24. November 2016

Eishockey
für Einsteiger

Er ist fair, fit und schnell: Stephan Bauer stand bereits in 14 Ländern als Schiedsrichter auf dem Eis. Der Mitarbeiter der Mercedes-Benz Niederlassung Nürnberg kennt die Eishockey-Regeln so gut wie kaum ein anderer. Uns verrät er, was es mit Bullys, Blöcken und Lucky Punches auf sich hat.

Zwischen PS und Kufen

Zwischen PS und Kufen

In Bruchteilen von Sekunden trifft er seine Entscheidungen: Stephan Bauer ist Eishockey-Schiedsrichter in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), in der Champions League und bei Weltmeisterschaften. In Finnland, Schweden, Lettland, Russland und vielen anderen Ländern stand er bereits auf dem Eis. Insgesamt hat er bereits mehr als 800 Spiele geleitet. „Die beste Stimmung herrscht auf jeden Fall in Deutschland und Skandinavien. Die Atmosphäre in den Stadien ist grandios.“

Unter der Woche arbeitet Bauer als Disponent in der Mercedes-Benz Niederlassung Nürnberg. Am Wochenende zieht er sein schwarz-weiß gestreiftes Trikot über, das ihn als Unparteiischen ausweist. Während der Saison hat er jeden Freitag und Sonntag einen Einsatz. Pro Jahr kommen so rund 75 Partien zusammen. „Das geht wirklich nur, wenn man einen Arbeitgeber und Kollegen hat, die einen unterstützen.“

Von den Bambinis in die DEL

Bauer war früher selbst Eishockey-Profi, spielte unter anderem für die Thomas Sabo Ice Tigers. Weil er den Sport nicht ganz aufgeben wollte, absolvierte er die Ausbildung zum Schiedsrichter. Schnell merkten die Verantwortlichen, dass Bauer Talent hat. „Anfangs habe ich Spiele der Bambinis gepfiffen, heute bin ich sogar international unterwegs.“ Was ein Schiedsrichter können muss? „Natürlich perfekt Schlittschuh laufen, sonst macht man nie eine gute Figur auf dem Eis. Und man darf nicht alles an sich ranlassen, egal ob es Pfiffe der Fans sind oder eine Fehlentscheidung. Und die trifft jeder Schiri einmal“, sagt Bauer. Deshalb sollte man die Fähigkeit besitzen, sofort wieder den Fokus auf das zu legen, was gerade passiert. Wichtig auch: Fairness, körperliche Fitness und eine schnelle Auffassungsgabe. „Denn Eishockey ist die schnellste Mannschaftssportart der Welt, hart und dramatisch. Das macht für mich auch den Reiz aus. Es gibt offensive Spiele mit rund 100 Torschüssen. Das ist unglaublich.“

Eishockey-Spieler müssen sich an viele Regeln halten
Ein gut geschossener Puck kann Geschwindigkeiten von über 100 km/h erreichen. Weil sie sich leichter kontrollieren lassen, wenn sie gefroren sind, werden die Eishockey-Scheiben während des Spiels regelmäßig ausgetauscht.
Stephan Bauer ist Schiedsrichter in der DEL
Mit acht Jahren begann Stephan Bauer Eishockey zu spielen. Heute ist er Schiedsrichter in der DEL.
Die wichtigsten Eishockey-Regeln

Die wichtigsten Eishockey-Begriffe

In Nürnberg kennt sie jeder: die Thomas Sabo Ice Tigers. Nicht jeder kennt allerdings beim Eishockey so gut aus. Weil ohne richtige Kenntnisse das Zuschauen aber nur halb so viel Spaß macht, erklärt Stephan Bauer, was man zu Spielzeit, Spielerwechsel und Strafen wissen sollte.

Abseits:

Ein Abseits liegt vor, wenn ein oder mehrere Spieler sich im gegnerischen (Verteidigungs-)Drittel befinden, bevor der Puck die blaue Linie überschritten hat. Auf dem Spielfeld im Eishockey finden sich zwei blaue Linien, die die Eisfläche in Drittel untergliedern (siehe Zonen).

Assist:

Unter einem Assist versteht man ein Zuspiel, das zu einem Tor führt.

Big Save:

Als Big Save wird eine vom Torhüter vereitelte Großchance bezeichnet.

Bully:

Mit dem Bully wird das Spiel zu Beginn, nach einem Tor oder nach einer Unterbrechung wieder aufgenommen. Er ist vergleichbar mit einem Anstoß. Beim Bully stehen sich zwei gegnerische Spieler am Anspielpunkt gegenüber. Nachdem der Schiedsrichter den Puck auf den Bullypunkt geworfen hat, versuchen die Spieler diesen zu erobern.

Kapitän:

Jede Mannschaft hat einen Kapitän. Dieser ist durch ein „C” (Captain) auf seinem Trikot zu erkennen. Zudem gibt es zwei Assistenzkapitäne mit einem „A” (Alternate Captain) auf dem Trikot.

