30. August 2018

Baltic Sea Circle
Wildes Abenteuer

Das Ziel: einmal rund um die Ostsee. Dieser Herausforderung haben sich bei der Rallye Baltic Sea Circle knapp 250 Teams gestellt. Mit dabei waren Nils Kroggel und Carsten Wedekind von der Mercedes-Benz Niederlassung Bremen. In einer 22 Jahre alten C-Klasse und in einem umgebauten Transporter. Klingt nach Abenteuer? Ist es auch! Ein Erfahrungsbericht.

Der Start

Los geht es am späten Vormittag in Hamburg. Auf dem Hamburger Fischmarkt treffen sich die Teilnehmer des Baltic Sea Circle, einer Rallye mit ganz bestimmten Spielregeln rund um die Ostsee. Am Start sind auch zwei abenteuerlustige Mitarbeiter der Mercedes-Benz Niederlassung Bremen: Nils Kroggel und Carsten Wedekind. Nils, seine Freundin Franziska Klemme und seine 22 Jahre alte C-Klasse bekommen die Startnummer 206, Teamname: „Bremer Kilometerjäger“. Carsten und seine beiden Mitfahrer Christian Peters sowie Thorsten Krupp machen sich mit ihrem Mercedes-Benz 709, einem ehemaligen Küchenwagen des Bayerischen Roten Kreuzes, als die „Old Stars“ mit der Nummer 14 auf die Route. In wochenlanger Arbeit hat das Trio das Fahrzeug umgebaut. Unter anderem wurde eine Küche und eine Dusche integriert. Vor den Teilnehmern liegen rund 7.500 Kilometer durch 10 Länder. Mit einem sehr ambitionierten Zeitlimit: Das Ziel Hamburg muss in 16 Tagen wieder erreicht werden.

Erfahrung Baltic Sea Circle

Für den Start haben sich mehr als 1.000 Zuschauer versammelt – Familie, Freunde, Bekannte und Schaulustige. Der erste große Bahnhof fürs Starterfeld. Durch Hamburg führt die Route in Richtung Norden. Und fast alle Teams legen mit ihren Autos in den ersten zwei bis drei Tagen richtig viele Kilometer zurück. Ihre Motivation? Auf dem Roadtrip wollen sie neue Erfahrungen sammeln, Spaß haben und möglichst viele Spenden für gemeinnützige Zwecke einsammeln. Das gilt auch für die beiden Bremer Teams. Privatleute und Firmen fungieren als Sponsoren, die Autos werden von ihnen mit Aufklebern und Unterschriften versehen. Das Team Kroggel hat für die Aktion „MahlZeit“ mehr als 2.364 Euro eingesammelt – das Projekt unterstützt bedürftige Kinder. Die Wedekind-Crew hat für das Kinderhospiz Löwenherz 10.560 Euro eingesammelt.

Am ersten Tag dürfen die Teilnehmer noch auf der Autobahn fahren, genauso wie auf der letzten Etappe der Rallye. Ansonsten sind nur noch gewöhnliche Straßen erlaubt. Manchmal geht es sogar über Feldwege und Schotterpisten. Echtes Offroad-Feeling. „Genau diese Spielregeln machen den Baltic Sea Circle zu einem einzigartigen Abenteuer“, sagt Carsten Wedekind. Wie das aussieht, erfährt er in den nächsten Tagen genauer. Auf dem Weg zum ersten Strecken-Highlight: den Lofoten.

Baltic Sea Circle – das Reglement

Die zurückliegende Veranstaltung hat vom 16. Juni bis zum 1. Juli stattgefunden. Für die Rallye rund um die Ostsee haben die Veranstalter ein paar Regeln aufgestellt. Genau diese speziellen Herausforderungen verleihen dem Roadtrip seinen besonderen Reiz. Es gewinnt übrigens das Team, das die meisten Punkte sammelt. Dafür müssen die Aufgaben aus dem Roadbook erledigt werden. Eine lautet: Tausche eine blaue Büroklammer gegen etwas Höherwertiges. Das zeigt: Es steht eindeutig der Spaß im Vordergrund.

Fahrzeuge

Zugelassen sind Pkw, Transporter und Motorräder, alle älter als 20 Jahre. Nicht zugelassen sind Wohnmobile und Anhänger.

