03. April 2018
Menschen | Köln/Leverkusen

Näschen für das perfekte Foto

Ihre Liebe zu Hunden und die Leidenschaft für Bilder hat Fotografin Regine Heuser zu einer der besten Tierfotografinnen Deutschlands werden lassen. Mit ihrem Objektiv fängt sie emotionale Momente ein, die nicht nur Hundefreunde faszinieren.

„Bella, such den Ball! Na, wo ist er?“ Bella denkt nicht dran. Sie hüpft lieber im feuchten Gras umher und läuft schließlich Richtung Hauseingang. Die begleitende Hundetrainerin folgt ihr. Zum zehnten Mal. „Mit Welpen ist es immer etwas chaotisch“, sagt Fotografin Regine Heuser, die die ungewollte Pause nutzt, um schnell ein paar Bilder auszusortieren. „Aber dafür sind sie einfach unglaublich niedlich.“ Geduld gehört zu jenen Tugenden, die Grundvoraussetzung für die Arbeit mit Tieren sind. Regine Heuser, eine der bekanntesten Tierfotografinnen Deutschlands, hat eine Menge davon – zusätzlich zu ihrer Gelassenheit im Umgang mit den Besitzern. „Für die Hunde darf so ein Shooting keinen Stress bedeuten. Man sollte nie Druck aufbauen, auch wenn sie einmal nicht so wollen, wie wir das gerne hätten. Es muss immer spielerisch bleiben.“

Reginde Heuser hat sogar Rudel gut im Griff.
Ob schwarz, weiß oder braun – Regine Heuser setzt jeden Hund gekonnt in Szene.

Pure Freude auf vier Pfoten

Auch am Auslöser ihrer Kamera beweist Regine Heuser eine ruhige Hand und perfektes Timing. Ihre Bilder sind nicht nur gestochen scharf – bei Motiven in schneller Bewegung eine technische Herausforderung –, sondern vor allem strotzen sie vor Kraft und Anmut, Liebe und Humor. Ihre wie eingefroren wirkenden Momentaufnahmen fangen die pure Lebensfreude der abgelichteten Hunde ein. Wahrscheinlich ist es das, was Hundebesitzer immer wieder aufs Neue begeistert: In diesen Augenblicken, in denen die Tiere hemmungslos und selbstvergessen ihrem Spiel- oder Jagdtrieb nachgehen, wird ihre natürliche Schönheit besonders deutlich. Das Know-how, das benötigt wird, um mit Hunden solche Momente zu erzeugen und diese festzuhalten, hat sich Regine Heuser im Umgang mit ihren beiden Deutschen Doggen selbst angeeignet oder von ihrem Hundetrainer vermittelt bekommen. „Ich habe über die Jahre eine Menge über die Psyche der Tiere gelernt. Zum Beispiel würde es nicht funktionieren, bei einem Shooting ständig mit Leckerlis zur Belohnung zu arbeiten. Wichtig ist, die Körpersprache der Hunde richtig zu deuten.“

Dogge Gino schaut über die Gartenmauer.
Joia, eine der beiden Deutschen Doggen von Regine Heuser, bewacht das heimische Revier.

Sitz! Platz! Knips! So gelingen Hundebilder.

Fotografin Regine Heuser gibt Tipps für alle Hobbyfotografen.

Auf Augenhöhe

„Begeben Sie sich beim Fotografieren Ihrer Haustiere immer auf deren Augen­höhe. Die Perspektive verleiht dem Bild Spannung. Bei großen Hunden fotografiere ich sogar gerne aus einer noch tieferen Position, also im Liegen oder im Sitzen. Die Vierbeiner wirken dann noch imposanter und majestätischer.“

Vor Hintergrund

„Machen Sie nicht bloß Schnappschüsse, sondern entwickeln Sie einen Blick für die Bildgestaltung. Achten Sie beim Fotografieren Ihres Lieblings zum Beispiel immer auf einen Hintergrund, der zum Motiv passt.“

Mit Licht

„Fotografieren Sie im Freien am besten dann, wenn das Licht nicht mehr so hart ist, also
in den Sommermonaten immer frühmorgens oder in den Abendstunden. Das richtige
Licht kann eine ganz besondere Stimmung erzeugen und ist ein sehr wichtiger Faktor
in der Fotografie.“

Im Blick

„Achten Sie beim Blick durch den Sucher darauf, dass der Hund Lichtreflexe im Auge hat. Erst mit ihnen wirken Hundeporträts richtig lebendig. Besonders bei Hunden mit sehr dunklen Augen sind diese Lichtreflexe wichtig.“

Der Weg zum Traumberuf

Bei ihren gut gebuchten Fotoseminaren hilft Regine Heuser zusätzlich eine befreundete Hundetrainerin. Mit einem Dummy lenkt sie die Aufmerksamkeit der Hunde auf den Beutel, der ein zu apportierendes Wildtier simuliert. Sobald die Vierbeiner euphorisch hinter dem Dummy herjagen, klickt die Kamera von Regine Heuser mit dem riesigen Teleobjektiv im Dauerfeuer. „2004 habe ich meinen ersten Hund bekommen, 2007 folgte die erste Spiegelreflexkamera. Und damit hat es mir so viel Spaß gemacht, meinen Hund zu fotografieren, dass ich mich immer weiterentwickelt habe“, erzählt die Autodidaktin mit dem Faible für Technik. Schnell war sie versiert im Umgang mit Brennweiten und ISO-Werten. Bald fragten befreundete Hundebesitzer nach Tipps für die Fotografie. „Das war der Anfang. Dann habe ich begonnen, Workshops zu halten und Aufträge anzunehmen, und irgendwann dann das Hobby zum Beruf gemacht. No risk, no fun!“, so die studierte Juristin. Nun arbeitet sie kaum mehr am Schreibtisch, sondern häufig im Freien – es sei denn, sie sitzt an einem neuen Ratgeber. „Das ist schon Luxus, einen Job zu haben, der so viel Spaß macht“, sagt die Fotografin und blickt auf das Display mit dem gelungenen Porträt von Bella. „Ich hab diesen Schritt nie bereut.“

Die Hunde konzentrieren ihren Blick auf den Dummy.
Mit einem Dummy lenken Regine Heuser und ihre Hundetrainerin die Aufmerksamkeit der Tiere.
Auch auf dem Smartphone von Regine Heuser ist eine Dogge zu sehen.
Die Doggen sind immer mit dabei – und wenn es nur auf dem Smartphone ist.
Regine Heuser kontrolliert ein Motiv auf ihrer Kamera.
Welche Einstellungen an der Kamera sind wichtig?
  • Blende:

    Für attraktive Unschärfen im Vorder- und Hintergrund sollte eine relativ große Blende (kleine Zahl) gewählt werden.

  • Verschlusszeit:

    Der Hund ist in Bewegung. Daher hilft eine sehr kurze Verschlusszeit von 1/800 oder weniger, ungewollte Bewegungsunschärfen zu minimieren.

  • Fokus:

    Viele Kameras bieten einen kontinuierlichen Autofokus, auch AF-C oder Servo-AF genannt. Dieser „verfolgt“ automatisch sich bewegende Motive.

  • Serienaufnahme:

    Im sogenannten Burst-Modus löst die Kamera innerhalb einer Sekunde mehrfach aus. So kann man sich später das hübscheste Bild aussuchen.

  • Brennweite:

    Eine große Brennweite von 150 mm oder mehr bietet sich für die Tierfotografie an. So können die Tiere auch aus der Ferne abgelichtet werden.