08. April 2016

Der Sound von Internashville

Seit über elf Jahren mischen The BossHoss die deutsche Musikszene mit ihrem speziellen Mix aus Rock, Country, Western und Pop auf. Der typische Sound der Urban Cowboys entsteht in ihrem Studio „Internashville“ in Berlin.

Die sieben Mitglieder von The BossHoss laufen über orientalischen Teppich. In vielen Räumen ihres Studios „Internashville“ in Berlin liegt der von Cowboystiefeln abgewetzte rote Bodenbelag und zeugt von einer Dekade Bandgeschichte. Zusammen mit Biedermeiermöbeln, alten und modernen Instrumenten, shabbyschicken 70er-Jahre-Accessoires sowie einer Menge Fanpräsenten, Krimskrams und etlichen goldenen Tonträgern wirkt die Arbeitsstätte von The BossHoss fast wie ein Theaterfundus. „In den Jahren haben sich ein paar Dinge angesammelt“, schmunzelt Alec Völkel alias Boss Burns. „Wir sind ja alle schon eine Weile Musiker, die auch vor BossHoss schon Instrumente gespielt haben. Da kommt einiges an Equipment zusammen.“ Das zusammengewürfelte, eklektische Interieur in Internashville steht stellvertretend für den Sound der Urban Cowboys vom Prenzlauer Berg, wie sie sich selbst bezeichnen. „Wir machen ja keine klassische Country-Musik oder Schweine-Rock. Wir vereinen viele unterschiedliche Elemente wie Blues, Rockabilly oder guten alten Rock ´n´ Roll, arbeiten aber auch mit Samples oder Hip-Hop-Anleihen“, sagt Sascha Vollmer alias Hoss Power, der zweite Frontmann der Band.

Die Stiefel von The BossHoss
Gehören zu jedem Auftritt: Cowboystiefel und Westernhut prägen den Look der Urban Cowboys.

Auftritte mit Augenzwinkern

So wie die Namen ihrer Alter Egos schon erkennen lassen, bewahren sich die beiden sympathischen Musiker zu ihrem Country-Image eine gewisse ironische Distanz – ohne jedoch ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen oder ihre Arbeit auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn so verspielt die beiden ehemaligen Grafik-Designer mit der Kreation ihrer Show-Welt umgehen – die vom eigenen Bier über Fußabtreter bis zum Comic für Kinder reicht –, so abrupt hört der spielerische Umgang mit dem Cowboy-Lifestyle auf, wenn es um die Qualität und Professionalität ihrer Songs geht. „Alles, was mit BossHoss zu tun hat, versuchen wir mit Herz und Seele zu füllen“, sagt „Boss“ Völkel. Für ihr neues Album „Dos Bros“ sind The BossHoss deshalb in das echte Mekka der Westernmusik gereist. In Nashville, USA, haben sie sich mit lokalen Musikern getroffen, um sich von deren Spirit inspirieren zu lassen. „Wir haben Ideen gesammelt und Songs geschrieben. Aufgenommen und produziert wurde Dos Bros dann bei uns in Internashville“, so Völkel. Dort saß Sascha Vollmer dann wochenlang bis tief in die Nacht am Mischpult und schraubte an der Feinabstimmung. „Als das Album endlich fertig war, ist schon eine Last von mir abgefallen“, gibt der Familienvater zu.

Truck-Tour mit Mercedes-Benz

Vor der großen Arena-Tournee 2016 testete die Band die neuen Songs der in Internashville produzierten Platte bei einer Mini-Tour, die sie gemeinsam mit Mercedes-Benz Trucks auf die Beine gestellt hatte. Vom Auflieger eines Actros aus spielten die siebenköpfige Stammbesetzung sowie drei Bläser und zwei Sängerinnen in kleineren Städten spontane Konzerte. „Da wurde es schon ein wenig eng auf der Bühne“, sagt Völkel. „Aber wir lieben das. Schon 2007 haben wir zusammen mit Mercedes-Benz eine Truck-Tour auf die Straße gebracht. Das macht riesig Spaß, weil man direkt bei den Fans ist und nie genau weiß, was passiert. Für unser Jubiläum und die Promotion für die neue Platte wollten wir das noch einmal aufleben lassen.“

Die Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz Trucks entwickelte sich nach einem Auftritt beim ADAC Truck Grand Prix 2006 auf dem Nürburgring. „‚Asphalt Cowboys‘, wir mit unserem Tross auf Tour – die Verbindung lag nahe und hat sich gleich gut angefühlt“, erzählt Vollmer. Es folgten spezielle Songs, wie zum Beispiel 2008 „Flaming Star“, oder Auftritte wie im Sommer die Akustikeinlage bei der Eröffnung des neuen Mercedes-Benz Centers in Schweinfurt. Privat fahren die beiden Rocker natürlich Motorrad oder SUV: Alec Völkel eine G-Klasse, Sascha Vollmer einen Mercedes-Benz GLS. „Da passt alles rein, sei es die Familie oder unsere Instrumente.“ Im Autoradio läuft dann übrigens häufig – nichts. Vollmer: „Wenn ich vom Studio nach Hause fahre, bin ich froh, wenn ich einfach mal Ruhe habe. Auf Tour ist das anders. Dann hat jeder von uns Musik dabei, die er gerade mag, und wir hören alles querbeet.“

Im Studio Internashville hängen die bisher produzierten Alben von the BossHoss an der Wand.
Schmuckstücke: In ihrem Studio Internashville hängen die bisher produzierten Alben an der Wand. Drei davon erhielten bereits Gold.
Privat sind The BossHoss gerne mit dem Motorrad oder im SUV unterwegs.
Großstadt-Cowboys: Privat sind The BossHoss gerne mit dem Motorrad oder im SUV unterwegs.
The BossHoss singen auf einem Konzert.
The BossHoss
  • Gründung: 2004
  • Durchbruch: 2005
  • Musikrichtung: Country-Rock
  • Frontmen: Alec Völker alias Boss Burns, Sascha Vollmer alias Hoss Power
  • Wohnort: Berlin
  • Studioalben:
    2015 Dos Bros
    2013 Flames of Fame
    2011 Liberty of Action
    
2009 Do or Die
    2007 Stallion Battalion
    2006 Rodeo Radio
    2005 Internashville Urban Hymns
  • Website: www.thebosshoss.com

Fotos: © Charles Yunck