17. Februar 2017
Menschen | Mainz

Trend trifft Tradition:
Die StarKappen

Sie schneidert für rockige Karnevalsbands, närrische Vereine und Hunderte Fastnachtsfans extravagante Narrenkappen. Dabei achtet Sylvia Kindling vor allem auf eines: Tradition und Trend miteinander zu verbinden. Im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin spricht die Mainzer Designerin über ihr Unternehmen „StarKapp“, den Karneval vor Ort und berühmte Kunden aus Mainz.

Die Starkappen

Frau Kindling, wie kommt man denn darauf, Mainzer Narrenkappen zu designen?

Vor einigen Jahren hatte der Mainz 05 an einem 11.11. ein wichtiges Heimspiel. Da kam mein Mann auf die Idee, dass er passend zum Start der Karnevalssession mit einer hippen Narrenkappe im „Fußball-Style“ ins Stadion möchte – ganz nach dem Motto: „Mainz 05 – Wir sind nur ein Karnevalsverein“. Also habe ich ihm eine Kappe aus Kunstfell mit Rasen und Fußbällen angefertigt. Mit Erfolg: Viele Fans im Stadion waren fasziniert und begeistert!

Wie hat sich diese Idee dann zu einem professionellen Start-up entwickelt?

Die Grundformen der Narrenkappen wurden bisher immer von den Karnevalsvereinen festgelegt, um auf diese Weise Identität, Zugehörigkeit und Gruppendarstellung auszudrücken – ganz nach dem Prinzip „gleiche Brüder, gleiche Kappe“. Ich finde allerdings, dass die Ursprungsform der Kappe individuell angepasst werden sollte. So entstehen moderne Formen, die auf den klassischen und historisch geprägten Gedanken aufbauen. Im Laufe der Zeit hat es sich schließlich rumgesprochen, dass ich Unikate nach Wunsch herstelle. So kamen immer mehr Anfragen, bis ich schließlich mein Unternehmen „StarKapp“ gegründet habe.

Worauf sollte man denn achten, wenn man eine Kappe im Mainzer Stil haben möchte?

Die Mainzer Narrenkappen sind in Anlehnung an den Gockelores entstanden. Das heißt, sie ähneln einem Hahn mit einem spitzen Kamm vorne. Die Farben sind immer Rot-Weiß oder Blau-Gelb. Oft sind auch Symbole der Stadt aufgedruckt. Zum Beispiel Statuen wie der Mainzer Schoppenstecher. Ich versuche, diese klassisch geprägte Form durch extravagante Stoffe, Bänder und Accessoires individuell für meine Kunden aufzupeppen.

Sylvia Kindling in der Werkstatt: In ihren Händen hält sie eine Narrenkappe.
Ihr Tipp: Wie kann man das eigene Karnevalskostüm selbst aufpeppen?

Am besten mit alter Kleidung und allerlei bunten Stoffen, Accessoires und Bändern. Damit lässt sich jedes Kostüm wunderbar und individuell verzieren. So entsteht aus einem abgetragenen Herrensakko in nur kurzer Zeit ein ausgefallener Anzug – schnell, einfach und kostengünstig. Wer noch Kleinigkeiten braucht, schaut im Bastelladen oder Dekogeschäft vorbei – bloß nicht im Karnevalsladen (lacht). Denn die verrücktesten Ideen und lustigsten Schmuckstücke entdeckt man immer auf anderen Wegen.

Abgesehen von Narrenkappen – was zeichnet den Mainzer Karneval noch aus?

Weck, Worscht und Woi, also Brötchen, Fleischwurst und Wein. Es gibt kaum einen Festsaal, in dem Bier ausgeschenkt wird. Aber Karneval ist nicht nur Spaß, sondern hat auch einen ernsten Hintergrund: Neben lustigen und unterhaltsamen Vorführungen werden auch viele politische Beiträge gebracht. Generell wird in Mainz viel Wert auf Traditionen gelegt – und wir zeigen, dass man diese auch wunderbar mit aktuellen Trends vereinbaren kann (lacht).

Zu sehen ist eine riesige Auswahl an bunten Stoffen.
Ein Blick ins Atelier: Auf den Modellen sitzen die bunten Narrenkappen zur Probe.
Sylvia Kindling von StarKapp
  • Unternehmen:

    Das Start-up „StarKapp“ wurde 2013 in Mainz gegründet. Aktuell entwirft Sylvia Kindling rund 100 verschiedene Kappen in einer Karnevalssession.

  • Beruf(ung):

    Ursprünglich hat Sylvia Kindling eine klassische betriebswirtschaftliche Ausbildung gemacht. Da ihre Großmutter Schneiderin war, hat diese ihr die Grundlagen des Nähens beigebracht. Außerdem ist ein großer Teil ihres Fachwissens durch Fortbildungen entstanden.

  • Preise:

    Der Standardpreis für eine StarKapp-Narrenkappe liegt bei 62 Euro. Kommen besondere Stoffe, aufwendige Accessoires oder sogar Lampen (LED) dazu, müssen die Narren bis zu 100 Euro investieren.