Hilfsmittel

Navigiert wird mit Karten und dem Roadbook. Der Baltic Sea Circle Codex sieht vor, dass auf Navigations- und GPS-Geräte verzichtet wird.

Route

Die Teilnehmer müssen rund 7.500 Kilometer zurücklegen, die jeweilige Strecke ist jedem Team selbst überlassen. Start und Ziel befinden sich in Hamburg.

Finanzen

Die Startgebühr für ein 2er-Team beläuft sich auf 890 Euro. Zudem muss jedes Team bis zur Zielankunft mindestens 750 Euro für ein Charity-Projekt nach Wahl einsammeln.

Malerisch rau

Regen, Regen und noch mal Regen. Die ersten Tage auf dem Baltic Sea Circle sind für die „Bremer Kilometerjäger“ und die „Old Stars“ ziemlich trist. Auch deswegen sitzen die Teams zehn bis zwölf Stunden täglich hinter dem Steuer und legen die Strecke durch Dänemark und Schweden in vier beziehungsweise fünf Tagen zurück. Möglichst schnell wollen sie die Lofoten erreichen, eine norwegische Inselgruppe. „Das war beeindruckend. Vor allem wegen der Landschaft. So etwas habe ich vorher noch nie gesehen und ich werde auf jeden Fall noch mal dahin fahren“, berichtet Nils. Und Carsten ergänzt: „Das Meer erinnert an die Karibik. Es ist wunderbar grün und bildet einen krassen Gegensatz zu den schroffen Felsmassiven. Ich hätte nie gedacht, dass einen dort ein solches Natur-Panorama erwartet. Zwischendurch hatte ich das Gefühl, in Portugal oder in der Karibik zu sein.“

Zudem kommt es auf den Lofoten zum ersten Party-Stopp der Rallye. Das ist einer von zwei Terminen, bei dem alle Teilnehmer an einem Ort zusammenkommen, um Erfahrungen auszutauschen, sich Tipps zu geben und über die anstehenden Etappen des Roadtrips zu sprechen.

Tipp der „Bremer Kilometerjäger“

Ein Ausflug über die Ringstraße auf dem südlichen Teil der Lofoten. „Wir haben hier wundervolle Küstenabschnitte entdeckt und zahlreiche Pausen eingelegt. Das ist absolut empfehlenswert.“

Erfahrungen am Nordkapp auf der Rallye Baltic Sea Circle
Nordkap

Im hohen Norden

Nur knapp über null Grad, nasskalte Witterung, viel Nebel. Eher miese Bedingungen. Trotzdem wird den Mitgliedern beider Teams am Nordkap warm ums Herz. Nils spricht über große Emotionen im hohen Norden.

Wie hat es dir am Nordkap gefallen?

Optisch hat dieser Ort gar nicht so viel zu bieten. Besonders für uns war vielmehr der Weg dahin und das Gefühl, dort gewesen zu sein. Von daher war es ein bewegender Stopp – auch für alle anderen.

Inwiefern?

Bis zu diesem Ort ging es für uns immer Richtung Norden, danach Richtung Süden. Von der Distanz her hatten wir knapp die Hälfte der Strecke hinter uns gebracht. Auch deswegen war die Station ein wichtiges Zwischenziel für uns, ein Wendepunkt. Außerdem wird man dort irgendwie von einer feierlichen Stimmung ergriffen. Vielleicht liegt das auch an den extremen klimatischen Bedingungen.

Was sollte man am Nordkap auf jeden Fall machen?

Auf jeden Fall ein Foto mit dem berühmten Wahrzeichen, der Nordkapkugel. Extra für uns hatte der Veranstalter organisiert, dass wir unsere Fahrzeuge direkt davor parken durften.

„Der Ort verbreitet irgendwie eine feierliche Stimmung. Das ist schon ergreifend.“Nils Kroggel, Bremer Kilometerjäger

Interview mit Felix Kroggel über seine Erfahrungen auf der Rallye Baltic Sea Circle
Die Ruhe genießen: Auf der Rallye Baltic Sea Circle sitzen die Teilnehmer im Schnitt zehn bis zwölf Stunden pro Tag am Steuer. Auch deswegen genießt Nils die wenigen Pausen.
Was gibt es sonst noch?

