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25. Juni 2019

100 Jahre Bauhaus
Aus Prinzip neu

Das Bauhaus-Jahr nimmt immer mehr Fahrt auf – sowohl an den Hauptschauplätzen Weimar, Dessau und Berlin als auch an Orten, die man kaum mit der Avantgarde-Schmiede in Verbindung gebracht hätte. Es gibt also viel zu entdecken, vor allem eine neue Leichtigkeit im Umgang mit den Wegbereitern der Moderne.

Gerade mal 14 Jahre – länger gab es das Bauhaus nicht. Die Ideen und Anschauungen, die in Weimar, Dessau und später in Berlin zwischen 1919 und 1933 entstanden, wirken noch heute. Sie leben im sogenannten Bauhaus-Stil fort, der immer schnell zitiert wird, wenn Möbel oder Wohnbauten den Prinzipien einer reduzierten, ornamentfreien Formensprache folgen. Teilweise haben sie auch eine eigene Dynamik entwickelt und wurden zu einem immer mächtiger werdenden Fluss durch die Zeit. Beispiele sind etwa der Ruf engagierter Frauen nach Gleichberechtigung, die Verbesserung von Wohn- und Arbeitssituationen durch Normierung und Systematisierungen. 2019 ist eine großartige Gelegenheit, innovative Designobjekte in neu erbauten Museen in Weimar, Dessau und Berlin zu sehen. 2019 bietet aber auch die Chance, sich sein eigenes Bauhaus-Bild zu machen. Wer Anregungen sucht, hier ist unser Mix aus Möbeln, Museen, Haupt- und Nebenschauplätzen.

100 Jahre Bauhaus, Thüringen, Weimar: Das neue Bauhaus-Museum, aufgenommen einen Tag vor der Eröffnung genau 100 Jahre nach der Gründung des Bauhauses, der berühmten Schule für Kunst, Architektur und Design. Journalisten und Vertreter der Fachwelt dürfen sich schon vorab ein erstes Bild vom Inneren des riesigen Betonkubus nach Plänen der Berliner Architektin Heike Hanada mitten in der Klassikstadt machen. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa | Verwendung weltweit

Ein Kubus für Weimar

Das bedeutendste Datum im reichen Kulturkalender von Weimar ist der 6. April 2019. An diesem Tag eröffnete das neue Bauhaus-Museum – nach dreijähriger Bauzeit und 100 Jahre nachdem das Staatliche Bauhaus in Weimar gegründet wurde. Die Schätze der weltweit ältesten Bauhaus-Sammlung werden erstmals umfassend inszeniert, es soll aber keine reine Erinnerungsveranstaltung sein. Es geht um „Fragen zur Lebensgestaltung von heute und morgen“, sagt die Klassik Stiftung Weimar als Bauherrin des Museums.

Konkreter ist da schon der Leitgedanke der ersten Ausstellung im kubischen Museumsbau: „Wie wollen wir zusammen leben?“ Diese Frage ist so alt wie die Menschheit selbst und noch immer brandaktuell. Man muss nur an die Debatten über fehlenden Wohnraum in Städten denken.

100 Jahre Bauhaus: Eröffnung des Bauhaus-Museums. Mit weißen Lichtbändern an der Fassade zeigt sich das Bauhaus-Museums Weimar am Tag seiner Eröffnung. Das Bauhaus-Museum Weimar öffnet mit der Dauerausstellung
Mit weißen Lichtbändern an der Fassade zeigt sich das Bauhaus-Museums Weimar am Tag seiner Eröffnung.

Außen kühl, innen sinnlich

Im neuen Bauhaus-Museum wird die Gegenwart aber eher im Licht der Bauhaus-Vergangenheit beleuchtet: Von den rund 13.000 Sammlungsobjekten werden etwa 1.000 im neuen Museum gezeigt. Dazu zählen Objekte wie die berühmte Tischlampe von Wilhelm Wagenfeld und Carl Jacob Jucker, die Teekanne von Marianne Brandt, der Lattenstuhl von Marcel Breuer, Keramiken von Theodor Bogler und Teppiche von Gunta Stölzl und Gertrud Arndt ebenso wie Arbeiten von Paul Klee, Peter Keler und László Moholy-Nagy. Neben Design-Ikonen und bislang nicht gezeigten Zeitdokumenten geht es aber um Utopien und Experimente zur Lebensgestaltung des frühen Bauhauses und der Zwanzigerjahre.

Beim Ausstellungsdesign setzt das Museum auf den Geist der Zeit: Der Besuch soll ein sinnliches Erlebnis werden, so etwa im Bühnenraum, der von den multimedialen Experimenten László Moholy-Nagys inspiriert ist.

