28. August 2018
Menschen | Köln/Leverkusen

E-Sport – das Leben als Profi-Gamer

Melek Balgün hat an großen Turnieren teilgenommen und als E-Sport-Profi mit dem PC-Spielen Geld verdient. Uns hat sie Tipps gegeben, wie ambitionierte Spieler den Weg in die Profi-Szene finden.

Schon in der Grundschule entdeckte Melek ihre Leidenschaft für das Gaming. Auch deswegen hat sie sich nach ihrer Ausbildung zur Fachinformatikerin für ein Studium des IT Managements entschieden. 2002 besuchte sie zum ersten Mal ein Turnier der Electronic Sports League (ESL). Fünf Jahre später begann sie für den Veranstalter der ESL-Wettbewerbe zu arbeiten. Und heute, nach unzähligen LAN-Partys, einem Leben als Pro-Gamerin und einer Weltmeisterschaft, bewegt Melek sich nicht nur hinter den Kulissen, sondern steht bei großen Game-Events als Moderatorin auf der Bühne. Im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin erzählt Melek, was für sie die Spiele-Branche so besonders macht und wie man es schafft, Pro-Gamer zu werden.

Melek, wie steht's aus deiner Sicht eigentlich um den E-Sport in Deutschland?

Bei uns ist gerade viel im Wandel. Das zeigt sich zum Beispiel auch in der Diskussion, ob E-Sport tatsächlich eine Sportart ist. Andere Länder sind hier schon weiter, einige Unis im Ausland bieten dazu Studiengänge an. Wir sind noch weit davon entfernt, jedoch geht es auch hier langsam in die richtige Richtung.

Das stimmt. Auch bei uns gibt es eine rasant wachsende Gaming-Szene. Wie sieht das Leben eines Pro-Gamers aus und kann man tatsächlich davon leben?

Auf internationaler Ebene kann man definitiv davon leben. Es haben sich eigene Strukturen gebildet. In der Regel läuft es so, dass man von einer Organisation angestellt wird. Man bekommt einen Coach und ein Team von Analysten, das die Taktiken ausarbeitet. Es ist nicht so, wie man sich es vielleicht vorstellt und ein Pro-Gamer 16 Stunden am Tag vor dem PC sitzt und spielt. Sie haben regelmäßiges Training, Besprechungen und eine ganzheitliche Betreuung. Auch die körperliche Fitness, die ein Profi braucht, ist nicht zu unterschätzen. Denn man muss erst mal in der Lage sein, einen Turniertag acht Stunden lang konzentriert durchzustehen. Außerdem reist ein Profispieler sehr viel, die Turniere sind international.

Werden diese Turniere auf der Konsole oder dem Computer gespielt?

Grundsätzlich ist es so, dass der Organisator des Turniers festlegt, auf welcher Plattform gespielt wird. In der Regel hat ein Profi seine Paradedisziplin – ein Game auf einer Plattform. Es kommt schon mal vor, dass ein Spieler von einem Spiel auf das andere umsteigt, aber die Plattform bleibt in der Regel die gleiche. Aber auch hier gibt es natürlich Ausnahmen. Manche Turniere finden doppelläufig statt. Ein Beispiel war der FIFA eWorld Cup 2018 in London. Dort haben 16 Spieler auf der Playstation gespielt und 16 auf der Xbox. Und am Ende ist der Weltmeister der Playstation gegen den der Xbox angetreten, um konsolenübergreifender Champion zu werden.

Und welche Plattform ist deine Paradedisziplin?

Der PC.

Wie bist du zum Profi geworden?

Ich war schon immer sehr computeraffin. Bei uns zu Hause stand in jedem Raum ein PC. Und irgendwann habe ich es einfach vom Hobby auf eine ambitionierte Ebene geschafft. 2007 habe ich dann mit meinem Team am electronic sports world cup in Paris teilgenommen. Am Anfang des gleichen Jahres fing ich an, bei der ESL, einem Veranstalter dieser Turnierreihen, zu arbeiten. Bis ich 2013 dann zum ersten Mal die deutsche Meisterschaft selber moderiert habe.

„Ich war schon immer sehr computeraffin. Bei uns zu Hause stand in jedem Raum ein PC.“Melek Balgün

Gaming-Moderatorin Melek Balgün bei der ESL-Weltmeiterschaft
Seit 2016 ist Melek Balgün selbstständige E-Sports und Gaming Moderatorin.
Seit vier Jahren bist du auch für die Gamescom aktiv. Wie verläuft ein typischer Tag bei diesem Event für dich?

Ich verbringe den ganzen Tag auf der Bühne und führe durch das vielseitige Programm. Es geht darum, die Zuschauer gut zu unterhalten. Zum Beispiel mit Tanz-Contests, Experten-Interviews und Show-Matches zwischen Influencern, YouTubern und E-Sport-Profis.

Was macht für dich die Gamescom so besonders?

Für mich ist es eine große Ehre, dass ich zum vierten Mal in Folge die Bühne von Blizzard Entertainment moderieren darf, dem Spiele-Entwickler und -Publisher schlechthin. Ich freue mich jedes Jahr auf Tausende Besucher, die mit strahlenden Augen vor der Bühne stehen und darauf warten, was wir für sie vorbereitet haben. Die Gamescom ist mein absoluter Happy Place. Wir feiern hier jedes Jahr eine große Party.

Zur ESL-Weltmeisterschaft im polnischen Katowice produzierte Mercedes-Benz einen Imagefilm mit dem Titel „A Spectacular Chase“. „Der Film hat wirklich Hollywood-Qualität“, so Melek.

Wie werde ich Pro-Gamer?

Talent und Leidenschaft

Wer es im E-Sport unter die Besten seiner Disziplin schaffen möchte, braucht ein gewisses Talent. Man muss die Plattform und das Spiel beherrschen. So entwickelt man seine Paradedisziplin, in der man auf Wettkämpfen antritt.

Equipment

Die richtige Ausstattung ist die Basis, die einem den Weg zum Pro-Gamer ebnet. Darum nutzen viele schon von Beginn an mechanische Tastaturen und Pro-Gaming-Mäuse. Ein professionelles Gaming-Set-up kostet einige Hundert Euro.

Wettbewerbspraxis

Durch die regelmäßige Teilnahme an Online-Ligen und Wettbewerben erlangt man die nötige Turnierpraxis. Durch gute Leistungen und gutes Abschneiden, erhöht man die Wahrscheinlichkeit, von den Scouts der Profi-Teams entdeckt zu werden.

Profi-Gamer werden

Gamescom

Koelnmesse GmbH
Messeplatz 1
50679 Köln

Hier geht es zum Rückblick auf die gamescom 2018.