17. März 2017
Reise

Reviervergnügen

Vom Sternerestaurant ins Kultlokal, von der Industrieruine ins Museum und zu neuen Stadtarealen – das Ruhrgebiet ist extrem vielfältig und immer anders, als man denkt. Eine Entdeckertour zwischen Duisburg und Dortmund.

„Ich liebe das Ruhrgebiet wegen der Menschen und ihrer Mentalität.“Nelson Müller, Sternekoch aus Essen

Die Rüttenscheider Straße ist für Nelson Müller „die tollste Straße von Essen“. Das kann man verstehen, schließlich hat der bekannte TV-Koch ganz in der Nähe sein Gourmetlokal „Die Schote“. Und auf der Essener Kultmeile hat er die Brasserie „Müllers auf der Rü“ eröffnet. Also ein Heimspiel. Müller findet aber nicht nur seine Restaurants super, sondern dass man „hier alles bekommt, was man zum Leben braucht. Es gibt zahlreiche inhabergeführte Geschäfte und Restaurants für jede Geschmackslage.“ Was der sympathische Sternekoch nicht erwähnt: Gleich um die Ecke ist das Museum Folkwang. Auch die Philharmonie und das Aalto-Theater sind nicht weit entfernt.

Vom Kloster ins Hüttenwerk

Essen ist die größte Stadt der Metropole Ruhr. Aber nur eine von vielen. Zwischen Kamp-Lintfort im Westen und Dortmund im Osten spannt sich ein riesiger urbaner Raum: mal dörflich, mal städtisch, mal irgendwas zwischen Natur, Industrie und Gewerbegebiet. Typisch Ruhrgebiet eben. Oder doch nicht? Zum Revierfeeling gehört unbedingt auch der Bruch, der Kontrast, das Überraschende. Ein Beispiel gefällig? Das Kloster Kamp in Kamp-Lintfort mit seinem barocken Terrassengarten. Oder Duisburg und sein Innenhafen. In alte Speichergebäude sind spannende Museen wie das MKM Museum Küppersmühle und schöne Lokale eingezogen. Echte Schmuckstücke zwischen rauchenden Schloten und viel rauem Charme. Dem Mythos Ruhrgebiet kommt man auch im Landschaftspark Duisburg-Nord ganz nah, erst recht am Abend, wenn sich das ehemalige Hüttenwerk in ein buntes Lichtspektakel verwandelt.

Unterwegs auf der Route der Industriekultur

Der Landschaftspark ist einer von 25 Ankerpunkten auf der Route der Industriekultur. Andere sind der Gasometer in Oberhausen, die Henrichshütte Hattingen, die Zeche Zollverein in Essen, das alte Schiffshebewerk Henrichenburg … Es geht gar nicht darum, alles zu sehen. Aus den insgesamt 400 Kilometern nimmt man sich einfach das heraus, was einem gefällt. So wird die Route zu einem praktischen Guide durch die Metropolregion. Übrigens auch zu kuriosen Bergwanderwegen. Die schlängeln sich im Revier natürlich nicht in romantische Bergwelten, sondern auf profane Halden. Gar nicht profan ist das, was einen oft am Gipfel erwartet – markante Kunstwerke und spannende Aussichten über eine Kultur- und Industrielandschaft, die in ihrer Art einmalig ist.

Treppenhaus im Ruhr Museum in der Zeche Zollverein in Essen.
Pflichtstation einer Kulturreise durch das Ruhrgebiet: das Ruhr Museum in der Zeche Zollverein in Essen.
Übernachten auf dem ehemaligen Zechengelände Nordstern: das Hotel Heiner’s.
HOTEL-TIPPS
  • Mercure Plaza Essen:

    Das 4-Sterne-Hotel liegt gleich neben dem Museum Folkwang in Essen. Nette Lokale finden sich ganz in der Nähe, in der Rüttenscheider Straße. www.mercure.com

  • Heiner’s:

    Das Parkhotel liegt auf dem Gelände der Zeche Nordstern. Die moderne Ausstattung ist ebenso überzeugend wie der Wellnessbereich und das Wintergarten-Restaurant. www.heiners.info

  • Schloss Westerholt:

    Das Ruhrgebiet überrascht mit romantischen Schlossanlagen. In diesen kann man stilvoll übernachten. Zwischen Gladbeck und Recklinghausen. www.schlosshotelwesterholt.de

Phoenix-See in Dortmund
Auch so kann Strukturwandel aussehen: Der Phoenix-See in Dortmund-Hörde entstand auf der Fläche eines ehemaligen Stahlwerks.

