23. Juli 2018
Menschen

SofaConcerts
Jeder Ort ist eine Bühne

Näher dran geht nicht: Mit SofaConcerts wird das kleinste Wohnzimmer zur großen Bühne, auf der man hautnah einzigartige Konzerte erleben kann.

Ein rotes Sofa steht in der Fußgängerzone, ein Schild lädt ein, Platz zu nehmen: „Mach es dir bequem“, steht dort in großen Lettern, und etwas kleiner „lass dich überraschen“. Die ersten Neugierigen schauen, bleiben stehen, ein Mann nimmt Platz – sichtlich skeptisch, was wohl auf ihn zukommt, und ist in der Tat überrascht, als um ihn herum die Kulisse eines Wohnzimmers aufgebaut wird. Und als wäre das noch nicht genug, kommt ein Sänger hinzu, der a cappella startet, später von einem Gitarristen, Streichern und einem Kinderchor begleitet wird – das „spontane“ Überraschungskonzert ist perfekt. Was nach einem gut choreografierten Flashmob in der Hamburger Innenstadt klingt, ist eine clever inszenierte, emotionale Marketing-Aktion der Internet-Plattform SofaConcerts.

Solche unangekündigten, intimen Konzerte im kleinen Kreis kommen im Video gut an. Und auch im echten Leben. Marie-Lene Armingeon und Miriam Schütt, die Macherinnen hinter SofaConcerts, haben mit ihrer Plattform den Nerv der Zeit getroffen und seit dem Start 2014 eine rasante Erfolgsgeschichte geschrieben.

Miriam Schütt und Marie-Lene Armingeon von SofaConcerts
Marie-Lene Armingeon (l.) und Miriam Schütt haben 2014 die Plattform sofaconcerts.org gegründet.

Es war einmal an einem sonnigen Sommertag in Hamburg …

Das Mercedes-Benz Kundenmagazin hat mit Marie-Lene Armingeon und Miriam Schütt darüber gesprochen, wie die beiden Wahl-Hamburgerinnen aus Schwaben auf die Idee zu SofaConcerts gekommen sind und was die Plattform so erfolgreich macht.

Frau Armingeon, wie funktioniert SofaConcerts?

Über unsere Plattform können Interessenten Künstler suchen, anfragen und buchen, die dann ein Privatkonzert geben – im Wohnzimmer, in einer WG, im Garten. Das kann ein Solomusiker sein, ein Jazztrio oder auch eine Partyband. Der Ablauf ist ziemlich unkompliziert, die Musiker bringen ihr Equipment und die Technik selbst mit und die Gage wird direkt nach dem erfolgreichen Konzert ausgezahlt. Man kann sich also voll auf die Live-Musik konzentrieren und eine geniale Zeit mit seinen Gästen haben.

Was zahlt man als „Ausrichter“?

Manche Musiker spielen gegen eine freiwillige Spende, aber die meisten erwarten eine feste Gage für ihren Auftritt oder eine Mindestgarantie, die ihre Kosten deckt. Aber es kostet definitiv kein Vermögen, Live-Musik zu buchen – je nach Anlass kann man ab etwa 200 Euro richtig gute Singer-Songwriter finden. Und mittlerweile listen wir so viele Musiker verschiedener Richtungen, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Und vor allem: authentische Künstler, keine 08/15-Nummern, keine Coverbands. Dafür gibt es viel zu viele gute Nachwuchsmusiker.

Wie wird die Plattform von den Musikern selbst angenommen?

Wir sind nicht nur eine Agentur, sondern sehen uns als Live-Musik-Community und damit auch als Anlaufstelle für die Vernetzung der Künstler. Für die ist die Plattform eine super Gelegenheit, sich zu präsentieren: Sie bekommen eine viel größere Sichtbarkeit, zum Beispiel in den sozialen Medien, und können auf SofaConcerts auch gezielt nach Interessenten und Gastgebern suchen. Zugleich ist ein Sofakonzert ein Gegenentwurf zu den Großveranstaltungen und für die Künstler eine wertvolle Herausforderung: Sie können sich nicht verstecken und bekommen ein unmittelbares Feedback vom Publikum. Ich habe den größten Respekt vor allen Künstlern, die auf der großen und auf der kleinen Bühne überzeugen können.

Wie erklären Sie den Erfolg Ihrer Plattform und der Sofakonzerte?

Wir sehen einen ganz klaren Trend. Sofakonzerte gibt es schon länger, nur in kleineren Nischen. Sie waren allerdings immer von lokalen Netzwerken abhängig, von Personen und davon, dass man jemanden kannte. Dieses Konzept hatte ich mal in einer WG in Heidelberg kennengelernt. Durch unsere Plattform ist es jetzt möglich, das ganze musikalische Potenzial und die Musiker sichtbar zu machen sowie Angebot und Nachfrage übereinanderzubringen. Das ist heutzutage mit einer digitalen Plattform viel einfacher als früher.