12 mal 12 Meter

1923 präsentierte sich das Bauhaus in einer großen Ausstellung der Öffentlichkeit. Alle Werkstätten zeigten damals Arbeiten. Walter Gropius, der Leiter des Weimarer Bauhauses, hatte eine Architektur-Schau aufgebaut, die Entwürfe der künftigen Stars der Szene zeigte, wie Le Corbusier und Frank Lloyd Wright. Für die große Bauhaus-Schau wurde sogar ein Musterhaus gebaut, das Haus am Horn – und das steht noch immer.

Haus am Horn in Weimar. Im Jubiläumsjahr 100 Jahre Bauhaus eröffnet eine neue Dauerauststellung im Musterhaus von 1923.
Quadratisch, praktisch, gut: Im Jubiläumsjahr 100 Jahre Bauhaus eröffnet eine neue Dauerausstellung im Musterhaus von 1923.

Auf einem quadratischen Grundriss von 12 mal 12 Metern erhebt sich das eingeschossige Wohnhaus. In seinem Zentrum ist ein quadratischer Wohnraum, der von mehreren Zimmern umgeben ist. Eigentlich sollte das Haus am Horn das erste einer ganzen Siedlung werden. Daraus wurde aber nichts, und so steht der Flachbau als Solitär in unmittelbarer Nähe zu Goethes Gartenhaus.

Das Musterhaus diente den Studenten auch als Experimentierfeld für innovative Materialien, Konstruktionen und Technologien. Dazu gehörten Einbauschränke, eine Waschmaschine, ein Telefon und eine Zentralheizung. Für die Ausstattung sorgten unter anderem Marcel Breuer, Gunta Stölzl und László Moholy-Nagy. Ab Mai 2019 ist im Jubiläumsjahr eine neue Dauerausstellung zu sehen.

Hauptgebäude der ehemaligen Kunstschule (1904–11), Architekt / architect: Henry van de Velde, Photo: © Tillmann Franzen, tillmannfranzen.com © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, 100 Jahre Bauhaus
Weimar im Bauhausjahr
100 Jahre Bauhaus: Der Möbelhersteller Tecta präsentiert auf der imm 2019 in Köln Neuinterpreationen bekannter Bauhaus-Klassiker.

Neue Akzente

Das Bauhaus wurde 1933 an seinem letzten Standort in Berlin geschlossen. In Lauenförde lebt es weiter. In der kleinen Gemeinde im Süden von Niedersachsen fertigt die Firma TECTA Möbelklassiker des Bauhauses. Unter den gut 30 Produkten finden sich die Bauhaus-Wiege von Peter Keler, Ludwig Mies van der Rohes „Weißenhof-Stuhl“, der Stuhl B40 von Marcel Breuer, der Sessel, den Walter Gropius für das Direktorenzimmer in Weimar entworfen hat, und andere mehr.

Das Unternehmen ist damit eines der wenigen weltweit, die Bauhaus-lizensierte werkgetreue Originale herstellen. Die Begeisterung der Geschäftsführer Axel Bruchhäuser und seines Neffen Christian Drescher für klare, rationale Formensprache und Gestaltungsprinzipien zeigt sich auch in den anderen Möbeln des Herstellers. Die Reduktion auf das Wesentliche und die konstruktive Perfektion ist eine Art Markenzeichen und geht sogar so weit, dass sich TECTA ein eigenes Museum leistet, das sich exklusiv dem sogenannten Kragstuhl widmet. Die Idee eines halb schwebenden Stuhls hängt unmittelbar mit der Geschichte des Bauhauses zusammen. Marcel Breuer und der Niederländer Mart Stam gelten als Erfinder des Freischwingers.

Gropius in Grün

Zum Jubiläum 100 Jahre Bauhaus hat sich TECTA an einige Kult-Klassiker des Bauhauses gewagt, um sie „weiter ins Heute“ zu tragen, wie das Unternehmen bei der Präsentation auf der Möbelmesse imm 2019 in Köln sagte. So hat etwa die Designerin Katrin Greiling den würfelförmigem Direktorensessel F51 von Walter Gropius einem textilen Refresh unterzogen. Anders gesagt, die „neuen“ F51 spielen mit Farben und Texturen. Greiling setzt unterschiedliche Grün-, Blau- und Rottöne nebeneinander. Bei ihrer Arbeit hat sich die junge Designerin auch von den Arbeiten einer Gunta Stölzl inspirieren lassen, die als Meisterin der Webereiwerkstatt am Bauhaus in Weimar gelehrt hat.