Lucky Punch:

Bezeichnet einen „glücklichen“ Torabschluss durch eine günstige Spielsituation. Der „Lucky Punch“ sorgt meist für große Emotionen: Freude auf der einen Seite, Enttäuschung auf der anderen Seite.

Positionen:

Ein Team besteht aus Torwart, Abwehrspielern und Angreifern. Bei den Angreifern unterscheidet man zwischen Mittelstürmern (Center) und Flügelspielern (Left Wing, Right Wing). Der Center übernimmt vor allem die Rolle des Spielmachers und die Flügelspieler die der Torjäger.

Puck:

Er ist eine Hartgummischeibe, die mit dem Eishockey-Schläger und dem Schlittschuh gespielt werden darf. Aber: Wird der Puck mit dem Schlittschuh ins Tor gekickt, zählt das Tor nicht. Die Spieler dürfen den Puck mit der Hand stoppen, aber nicht festhalten. Ansonsten ist das Spielen der Scheibe mit der Hand nicht zulässig.

Eishockey-Schiedsrichter Stephan Bauer
Unter der Woche Disponent in der Mercedes-Benz Niederlassung Nürnberg, am Wochenende Eishockey-Schiedsrichter: Stephan Bauer.
Schieds- und Linienrichter:

Seit 2012 gibt es das Vier-Mann-System im Eishockey, das heißt: Zwei Hauptschiedsrichter und zwei Linienrichter leiten das Spiel. Jeder Hauptschiedsrichter ist für eine Spielhälfte verantwortlich.

Spielerwechsel:

Während der Spielunterbrechungen und auch während des Spiels sind Auswechslungen möglich. Oft werden ganze Blöcke (siehe Teamaufstellung) ausgewechselt. Durchschnittlich kommt alle 40 bis 100 Sekunden ein „neuer“ Block aufs Eis.

Spielfeld:

In der DEL ist das Spielfeld 56 bis 61 Meter lang und 26 bis 30 Meter breit. Die Spielfeldecken sind abgerundet. Die Banden um das Eishockey-Spielfeld haben eine Höhe von 1,20 Meter.

Spielzeit:

Die Spielzeit beträgt 60 Minuten. Aufgeteilt ist sie in drei Drittel à 20 Minuten. Bei Unterbrechungen wird die Uhr angehalten, weshalb ein Eishockey-Spiel meist deutlich länger dauert. 120 Minuten sind keine Seltenheit. Zwischen jedem Drittel werden 15 Minuten Pause gemacht, in der DEL 18 Minuten. Zudem wechseln die Mannschaften nach jedem Drittel die Seite. Steht es nach 60 Minuten unentschieden, gibt es eine Verlängerung (Overtime) und anschließend Penalty-Schießen (Shootout).

Strafen:

Verstößt ein Spieler gegen eine Eishockey-Regel, können die Schiedsrichter verschiedene Strafen verhängen, wie beispielsweise die Kleine Strafe (2 Minuten), Kleine Bankstrafe (2 Minuten gegen die Mannschaft; bei einer Bankstrafe muss ein vom Trainer oder Kapitän bestimmter Spieler die Strafe absitzen), Große Strafe (5 Minuten) und Disziplinarstrafe (10 Minuten). Pro Mannschaft müssen sich immer mindestens drei Feldspieler auf dem Eis befinden. Aus diesem Grund dürfen maximal zwei Spieler pro Team auf der Strafbank sitzen. Für den Fall, dass weitere Straßen verhängt werden, werden diese nacheinander abgesessen.

Strafschuss (Penalty Shot):

Der Penalty Shot ist vergleichbar mit einem Elfmeter im Fußball. Der ausführende Spieler bewegt sich von der Mittellinie aus allein auf den gegnerischen Torhüter zu und versucht ein Tor zu erzielen. Ein Nachschuss ist nicht erlaubt, sollte der Keeper den Schuss parieren oder der Puck an den Pfosten gehen.

Team:

Maximal 22 Spieler – 20 Feldspieler und 2 Torhüter – dürfen pro Mannschaft aufgestellt werden. Während des Spiels sind maximal 6 Spieler je Team gleichzeitig auf dem Eis. In der Regel werden die Mannschaften in sogenannte Blöcke (auch Reihen oder Linien genannt) aufgeteilt. Jeder Block besteht aus 5 Feldspielern (2 Abwehrspieler, 3 Angreifer).

Tore:

Die Tore sind 1,83 Meter breit und 1,22 Meter hoch. Die hellblaue Fläche vor dem Tor nennt sich Torraum. Er wird durch einen roten Halbkreis begrenzt.

Zonen:

Das Spielfeld wird durch blaue Linien in drei Teile geteilt, in sogenannte Zonen. Es gibt eine Abwehrzone, eine neutrale Zone und eine Angriffszone.