16. Februar 2017
Menschen | Augsburg

Teddywerkstatt

Eva-Maria Haschler lebt ihren Traum. Vor einigen Jahren hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht. Inzwischen zählt ihre Teddy- und Puppenwerkstatt zu den größten in Deutschland. Im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin spricht die erfolgreiche Unternehmerin über ihre Leidenschaft, internationale Geschäftsbeziehungen und einen berühmten Patienten.

Ihre Kunden kommen unter anderem aus Schweden, Österreich und den USA. Wie sind Sie eigentlich so bekannt geworden?

Die Menschen reisen aus aller Welt nach Augsburg, um unsere Stadt zu besuchen. So werden sie unter anderem auch auf die Teddywerkstatt aufmerksam, denn hier kennt uns fast jeder. Es hat sich rumgesprochen, dass wir mit unserem Handwerk einzigartig und erfolgreich sind. Deshalb vertrauen uns immer mehr Menschen ihre Puppen und Teddys an.

Welche Fälle landen in Ihrer Werkstatt?

Wir reparieren und restaurieren Puppen, Teddys und Kuscheltiere aller Art. Diese Spielzeuge liegen den Menschen besonders am Herzen, sie sind Erinnerungsstücke, mit denen ganz besondere Erlebnisse verbunden sind. Hier geht es um Nostalgie und Emotionen.

Sie haben bereits viele Hundert Spielzeuge repariert. Gibt es besondere Fälle, an die Sie sich erinnern?

Auf meiner Werkbank ist ein 100-jähriger Bär von US-Präsident Theodore Roosevelt. Dieser ist gleichzeitig auch das älteste Objekt, das ich je bearbeitet habe. Der Bär wurde nach dem Spitznamen des Präsidenten benannt: Teddy. Als Roosevelt 1904 ein besonderes Dinner anordnete, ließ er extra für seine auserwählten Gäste einen uniformierten „Teddybären“ von Steiff entwerfen. Es wurde nur eine ganz geringe Auflage produziert, heutige Sammlerstücke – und einen davon durfte ich restaurieren.

Die Teddyklinik gibt es seit über 20 Jahren. Haben sich die Fälle im Laufe der Zeit gewandelt?

Es hat sich schon einiges verändert, weil der Kundenstamm jünger geworden ist. Am Anfang war unsere Zielgruppe 50 aufwärts. Mittlerweile zählen aber auch Kinder ab 10 Jahren zu unseren Kunden. Das zeigt, dass jüngere Leute vermehrt Wert auf Qualität legen. So reparieren wir heutzutage häufiger Spielpuppen als antike Objekte. Die alten Sammlerpuppen, die 100 bis 120 Jahre alt sind, restaurieren wir im Vergleich zu früher weniger. Das liegt daran, weil die Generation dafür einfach nicht mehr da ist oder keine Puppen dieser Art besitzt.„Wenn das ganze Gesicht eines Kindes vor Freude strahlt, dann macht mich das auch sehr glücklich.“Eva-Maria Haschler

Eine blonde, ältere Frau ist zu sehen. Auf dem Tisch vor ihr liegt eine Puppe.
Eva-Maria Haschler liebt Puppen: In ihrer privaten Sammlung hat sie etwa 300 Stück.
Was fasziniert Sie an diesem Beruf?

Es ist der Blick in die glänzenden Augen der Kinder und Erwachsenen, sobald sie ihr Kuscheltier wieder in den Armen halten. Wenn das ganze Gesicht vor Erleichterung und Freude nur so strahlt, dann macht mich das auch sehr glücklich. Deshalb rate ich besonders jungen Müttern, ihren Kindern den Wert von Puppen und Teddys zu vermitteln: Freude, Liebe, Leidenschaft, aber auch Trauer – das sind alles Emotionen, die uns das ganze Leben an das Spielzeug erinnern.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Klinik für Puppen und Teddys zu eröffnen?

Na ja, da steckt sowohl ein traditioneller als auch ein moderner Gedanke dahinter. Als kleines Mädchen habe ich im Unternehmen meiner Eltern schon immer gerne bei der „Puppenkleiderfabrikation“ zugeschaut und mitgeholfen, wenn Spielzeuge repariert und aufgepeppt wurden. Meine Leidenschaft für Puppen war also immer schon da. Hin und wieder wurde ich dann gebeten, Puppen und Teddys von anderen in Ordnung zu bringen oder zu restaurieren – das war aber nur nebenbei. Als es mehr wurde, habe ich mich dazu entschlossen, das Handwerk professionell auszuüben. Ich wollte es besser machen, als es bisher der Fall war.

Was macht denn einen erfolgreichen Teddydoktor aus?

Liebe, Leidenschaft und Begeisterung für Puppen und Teddys – das ist erst einmal am wichtigsten. Nur so setzt man sich gerne mit dem Thema auseinander und eignet sich Fachwissen an. Es gibt leider keine allgemeinen Vorgaben, wie ein bestimmtes Objekt „richtig“ restauriert oder repariert wird. Jede Lösung ist so individuell wie der Fall selbst. Deshalb sollte eine handwerkliche Begabung, ein Talent oder Geschick für Handarbeiten wie das Nähen vorhanden sein.

Ihr Geheimtipp: Wie pflegt man seine Puppen am besten?

Das hängt vom Material ab. Antike Zelluloidpuppen sollten ab und an mit Melkfett oder Vaseline eingefettet werden, damit sie nicht austrocknen. Denn durch das Sitzen in der Vitrine und die Zimmertemperatur werden diese im Laufe der Zeit spröde und brüchig – das ist so ähnlich wie bei einer Eierschale, die dann bricht. Werden die alten Puppen jedoch hin und wieder eingeschmiert und abgerieben, wirkt das vorbeugend. Die heutigen Kinderpuppen und moderneren Modelle sollten ganz normal mit Wasser und Seife gereinigt werden.

Ein brauner Teddybär mit kuscheligem Fell ist zu sehen.
Puppenklinik und Teddywerkstatt Haschler
  • Gründung:

    1999 in Augsburg, mittlerweile ist die Werkstatt die größte in Deutschland.

  • Fachwissen:

    Eva-Maria Haschler hat sich ihr Fachwissen über das Nähen, Stopfen und Restaurieren der Puppen und Kuscheltiere selbst beigebracht.

  • Fachgeschäft:

    Angefangen bei Accessoires, über Kleidungsstücke, bis hin zu Möbeln bietet das Fachgeschäft eine vielfältige Auswahl an hochwertigem Zubehör für das Spielzeug. Dabei legen die Haschlers viel Wert auf Qualität: Ersatzteile und Materialien stammen ausschließlich aus Europa.