Miriam Schütt und Marie-Lene Armingeon von SofaConcerts
Miriam Schütt (l.) und Marie-Lene Armingeon gründeten 2014 SofaConcerts.
Frau Schütt, wie kamen Sie beide auf die Idee zur Gründung von SofaConcerts?

Marie-Lene und ich sind zusammen zur Schule gegangen und Musik war immer unser gemeinsames Thema. Beruflich sind wir dann getrennte Wege gegangen, haben aber immer Kontakt gehalten. 2013 haben wir uns irgendwann mal auf einem kleinen Konzert getroffen und es hat Klick gemacht. Wir dachten, da kann man doch was machen, und haben losgelegt.

Das klingt nach einem Sprung ins kalte Wasser ...

Auf jeden Fall (lacht). Wir wussten nicht, ob es funktioniert, ob es eine Nische bleibt, ob das Geschäftsmodell trägt. Nun sind wir seit über vier Jahren dabei und mittlerweile ein achtköpfiges Team. Aber natürlich gab es auch schwierige Phasen und wir mussten viel ausprobieren, haben aus vielen Nöten eine Tugend gemacht. Und ich denke, ohne unsere Leidenschaft für die Musik und das Projekt hätte es nicht funktioniert.

Frau Armingeon, was war denn Ihr Plan B?

Ich habe ein Lehramtsstudium absolviert, Miriam ein internationales BWL-Studium. Wir hatten also auch andere Möglichkeiten und wollten nicht um jeden Preis ein Unternehmen gründen. Das kam wirklich erst mit der Begeisterung für die Plattform. Wir haben uns immer die Frage gestellt: Was wäre denn der Worst Case und wäre der wirklich so schlimm? Ehrlich gesagt, haben wir beide auch ans Aufhören gedacht – aber zum Glück nie gleichzeitig (lacht).

Jetzt sind Sie Unternehmerin statt Lehrerin. Was reizt Sie besonders daran?

Als Unternehmerin muss ich viele verschiedene Funktionen ausfüllen und ein großes Aufgabenspektrum abdecken, das sich auch noch alle paar Monate verändert. Und es ist ganz viel Bewegung drin, die wir aber selbst steuern und gestalten können. Am Anfang haben wir bei vielen Konzerten noch investiert und sie persönlich begleitet. Heute wird das Gros über die Plattform vermittelt und wir übernehmen eher die Betreuung bei Firmenevents oder Produktinszenierungen. Für die wird SofaConcerts immer häufiger angefragt: Die Verantwortlichen haben erkannt, dass die Künstler authentisch sind und wir ein Gespür dafür entwickeln, wie man Musik wirkungsvoll inszenieren kann. Diese Mischung kommt sehr gut an.

Und was kommt jetzt? Vom Wohnzimmer in die Welt ..?

Das könnte man tatsächlich so sagen. Wir wollen auf jeden Fall in diesem Jahr in Europa investieren, um die Plattform auszuweiten. Ganz konkret ist Frankreich in der Vorbereitung. Und natürlich gibt es auch in anderen Ländern spannende Künstler und Menschen, die sie sehen wollen. Wir wissen beispielsweise, dass in Ungarn die Nachfrage da ist und es in Australien einen superspannenden Talentpool gibt. Und ganz nebenbei wachsen wir durch die vielen Weiterempfehlungen.

Ein Konzert für die A-Klasse

SofaConcerts war auch schon für die Mercedes-Benz Niederlassung Hamburg als Partner im Einsatz – mit einer ganz besonderen Aktion zum Start der neuen A-Klasse. Im Vorfeld der Markteinführung wurden in den Innenstädten von Hamburg, Bremen, Hannover und Lübeck ein Fahrersitz samt Tribüne aus Reifenstapeln aufgestellt und vorbeigehende Passanten zum Platznehmen animiert. Sobald sich jemand setzte und „Hey Mercedes, spiel mir einen Song!“ sagte, wurde nicht nur ein Lied abgespielt, sondern MBUX, die Mercedes-Benz User Experience, ließ eine ganze Live-Band in der neuen A-Klasse vorfahren. Auch die Band baute MBUX noch einmal aktiv in ihre Performance ein, indem sie sich nach der ersten Strophe die entsprechende musikalische Untermalung von der neuen A-Klasse liefern ließ. Und wie das Video erahnen lässt, ist auch in diesem Fall die Überraschung gelungen.

Zur Markteinführung der A-Klasse Anfang Mai gab es in der Niederlassung Hamburg Live-Musik
Zur Markteinführung der A-Klasse überraschte die Niederlassung Hamburg die Besucher mit einem Live-Konzert.

Für die Markteinführung der neuen Mercedes-Benz A-Klasse ließ sich die Niederlassung Hamburg zusammen mit SofaConcerts etwas ganz Besonderes einfallen.