100 Jahre Bauhaus: Freischwinger B42, der in Bauhaus-Lizenz von Tecta hergestellt wird.
Tecta Kragstuhlmuseum
  • Gemeinsam mit Stefan Wewerka, Peter Smithson und Mart Stam hat der Möbelhersteller Tecta in Lauenförde ein Museum aufgebaut, das sich dem hinterbeinlosen Freischwinger widmet. Das TECTA Kragstuhlmuseum zeigt originale Konstruktionszeichnungen etwa von Jean Prouvé und Exponate von Alvar Aalto, El Lissitzky, Walter Gropius und anderen in einem Gebäude, das von Peter Smithson entworfen wurde.

100 Jahre Bauhaus: Pavillon von Thomas Schütte in Krefeld

Die Bauhäusler von Krefeld

Christiane Lange ist die Urenkelin des Seidenfabrikanten Hermann Lange, der Ludwig Mies van der Rohe mit dem Bau einer modernen Villa beauftragt hatte. Das erklärt aber nur zum Teil das Interesse der Kunsthistorikerin an den Verbindungen zwischen dem Bauhaus und Krefeld, wie sie im Interview erklärt. Für das Jubiläum 100 Jahre Bauhaus haben sich Lange und die Krefelder Initiative Projekt MIK e.V., deren Vorsitzende sie ist, etwas ganz Besonderes ausgedacht.

Welche Verbindung gibt es zwischen Krefeld und dem Bauhaus?

In Krefeld war vom 17. bis ins 20. Jahrhundert die Seidenindustrie sehr stark. Durch ihre Ausrichtung auf die Mode hatte sie einen hohen Bedarf an innovativen Impulsen. In den 1920er-Jahren begann der Verband der deutschen Seidenindustrie, der in Krefeld seinen Sitz hatte, ganz strategisch, gute Gestaltung in die Hand von Avantgarde-Künstlern zu legen. Interessanterweise hat sich dieser Industrieverband seine Impulse nicht aus den gängigen Gewerbeschulen geholt, sondern ist schnurstracks aufs Bauhaus zugegangen. Als das Bauhaus 1924/25 Weimar verlassen musste, gab es sogar die Idee, dass es sich in Krefeld ansiedeln könnte. Das gelang zwar nicht, aber dennoch hat man sukzessive hier Bauhäusler engagiert – das große Aushängeschild ist natürlich Mies van der Rohe. Mies hat zehn Projekte in der Stadt realisiert, die alle mit der Seidenindustrie verbunden waren. Dann kam Johannes Itten, der Erfinder des Bauhaus-Vorkurses, dann kamen Georg Muche und viele, viele andere. Das Ganze zieht sich bis in die 1960er-Jahre. Das Bauhaus oder besser gesagt Bauhäusler haben also langfristig und nachhaltig in Krefeld auf eine gesamte Branche gewirkt.

„Uns ging es darum, die Position der Kunst zu zeigen, und nicht darum, etwas zu bauen, das irgendwie nach Bauhaus aussieht.“Christiane Lange

Noch heute kann man Gebäude von Mies van der Rohe bewundern, zum Beispiel Haus Lange, Haus Esters und das ehemalige Industriegebäude der Verseidag. Was hat Krefeld zum Jubiläum 100 Jahre Bauhaus noch zu bieten?

Wir haben die vielfältigen Verbindungen, von denen ich eben gesprochen habe, erforscht und publiziert und zeigen die Ergebnisse dieses Jahr in der Ausstellung Bauhaus und Seidenindustrie. Für die Ausstellung haben wir einen speziellen Ort geschaffen, nämlich die begehbare Skulptur Krefeld Pavillon  des bekannten deutschen Künstlers Thomas Schütte.

Christiane Lange hat gemeinsam mit dem von ihre geführten Projekt MIK e.V. für Krefeld ein besonderes Ausstellungsprojekt auf den Weg gebracht.
Christiane Lange hat gemeinsam mit dem von ihr geführten Projekt MIK e.V. für Krefeld ein besonderes Ausstellungsprojekt auf den Weg gebracht.
Wieso haben Sie den Künstler Thomas Schütte gebeten und nicht beispielsweise einen Architekten?

Uns ging es darum, die Position der Kunst zu zeigen, und nicht darum, etwas zu bauen, das irgendwie nach Bauhaus aussieht. Es sollte also ein Ort sein, der nicht architektonisch oder unter Designaspekten geplant, sondern aus der Kunst heraus gedacht wurde. Als Kuratorin war für mich Thomas Schütte erste Wahl. Er ist ein komplexer Künstler mit einem vielfältigen Werk, das von feinen Zeichnungen bis zu Skulpturen und begehbaren Architekturen reicht. Das ist für mich eine adäquate Antwort auf Positionen von Mies van der Rohe, Walter Gropius, Johannes Itten und anderen. Was als Form dabei herausgekommen ist, war allein Thomas Schüttes Entscheidung.