Außerdem sollte man das Museum besuchen. Man erfährt viel über das Leben an der Küste im hohen Norden und über die Geschichte der Region. Zudem gibt es dort eine kleine Kapelle, die man sich unbedingt ansehen sollte. Mit ein paar anderen Leuten haben wir „O Tannenbaum“ gesungen. Im Juni! Das war schon etwas skurril – aber danach waren wir alle irgendwie in Weihnachtsstimmung.

Und irgendwie passte das auch. Denn auf dem Weg in Richtung Süden legten die „Bremer Kilometerjäger“ noch einen kleinen Zwischenstopp im offiziellen Dorf des Weihnachtsmanns ein …

Carsten Wedekind und sein Team sammelten auf dem Baltic Sea Circle viele bleibende Erfahrungen.
Und auch für das Team „Old Stars“ war der Halt am Nordkap etwas Besonderes. Carsten: „Diese Station steht auf jeden Fall auf meiner persönlichen Liste der Orte, zu denen ich unbedingt mal reisen wollte.“
Helsinki
Helsinki Innenstadt

Kleines und Feines

Von der Fahrt in die finnische Hauptstadt Helsinki sind dem Team „Bremer Kilometerjäger“ besonders zwei Dinge in Erinnerung geblieben. Zum einen die schier unendlich langen Straßen, die in Wellenlinien immer Richtung Horizont verlaufen – über mehrere Hundert Kilometer. „Solche Strecken gibt es bei uns in Deutschland gar nicht. Das ist fast ein wenig so wie Achterbahnfahren.“ Zum anderen der Zwischenhalt in Rovaniemi, dem Weihnachtsmanndorf im finnischen Lappland. „Der Stopp ist echt ein Muss, wenn man in der Region unterwegs ist.“ Dort wird Weihnachten das ganze Jahr über gefeiert. Festlich geschmückt, mit Rentieren und einem Weihnachtsmann mit langem weißen Bart.

Angekommen in der finnischen Hauptstadt Helsinki, fällt vor allem eines auf: Diese Metropole hat alles zu bieten, was eine moderne Stadt auszeichnet. Futuristische Architektur, viel Historisches, angesagte Clubs, erstklassige Bars – und „eine  wundervolle Markthalle“, so Nils.

Tipp der „Bremer Kilometerjäger“

In Helsinki gibt es eine schöne Markthalle, kleine Cafés, Restaurants und zahlreiche Geschäfte. „Der Besuch ist nur zu empfehlen. Wir haben uns hier entspannt treiben lassen, vieles ausprobiert und ein paar schöne Stunden verbracht.“

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Mix aus Paris und Venedig

Das Team „Old Stars“ hat einen anderen Weg als die „Bremer Kilometerjäger“ rund um die Ostsee gewählt. Das Trio nimmt eine Route, die weiter Richtung Osten führt. Viele Starter meiden den russischen Grenzübergang. Berichte aus der Geschichte des Baltic Sea Circle belegen, dass es hier unter anderem oftmals lange Wartezeiten bei der Kontrolle der Visa geben kann. Insofern schwierig für die Teams, weil sie dabei viel Zeit verlören und diese auf den weiteren Etappen erst wieder aufholen müssten. Bei den „Old Stars“ hält sich die Wartezeit aber in Grenzen – die Abfertigung dauert nur wenige Stunden – und schon geht es weiter nach Sankt Petersburg. „Die Stadt zählt zu unseren Rallye-Höhepunkten“, so Carsten.

