28. November 2016

Ein Bild von einem Auto

Gerrit Glöckner ist der Bildermeister. Er fotografiert Liebhaberfahrzeuge von Privatkunden an „Lost Places“ – ein faszinierender Kontrast. Im Interview erzählt der Grafikdesigner von außergewöhnlichen Shootings und atemberaubenden Autos.

Herr Glöckner, Sie fotografieren absolute Traumwagen – gibt es einen besseren Job?

Ich kann mir auf jeden Fall keinen besseren vorstellen. Ich liebe das, was ich tue. Autos faszinieren mich. Die Kombination Fahrzeug und Foto ist einfach perfekt.

Wie sind Sie der „Bildermeister“ geworden?

Ich habe Grafikdesign studiert. Viele Jahre habe ich dann als Freiberufler für verschiedene Unternehmen Broschüren und Werbematerial erstellt und für Verlage Buchcover gestaltet. Das hat mich aber nicht ausgefüllt, mir hat etwas gefehlt. Irgendwann habe ich mich gefragt: Was möchte ich wirklich machen? Was ist meine Leidenschaft? Die Antwort war einfach: Das Thema Bild in Verbindung mit dem Automobil reizte mich. So hat vor zehn Jahren alles angefangen.

Heute touren Sie durch ganz Deutschland, Österreich und die Schweiz und haben die tollsten Autos vor der Kamera ...

Von April bis Oktober sind meine Kollegen und ich meist unterwegs: Wir veranstalten Fotoshooting-Events mit mehreren Teilnehmern in ausgefallenen Locations. Das hat den großen Vorteil, dass wir die Shootings relativ günstig anbieten können. Im Winter fotografieren wir eher Einzelfahrzeuge oder ganze Sammlungen bei Kunden zu Hause – oder wo auch immer sie es sich wünschen.

„Ein gutes Foto braucht Dynamik und Spannung. Das Auto muss mit dem Raum spielen. So entstehen Bilder, die Blicke auf sich ziehen.“Bildermeister Gerrit Glöckner

Bildermeister Gerrit Glöckner
Welche Fahrzeuge fahren denn zu den Shootings so vor?

Die Bandbreite ist riesig und natürlich sind auch echte Schmuckstücke dabei. Mir hat es schon des Öfteren beinahe die Sprache verschlagen. Das teuerste Fahrzeug, das wir bisher abgelichtet haben, hatte laut Besitzer einen Wert von rund 14 Millionen Euro. Ein Auto, das ich persönlich sehr gern fotografiere ist der Mercedes-Benz 300 SL als Flügeltürer oder Roadster. Auch der SLS AMG oder Klassiker wie der 190 SL sind einfach traumhafte Motive.

Welche Menschen kommen zum „Bildermeister“?

Das sind Leute, die ein professionell gemachtes Foto von ihrem Fahrzeug möchten. In der Regel sind es Besitzer von Old- und Youngtimern. Der eine hat „nur“ ein Auto, andere haben 80 Wagen in ihrer Garage stehen. Das ist ganz unterschiedlich. Allerdings kommen deutlich mehr Männer als Frauen.

Was fasziniert Sie an der Fotografie?

Die Fotografie ist für mich eher Mittel zum Zweck. Mich treibt vor allem die Frage an, wie man ein Auto perfekt in Szene setzt und wie es in verschiedenen Locations wirkt. Fotografie muss die Menschen ansprechen. Das Motiv spielt dabei eine zentrale Rolle. Ich möchte mit meinen Fotos den Menschen eine Freude machen. Es gibt nichts Schöneres für mich, als dass die Kunden vor Freude strahlen, wenn sie die Bilder ihrer Autos zum ersten Mal sehen. Das treibt mich an.

Haben Sie noch den Überblick, wie viele Autos Sie schon fotografiert haben?

Wir hatten auf jeden Fall schon sehr, sehr viele Shootings. Wie viele es wirklich waren, kann ich nicht sagen. Da müsste ich raten. Kamera-Auslösungen hatten wir bestimmt schon über 100.000. Aber natürlich macht man bei jedem Fotojob zahlreiche Bilder. Mittlerweile kommt es allerdings immer seltener vor, dass wir ein Modell zum ersten Mal vor der Linse haben.

Die Location spielt eine zentrale Rolle für Ihre Fotos. Warum?

Die Location ist beinahe genauso wichtig wie das Auto, deshalb stecken wir enormen Aufwand in die Suche nach außergewöhnlichen Orten. Wir shooten die Fahrzeuge in der Regel an sogenannten „Lost Places“. Das sind beispielsweise verlassene Fabrikhallen, riesige Scheunen oder alte Industriedenkmäler. Manche Gebäude stehen schon so lange leer, dass die Natur wieder die Kontrolle gewonnen hat: Efeu rankt sich an den Innenwänden entlang und aus den Böden schießen die unterschiedlichsten Pflanzen. Das hat seinen ganz eigenen Charme und so entstehen oft surreale, beinahe mystische Szenen. Und vor allem stehen diese alten Hallen in einem krassen Kontrast zu den hochwertigen, auf Hochglanz polierten Young- und Oldtimern. Das macht für mich die Faszination der Fotos aus, regt aber auch zum Nachdenken an.

Vermutlich haben Sie selbst den einen oder anderen Klassiker in der Garage stehen ...

Ich habe nur ein Auto, und zwar meinen Firmenwagen. Das ist eine Mercedes-Benz V-Klasse. Die ist so praktisch, mein komplettes Equipment passt hinein. Außerdem ist sie sehr komfortabel. Das ist wichtig für uns, da wir unglaublich viel unterwegs sind. Einen Klassiker besitze ich nicht. Meine Leidenschaft für Autos lebe ich Tag für Tag in meinem Job aus – hinter der Kamera.

Ein Bildband von den Bildermeistern
Bildermeister
  • Spezialgebiet: Automobil-Fotoshootings für Privatkunden
  • Fotoshooting: Zur Auswahl stehen Fotoshooting-Events mit mehreren Teilnehmern in Locations in Deutschland, Österreich und der Schweiz oder Einzel-Shootings
  • Website: www.bildermeister.com