07. Oktober 2016

Willi Wolf
der „schwäbische Cowboy“

Den Wilden Westen gibt es nicht mehr? Doch – und zwar mitten auf der Schwäbischen Alb. Dort besitzt Viehzüchter Willi Wolf die wohl größte Wasserbüffelherde Deutschlands.

Mit donnernden Schritten setzen sich die Schwergewichte in Bewegung. Wenn 300 Büffel lostraben, werden mehrere Pferdestärken benötigt, um die Herde zusammenzuhalten. Mittendrin reitet Willi Wolf auf einem Westernpferd und ruft Kommandos, um die Tiere zum Weiterlaufen zu motivieren. Jedes Frühjahr wird seine Büffelherde vom Stall auf die Sommerweide getrieben. Und im Herbst machen sich die schwarzen Kolosse auf den Weg zurück von den saftigen Wiesen ins Winterquartier in Hohenstein-Meidelstetten. „Auf diese Tage freue ich mich immer wie ein Kind“, sagt der 62-jährige Viehzüchter. Im vergangenen Jahr wurde der Albabtrieb zum ersten Mal als Event angekündigt. Prompt ließen sich mehrere Tausend Zuschauer das Spektakel nicht entgehen.

Büffel als TV-Stars

Das Treiben wurde sogar von Kamerateams verfolgt. Inzwischen haben die Büffel schon fast einen Prominentenstatus erreicht – immerhin haben sie es bis ins Fernsehen geschafft: Denn die Umgebung rund um den Stall Willi Wolf war 2015 Schauplatz für die Dreharbeiten zum TV-Spielfilm „Die Büffel sind los!“ (Sendetermin: Freitag, 21.10.2016, 20:15 Uhr, ARD).

Willi Wolf steht inmitten seiner Büffel auf der Weide.
Mit Hut und großkariertem Hemd sieht Willi Wolf wie ein echter Cowboy aus.

Seinen Entschluss, Landwirt zu werden, fasste Willi Wolf, als er 14 Jahre alt war. Dabei ist er nicht auf einem Hof aufgewachsen. „Zwar haben einige Leute versucht, mir meinen Wunsch auszureden, aber ich habe es durchgezogen und bis heute nicht bereut“, erzählt er. Vor 25 Jahren kaufte er seinen Hof in Meidelstetten und hielt zunächst Kühe und Angusrinder. Doch der Fleischpreis rutschte in den Keller und eine artgerechte Haltung der Tiere rentierte sich nicht mehr.

Tiere mit Charakter

Schließlich hörte Wolf von einer Wasserbüffelzucht in Norddeutschland. Der Tipp, es doch mit den Kolossen zu versuchen, kam von einem Freund. „Mir gefiel sofort die Ausstrahlung der Tiere. „Ich war und bin ein Exot.“Willi WolfSie sind ruhig und stur – man kann sagen, sie entsprechen meinem Charakter“, erklärt der Viehzüchter. Im Herbst 2005 zogen also 36 „Albbüffel“, wie Willi Wolf seine Tiere nennt, auf seinen Hof. Sie stammten aus Rumänien, wo Wasserbüffel schon seit Jahrzehnten als Nutztiere gehalten worden waren. „Jetzt spinnt er total“ war die erste Reaktion der Anwohner, als die tiefschwarzen Tiere gelassen auf der Weide grasten. Inzwischen sind die Stimmen der Skeptiker längst verstummt. Denn der Mut des Landwirts wurde belohnt: Die Herde wuchs schnell auf inzwischen 300 Tiere an. Und das ist auch gut so, denn die Nachfrage nach Albbüffelprodukten wird immer größer. Das Geschäft boomt.

Qualität aus der Region

Pro Woche werden drei jeweils einjährige Büffel geschlachtet. Das Fleisch schmeckt wie eine Mischung aus Kalb, Rind und Wild. Es ist dunkel, kurzfaserig, mit viel Biss. In Ludwig Failenschmid aus dem Nachbarort St. Johann-Gächingen fand Willi Wolf einen Partner für die Fleischverarbeitung nach traditioneller Art. „Das ist wie eine Symbiose, aus der sich eine Freundschaft entwickelt hat“, erzählt der 62-Jährige. „Besser geht’s nicht.“

Eines ist dem „schwäbischen Cowboy“ jedoch besonders wichtig: „Die Tiere sollen artgerecht gehalten werden, solange sie leben.“ Auf den großen Weiden finden sie genügend trockenes Gras, Kräuter und Disteln zum Fressen. Da sie keinen Stress haben, produziert ihr Körper viel Milchzucker, was wiederum das Fleisch besonders feinfaserig und zart macht. Im Winter steht das Vieh im großen Offenstall auf Stroh. Willi Wolf scheut keine Kosten und Mühen, damit es seinen Albbüffeln gut geht. So werden in trockenen Sommern bis zu 30.000 Liter Wasser täglich benötigt, damit die Tiere sich darin suhlen können. Im Gegensatz zu Kühen haben nämlich die bis zu 700 Kilogramm schweren Wasserbüffel keine Schweißdrüsen und brauchen das Wasser zum Abkühlen.

Zwar würde er heute einem jungen Menschen nicht unbedingt dazu raten, Landwirt zu werden. Aber „wenn man etwas wirklich will, dann schafft man es auch!“, ist Willi Wolf überzeugt. Und der „schwäbische Cowboy“ muss es ja wissen – schließlich ist er selbst das beste Beispiel dafür.

Willi Wolf sitzt auf einem Pferd und treibt Büffel auf einer Weide zusammen.
Event-Tipp „Weideabtrieb 2016“
  • Albabtrieb: Willi Wolf und einige Helfer treiben die Büffel mit Pferden und Hunden von der Sommerweide zum Winterquartier. Die Strecke bis zum Stall in Meidelstetten ist vier bis fünf Kilometer lang. Bereits im vergangenen Jahr verfolgten mehrere Tausend Zuschauer das Geschehen.
  • Rahmenprogramm: Der Weideabtrieb wird mit einem großen Fest am Stall Willi Wolf gefeiert. Die Besucher dürfen sich auf ein Spektakel mit Livemusik, Westernshow, Kinderprogramm sowie einem Regional- und Countrymarkt freuen.
  • Termin: Sonntag, 16. Oktober 2016, 10 Uhr - 18 Uhr
Das Bild zeigt im Hintergrund den Stall Willi Wolf. Im Vordergrund weiden Büffel auf einer Wiese.

Stall Willi Wolf

Der „schwäbische Cowboy“ bewirtschaftet 160 Hektar Weideland und besitzt 300 Büffel. Zum Hof gehören sechs urige Blockhäuser, die Namen wie „Jolly Jumper“ und „Little Joe“ tragen. Dort kann man ganzjährig Urlaub machen. Verschiedene Reitkurse und Reiterferien für Kinder runden das Angebot ab. Um die rund 50 Pferde kümmert sich hauptsächlich Willi Wolfs Ehefrau Beate Stanger.

Steinhilber Straße 28
72531 Hohenstein-Meidelstetten

www.willi-wolf.de