Das liegt auch an den starken Kontrasten auf der Fahrt in die Ostsee-Metropole. Die führt zum Teil über Straßen in desolatem Zustand. In Sankt Petersburg sieht es dagegen ganz anders aus. „Die Stadt hat sich für die Fußball-Weltmeisterschaft herausgeputzt. Mein Eindruck: ein Mix aus Paris und Venedig. Hier trifft westliches Flair auf russisches Lebensgefühl. Und das ist eine ganz besondere Mischung.“

Sankt Petersburg – eine Station auf dem Baltic Sea Circle und eine unvergessliche Erfahrung für Carsten Wedekind.
Viel Glanz in Sankt Petersburg. Das Team „Old Stars“ gastierte dort während der Fußball-Weltmeisterschaft.
Tipp der „Old Stars“

Einfach mal auf einer der vielen Flaniermeilen ein Café aufsuchen. „Genau so eine Auszeit haben wir uns einen Nachmittag lang gegönnt. Und ich muss sagen, das hat sich wirklich gelohnt. Wir haben dabei viele sehr offene, aufgeschlossene und extrem freundliche Menschen kennengelernt. Das hätte ich so nicht erwartet.“

Tallinn
Tallinn - Nordkap Baltic Sea Circle 2018

Überraschend anders

Die „Bremer Kilometerjäger“ haben dagegen die Fähre von Helsinki nach Tallinn genommen und sich gegen einen Grenzübertritt nach Russland entschieden. Dadurch haben sie auch Zeit gewonnen. Perfekt für das Duo, denn Franziska und Nils hatten immer schon mal vor, die Hauptstadt Estlands zu besuchen. „Das war genau die richtige Entscheidung. Dort haben wir einen Spaziergang in den Abendstunden gemacht – durch die Obere Altstadt mit ihren vielen historischen Gebäuden.“ Sehr viele davon stammen noch aus der Zeit der Hanse. Generell lässt sich die Stadt sehr gut erwandern, fast alle Sehenswürdigkeiten sind fußläufig zu erreichen. Und zu entdecken gibt es vieles: die Wehranlagen, mittelalterliche Kirchen und barocke Paläste.

Im Anschluss an den Stadtbummel treffen sich die beiden mit den anderen Rallye-Fahrern, denn nur wenige Kilometer von Tallinn entfernt findet der zweite Party-Stopp der Rundfahrt statt.

Baltic Sea Circle – Erfahrungen im Restaurant Olde Hansa
Für die Fans eines rustikalen Ambiente und der dazu passenden Küche: das Restaurant „Olde Hansa“.
Tipp der „Bremer Kilometerjäger“

Franziska und Nils haben das Restaurant Olde Hansa ausprobiert und für sehr gut befunden. In einem rustikalen Ambiente wird Deftiges serviert, zum Beispiel Wildschweinbraten auf Tontellern. Um die historische Anmutung abzurunden, passiert das bei Kerzenschein.

Danzig
Danzig Innenstadt

Stets hilfsbereit

Auf der Rallye hatte das Team „Old Stars“ immer wieder mit technischen Problemen zu kämpfen. So auch beim Zwischenstopp in Danzig. „Zum Glück ist die Panne dort passiert“, sagt Carsten. Zum einen, weil die Menschen in Polen sehr hilfsbereit und einfallsreich seien. So wurde ein Defekt an der Auspuffaufhängung kurzerhand mit einem eigens gefertigten Bauteil behoben. Zum anderen, weil die Stadt an sich eine Menge zu bieten habe. Beispielsweise die Gdansk ul. Dluga – eine der Flaniermeilen der Stadt mit zahlreichen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten. Carsten: „Auch hier gilt, dass leider die Zeit nicht mal ansatzweise ausreichte. Wir wären sehr gerne noch ein paar Tage länger geblieben.“ Vor diesem Hintergrund ist das Reglement der Rallye gnadenlos – denn alle Starter müssen am 1. Juli wieder zurück in Hamburg sein. So auch die „Old Stars“ und die „Bremer Kilometerjäger“. Die beiden abenteuerlustigen Bremer Teams passierten im Laufe des Nachmittags die Ziellinie. Was sie gesammelt haben? Unbezahlbare Erfahrungen! Dementsprechend fällt auch das Fazit von Nils und Carsten aus. „Die Tour rund um die Ostsee war echt ein großes Abenteuer. Und ein großer Spaß. Wir haben keine Minute bereut und wirklich viel gelernt. Eine solche Erfahrung sollte wirklich jeder mal machen.“

Erfahrungen auf dem Baltic Sea Circle
Eine der vielen Prachtstraßen in Danzig. „Beeindruckend sind die liebevoll renovierten Fassaden der historischen Häuser und die Offenheit der Menschen“, so Carsten.
Kilometer
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