Erklärt sich Ihr Engagement für das Bauhaus-Erbe in Krefeld aus Ihrer Familiengeschichte? Sie sind die Urenkelin von Hermann Lange, für den Mies van der Rohe das Haus Lange gebaut hat.

Wahrscheinlich schon, aber nicht so bewusst, dass ich sagen würde, ich muss diese Tradition weiterführen. Ich bin Kunsthistorikerin und vor zwölf Jahren eher zufällig in diese Sache hineingerutscht. Ich hatte damals festgestellt, dass es zum Bauhaus-Erbe in Krefeld noch viel zu erforschen gibt, und habe gemeinsam mit anderen die Krefelder Initiative MIK ins Leben gerufen.

Was erhoffen oder erwarten Sie sich konkret vom Bauhaus-Jubiläumsjahr?

Wir hoffen natürlich, dass das Projekt, das wir entwickelt haben, gut funktioniert. Dass es uns über den Film, den wir für die Ausstellung gemacht haben, und den Architektur-Guide gelingt, die Geschichte der Bauhäusler in Krefeld zu erzählen.

100 Jahre Bauhaus, Haus Lange in Krefeld, Architekt Mies van der Rohe
Krefeld im Bauhaus-Jahr
100 Jahre Bauhaus: Stuttgart Weissenhofsiedlung

Bewegende Moderne

Die Weißenhofsiedlung in Stuttgart ist klassische Moderne in ihrer schönsten Form. Ab 1927 bauten unter der Leitung von Mies van der Rohe Architekten wie Walter Gropius, Le Corbusier und Hans Scharoun an ihrer Vision des modernen Wohnens. Es ist ein einzigartiges Ensemble – damals wie heute.

Das Doppelhaus von Le Corbusier ist mit seiner Dachterrasse und der offenen und hellen Raumgestaltung nicht nur typisch für das neue funktionale Verständnis seiner „neuen Architektur“. Diese die Zukunft prägende Eleganz des Gebäudes machte es auch für Werbeaufnahmen zu einer perfekten Kulisse. Im Jahr 1928 posiert eine junge, modisch gekleidete Frau mit einem Mercedes-Benz Sportwagen Typ 8 vor dem neu errichteten Bauwerk.

Die Modernität der Frau: In einer Werbeaufnahme stellte Mercedes-Benz einen Typ 8/38 PS Stuttgart 200 samt Fahrerin vor das Le-Corbusier-Haus in Stuttgart. Die Weissenhof Siedlung in Stuttgart ist Teil der Gran Tour des Jubiläumsjahres 100 Jahre Bauhaus.
Die Modernität der Frau: In einer Werbeaufnahme stellte Mercedes-Benz einen Typ 8/38 PS Stuttgart 200 samt Fahrerin vor das Le-Corbusier-Haus in Stuttgart. Die Weißenhofsiedlung in Stuttgart ist Teil der Grand Tour des Jubiläumsjahres 100 Jahre Bauhaus.

Auch wenn es sich um eine Werbeaufnahme handelt, die selbstbewusste und emanzipierte Haltung der „Damenfahrerin“, wie damals Autofahrerinnen genannt wurden, beeindruckt noch heute. Sie verbindet das Einfache mit dem Stilvollen, Sportlichkeit mit Eleganz. Das Foto ist Ausdruck eines neuen Lebensstil, der sich auch in einem weiteren Anzeigenmotiv von Mercedes-Benz aus den 1920er-Jahren zeigt: „Die Frau in Rot“. Damals übten im Motorsport erfolgreiche Frauen auf die Werbebranche eine große Faszination aus.

Sportliche Schönheit: Die „Frau in Rot“, von Offelsmeyer Cucuel für Mercedes-Benz geschaffen und erschienen 1928, ist eins der eindrucksvollsten Werbemotive der 1920er Jahre. 100 Jahre Bauhaus
Die „Frau in Rot“ gilt als eines der eindrucksvollsten Werbemotive der 1920er-Jahre.

Selbstfahrerinnen und Bauhäuslerinnen

Selbstbewusste Frauen am Steuer eines Automobils fügen sich in ein neues gesellschaftliches Rollenbild, das auch am Bauhaus gelebt werden sollte. Im Manifest von 1919 hieß es ausdrücklich, dass bei der Auswahl der Studenten keine Rücksicht auf das Alter oder Geschlecht genommen werden sollte.