Neue Kunstmeile in Dortmund

Die Dinosaurier des Industriezeitalters werden spannende Ausstellungsräume. Das kennt man. Aber wie wäre es damit: Aus einer verlassenen Industrieanlage wird ein neuer Stadtteil mit einem See für Wassersportler. So geschehen in Dortmund und seinem neuen Freizeitgebiet, dem Phoenix-See. Oder das Dortmunder U: Der ehemalige „Gär- und Lagerkeller“ der Dortmunder Union-Brauerei ist längst zum neuen Wahrzeichen der Stadt geworden. Unter dem goldenen U und hinter den riesigen Outdoor-LEDs des Backsteingebäudes wartet ein quirliges Kreativzentrum mit den Räumen des Museums am Ostwall und außergewöhnlichen Lokalen wie dem „Emil“. Womit wir wieder bei der Gastronomie und Nelson Müller wären. Was er an seiner Wahlheimat, dem Ruhrgebiet, liebt, ist dieses „Bodenständige mit Graupensuppe“, wie der TV-Star sagt. Um zu verstehen, was er damit meint, muss man noch mal in die Rüttenscheider Straße nach Essen. Im „Müllers auf der Rü“ setzt der Spitzenkoch auf ehrliche und lokale Küche. Also gibt es nicht nur Leberkäse und Schnitzel, sondern auch die Revierspezialität überhaupt, die Currywurst. Müller serviert sie mit belgischen Pommes. So viel Internationalität muss sein.

Speiseraum des mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurants „Schote“ von Nelson Müller.
Genuss-Tipps
  • Schote:

    Sternekoch Nelson Müller zaubert in Essen-Rüttenscheid. Zum Beispiel das 4-Gänge-Menü mit Weinbegleitung für 78 Euro.
    www.restaurant-schote.de

  • Mit Schmackes:

    Im Kneipenrestaurant von Fußballprofi Kevin Großkreutz wird lecker deftig aufgetischt.
    www.schmackes-dortmund.de

  • Food Lovers:

    Auf dem Street Food Markt kann man in Dortmund, Bochum, Recklinghausen und Duisburg internationale Straßenküche probieren.
    www.foodlovers-markt.de

Begehbare Skulptur Tiger & Turtle in Duisburg-Süd

Landmarke

Tiger and Turtle

Kunst auf der Halde, auch das ist typisch für das Ruhrgebiet. Die Landmarke „Tiger and Turtle“ in Duisburg macht aus einem Spaziergang ein schwindelerregendes Erlebnis.

www.duisburg.de

Landschaftspark Duisburg-Nord bei Nacht

Lichtkunst

Landschaftspark Duisburg-Nord

Das stillgelegte Eisenhüttenwerk zählt zu den beeindruckenden Industriedenkmälern des Ruhrgebiets. Am Abend verwandelt sich die 200 Hektar große Anlage in ein leuchtendes Kunstwerk.

www.landschaftspark.de

Zeche Zollverein in Essen

Das Symbol

Zeche Zollverein

Das Weltkulturerbe in Essen wurde zum Symbol für den Strukturwandel im Ruhrgebiet. In die weiträumigen Anlagen sind unter anderem das Ruhr Museum, das Red Dot Design Museum und spannende Läden und Lokale eingezogen.

www.zollverein.de

Deutsches Fußballmuseum in Dortmund

Ballkultur

Deutsches Fußballmuseum

Zur Ruhrkultur gehört unbedingt auch das Spiel mit dem runden Leder. Im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund wird an die großen Momente der DFB-Elf erinnert.

www.fussballmuseum.de

Cabriolet von Mercedes-Benz am Baldeneysee bei Essen.

Viel Grün

Am Wasser entlang

Auch grüne Idyllen, wie hier am Baldeneysee, gehören zu einer Ruhrtour. Bei dieser Abendsonne bleibt das Verdeck des Mercedes-Benz C-Klasse Cabriolets natürlich offen.