17. März 2017
Reise | Ulm/Schwäbisch Gmünd

Völlig losgelöst

Der Gasbrenner rauscht, heiße Luft strömt in die riesige gelbe Hülle. Langsam bläht sich der Ballon zu voller Größe auf. Es sind die letzten Momente, kurz bevor das beeindruckende Gefährt langsam abhebt. Der Straßenlärm verebbt, aus Menschen werden Miniaturen und aus dem Korb heraus blickt man über die Dächer in einen endlosen Himmel. Einzigartige Augenblicke einer Ballonfahrt, an die sich die Passagiere ein Leben lang erinnern ... Möglich macht’s Pilot Thomas Grüter vom Unternehmen Sunshine-Ballooning in Langenau-Hörvelsingen bei Ulm.

Stuttgart, Bremen, Hannover – als Pilot haben Sie schon etwa 3.000 Ballonfahrten und zig Startplätze hinter sich. Fühlt es sich immer noch besonders an, von der Erde abzuheben?

Es ist immer wieder befreiend. Denn wenn man den Boden unter den Füßen verlässt, koppelt man sich auch von den alltäglichen Problemen ab – das fühlt sich wunderbar an und macht das frühe Aufstehen um vier Uhr am Morgen wieder gut. Dieses Erlebnis haben nur wenige. Deshalb ist jeder Start auch jedes Mal ein „erhebender“ Moment für mich.

Wenn man erst einmal in der Luft ist, bestimmt allein der Wind die Richtung. Das heißt, Ihr Fahrtziel ist immer unbestimmt?

Richtig, das macht die Ballonfahrten ja gerade so spannend. Es ist beispielsweise unmöglich, auf unterschiedliche Fahrtzielwünsche einzugehen, denn wir lassen uns einfach vom Wind treiben. Allerdings wird dadurch auch die Landung anspruchsvoller. Es gibt Fahrtrichtungen, da ist die Landung einfach. Andere, mit viel Wald und Hochspannungsleitungen, sind dagegen eine Herausforderung. Die Richtung wird zwar nicht von mir bestimmt, dafür entscheide ich aber, wann es rauf oder runter geht.

Wie hoch fährt man denn mit einem Heißluftballon?

Hier in Ulm und auch in Norddeutschland fahren wir etwa 300 bis 500 Meter hoch. Wenn es in Richtung Gebirge geht, steigen die Fahrten auch gerne mal auf 2.500 Meter an. Alleine schon wegen des unglaublichen Panoramablicks über die Berge ist es das wert.

Welche Landschaften mögen Sie besonders gern?

Im Allgäu schauen die Passagiere entweder in die Alpen oder nach unten, wo man „nur“ Wiesen und Wälder entdeckt. Das ist rund um Ulm anders. Für mich ist der Ackerbau hier wesentlich abwechslungsreicher. Ich mag es, wie sich die Farben hier ständig ändern. Im Frühjahr sprießt das frische Grün aus den Feldern und der Raps blüht im leuchtenden Gelb. Im Spätsommer entstehen beim Sonnenuntergang durch die Weizenfelder sehr warme Töne.

Vor dem Start: Pilot Thomas Grüter bereitet den Ballon vor
Der atemberaubende Ausblick, die unglaubliche Stille, Häuser, so klein wie Spielzeuge – hier oben ist ein besonderer Ort. Eigentlich ein schöner Platz für einen Heiratsantrag ...

Ja, das kommt tatsächlich häufiger vor (lacht). Die meisten wollen ihren Antrag unbedingt unvergesslich machen. Deshalb kommen viele auf die Idee, ihn hier oben in der Luft auf einer romantischen Ballonfahrt zu machen – quasi fernab von der Zivilisation.

Nach der Landung werden Ballon-Besatzung und Passagiere vom Verfolgerfahrzeug abgeholt. Dafür haben Sie einen Mercedes-Benz Sprinter gewählt, richtig?

Genau. Früher hatten wir Geländefahrzeuge, aber ich möchte den Passagieren heute etwas mehr Komfort bieten – und dafür habe ich einiges ausprobiert. Zuerst wurde der Vito getestet, der mit Winterreifen und Allrad auf einer schlüpfrigen Wiese mit dickem Anhänger und Passagieren gut funktionierte. Danach habe ich mir einen gebrauchten Sprinter mit Allradantrieb besorgt, der auch alles locker rauszieht. Deshalb kam noch ein neuer Sprinter hinzu: Hier finden alle Passagiere Platz und steigen bequem ein und aus – das ist heute das A und O.

Impressionen einer Fahrt: Das Video zeigt die verschiedenen Stationen – von der Vorbereitung des Starts bis zur Landung.

Sunshine-Ballooning

Erfolgreiches Unternehmen

Sunshine-Ballooning wurde 2001 gegründet und hat seinen Sitz in Langenau-Hörvelsingen bei Ulm. Das Unternehmen zählt mittlerweile zu den erfahrensten Luftfahrtunternehmen des Landes. Die Prüfung für den Pilotenschein legte Inhaber Thomas Grüter 1993 ab und ist seither als Ballonfahrer aktiv.

Nationales Netzwerk

Aufgrund der Nachfrage ist Sunshine-Ballooning nicht nur in Baden-Württemberg, sondern auch in Bayern, Bremen und Niedersachsen an den Start gegangen. Darüber hinaus bietet das Unternehmen über das Vermittlungsportal Fun4You Ballonfahrten in ganz Deutschland an.

Events

Mit seiner Flotte von sieben Ballonen und einer Kapazität für 50 Personen wird das Unternehmen oft für Firmenveranstaltungen oder Teambuilding-Events gebucht – inklusive Catering. Einige Firmen nutzen die Ballonhülle als Werbeplattform, die dann bis zu zehn Jahre lang regelmäßig am Himmel zu sehen ist.

Die Top 5 der Lieblingsstartplätze von Thomas Grüter

Ballon eines Heißluftballons
Fahrten in Heißluftballons
  • Das Luftfahrzeug:

    Ein Heißluftballon ist etwa 30 Meter hoch. Die gängigste Korbgröße fasst vier bis neun Passagiere. Das Herzstück des Ballons ist der Propangasbrenner. Er erhitzt die Luft, die in die Ballonhülle einströmt, auf mehr als 100 Grad Celsius.

  • Die Ballonfahrt:

    Die normale Fahrtzeit beträgt zwischen einer und eineinhalb Stunden. Je nach Windgeschwindigkeit werden zwischen 10 und 30 Kilometer zurückgelegt. Ballonfahrten finden im Sommer nur zu Sonnenaufgang und -untergang statt. Im Winter wird oft den ganzen Tag über gefahren, da thermisch bedingte Turbulenzen seltener sind.