Tatsächlich studierten mehr Frauen als Männer am Bauhaus. Von echter Gleichberechtigung konnte dennoch keine Rede sein. Denn oft wurden Studentinnen von den männlichen Meistern in die Weberei- oder Keramikwerkstatt „abgeschoben“.

Das Jubiläum 100 Jahre Bauhaus ist daher nicht nur eine Gelegenheit, die männlich dominierte Geschichtsschreibung des Bauhauses zu korrigieren, sondern auch die künstlerischen Leistungen einer Marianne Brandt, Gunta Stölzl und vieler anderer wieder zu entdecken.

100 Jahre Bauhaus, Weissenhofsiedlung Stuttgart
Stuttgart im Bauhaus-Jahr
100 Jahre Bauhaus: Neue Meisterhäuser in Dessau-Roßlau

Meister der Moderne

Nachdem das Bauhaus in Weimar schließen musste, zog die Institution 1925 nach Dessau um. Mit dem Umzug änderte sich zum Teil auch der Charakter des Bauhauses. Das lässt sich schon am 1926 fertiggestellten Schulgebäude ablesen, das mit seinen großen Glasflächen zu einer Ikone der modernen Architektur wurde. Das „Staatliche Bauhaus“ als „Hochschule für Gestaltung“ löste sich von seinen mitunter esoterisch anmutenden Weimarer Tendenzen. Die radikale Modernität der Architektur, Männer in eng geschnittenen Anzügen, Frauen mit Kurzhaarfrisuren und in Hosen, die konsequente Kleinschreibung – in Dessau begann eine neue Zeit.

In der Dessauer Phase von 1925 bis 1932 entsteht ein Großteil der Bauhaus-Bauten, die heute als Ikonen der modernen Architektur gelten. Neben dem Bauhaus-Gebäude sind dies die sogenannten Meisterhäuser. Neben einem Einzelhaus für den Direktor wurden drei Doppelhäuser für sechs Professoren gebaut. Die Meisterhaussiedlung ist heute nicht mehr vollständig erhalten. Die Häuser von Walter Gropius und Lázló Moholy-Nagy wurden Ende des Zweiten Weltkriegs bei einem Bombenangriff vollständig zerstört.

Die Lücke füllen seit 2014 die neuen Meisterhäuser, die vom Berliner Architekturbüro Bruno Fioretti Marquez (BFM) entworfen wurden. Das Architekturbüro hat es vermieden, die zerstörten Gebäude einfach nachzubauen. Stattdessen hat sich das Büro für eine Neuinterpretation entschieden, die sich durch „gebaute Unschärfe“ vom Original unterscheidet. Auffällig sind dabei die beschichteten Glasscheiben, die die Häuser wie Modelle wirken lassen.

Sehenswert sind neben dem Bauhaus-Gebäude, den alten und neuen Meisterhäusern auch das Ausflugslokal Kornhaus an der Elbe, ein von Walter Gropius errichteter Rundbau (das damalige Arbeitsamt – heute ist das Gebäude Sitz des Amtes für Ordnung und Verkehr der Stadt Dessau), die Siedlung Dessau-Törten und anderes mehr.

100 Jahre Bauhaus: Die Gaststätte Kornhaus (1929–30) wurde vom Architekten Carl Fieger in die Elblandschaft integriert.
Die Gaststätte Kornhaus (1929–30) wurde vom Architekten Carl Fieger in die Elblandschaft integriert.

Neues Bauhaus-Museum

Highlight des Jubiläums 100 Jahre Bauhaus ist in Dessau die Eröffnung des neuen Bauhaus-Museums der Stiftung Bauhaus Dessau am 8. September 2019. Mit dem neuen Gebäude, das vom jungen spanischen Architektenteam González Hinz Zabala (Addenda Architects) geplant wurde, hat die Stiftung erstmals die Möglichkeit, ihre Sammlung umfassend zu präsentieren.

Das neue Museum startet mit der Ausstellung „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung“. Neben Möbeln, Leuchten, Textilien und Tapeten werden auch Schrifttypen und andere wegweisende Designentwicklungen gezeigt.

100 Jahre Bauhaus: Dessau-Roßlau Bauhausgebäude (1925–26), Architekt: Walter Gropius
Dessau im Bauhaus-Jahr
  • In Dessau hat das Bauhaus seine Blütezeit erlebt. Das von Walter Gropius entwickelte Bauhaus-Gebäude der Hochschule ist eine Ikone der „weißen Moderne“ und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Im Jubiläumsjahr finden neben der Eröffnung des neuen Bauhaus-Museums am 8. September 2019 zahlreiche Veranstaltungen statt.

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