommen wir in das nächste kleine Dorf? Das soll sieben Kilometer entfernt sein.“ Dann zeigten sie auf die Bushaltestelle. Und wir antworteten: „Wir wollen dahin aber wandern.“ Darauf kam die Antwort: „Das kann man nicht. Man kann da nicht hinlaufen. Wo ist euer Auto?“ Die dachten bestimmt: Diese Deutschen sind verrückt!

Was war neben Muskelkater und Blasen an den Füßen eine Herausforderung, die euch an eure Grenzen gebracht hat?

Christian: Wir hatten Karten dabei, die wir uns zu Hause ausgedruckt hatten, um uns ein bisschen zu orientieren. Auf diesen waren die Flüsse im Sommer zum Teil ausgetrocknet. Wir sind aber im Herbst und Winter gelaufen, und zu dieser Zeit floss an einigen Stellen Wasser und wir mussten richtig weite Umwege gehen. Das ist öfter passiert. So wurde der Weg auch zu einer kleinen Beziehungsprobe, wenn einer sagte, gehen wir nach links, und der andere nach rechts wollte. Und wenn der eine den anderen tatsächlich falsch gelotst hatte, musste der sich am Ende ganz schön was anhören.

Was habt ihr an Gepäck mitgenommen?

Silke: Nicht so viel. Jeder hatte nur 4,8 Kilogramm auf dem Rücken. Bei uns war die Devise, dass der Gewinn im Verzicht liegt.

Christian: Wir hatten genau drei Garnituren mit. Eine davon hatten wir an und im Rucksack hatten wir weitere zwei T-Shirts, zwei Unterhosen und zwei Paar Socken verstaut. Die Garnitur, die wir den Tag über trugen, haben wir abends in der Privatunterkunft im Handwaschbecken gewaschen und über Nacht getrocknet. Auf alles andere haben wir verzichtet: Wir hatten kein Smartphone, keinen Laptop, nur die Wanderschuhe und ein paar Flip-Flops.

Was hat euch auf der Reise am meisten zum Staunen gebracht?

Silke: Wie unfassbar schön die Natur in Portugal ist und dass wir an den allerschönsten Orten auch vollkommen alleine waren.

Mit wehender Fahne für den Film Portugal - Der Wanderfilm: Christian Wüstenberg
Christian Wüstenberg an der Küste Portugals: An seinem Wanderstock trocknet eine seiner drei Garnituren, die er für die Wanderschaft eingepackt hat.
Hat sich euer Gefühl für euer Lieblingsland Portugal nach dieser Reise verändert?

Christian: Wir haben Portugal vorher schon so gerne gemocht, es wäre also übertrieben zu sagen, es ist nun doppelt so schön. Es ist nur anders. Wir haben die Menschen besser kennengelernt und sprechen inzwischen auch deren Sprache besser.

Jetzt hat euch die Wanderlust bestimmt richtig gepackt ...

Silke: Absolut. Wir machen in Frankfurt nun viel mehr zu Fuß. Auch längere Strecken – denn Bewegung macht uns einfach Spaß.

Was wünscht ihr euch für eure Zuschauer? Was soll der Film transportieren?

Christian: Ich möchte gerne, dass die Leute sich mehr trauen und dass sie anderen Leuten mehr vertrauen.

Besondere Wanderwege rund um Frankfurt und Cuxhaven

Silkes Empfehlung

Ich komme aus Frankfurt und mag es, an den Rhein zu fahren. Dort hat man den Vorteil, bei einigen ausgewählten Winzern einkehren zu können, wenn man den Fernwanderweg Rheinsteig läuft. Man wandert vorwiegend auf schmalen Pfaden und Wegen. Der eindrucksvolle Blick auf den Rhein mit seinen Burgen und Schlössern, die den Flusslauf säumen, ist einfach nur schön.

Christians Empfehlung

Ich komme aus Otterndorf. Das ist bei Cuxhaven und liegt direkt bei der Elbe. Das Deichvorland ist ein prima Gebiet zum Wandern. Man kann von Cuxhaven über Otterndorf in die umliegenden Orte wandern. Es gibt natürlich auch schöne Wege nach Stade oder sogar bis nach Hamburg. Wandern an der Elbe ist herrlich. Man sieht die großen Schiffe vorbeifahren, die Ebbe und Flut, das Watt und zahlreiche Vogelschwärme.

 

Zu den Personen
  • Die Filmemacher:

    Silke Schranz und Christian Wüstenberg sind Filmemacher und leben in Frankfurt am Main. Für ihre Dokumentationen machen die beiden in der Regel von der Regie über Kamera, Schnitt, Ton, Musik und Text bis zum fertigen Film alles zu zweit.

  • Eine Filmauswahl:

    „Neuseeland auf eigene Faust“ (2008), „Portugals Algarve auf eigene Faust“ (2010), „Die Nordsee von oben“ (2011), „Australien in 100 Tagen“ (2012), „Die Ostsee von oben“ (2013), „Südafrika – Der Kinofilm“ (2016), „Portugal – Der Wanderfilm“ (2019)