27. März 2017

Hut Couture
by Thomas Rath

„Classic with a twist“ – so die Antwort von Modedesigner und Unternehmer Thomas Rath, wird er nach seinem immer etwas unkonventionellen Modestil gefragt. Im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin spricht der Designer über den modischen „Twist 2017“ und warum er auf den Hut gekommen ist. Exklusiver Fashion-Rath vom Düsseldorfer Modemacher.

Im Januar präsentierte der erfolgreiche Designer seine Herbst-/Winterkollektion 2017 auf der PLATFORM FASHION an der Stadtgrenze von Düsseldorf in den Hallen des Areal Böhler. Thema der Kollektion: „Love & Peace“. Denn angelehnt an den späten Hippie-Look ziehen auch über den Sommer hinaus feminine Schnitte und Farben von Lila über Petrol und Smaragdgrün bis hin zum „Code Rouge“ in fröhlichen Mustern in die Kleiderschränke modeinteressierter Frauen ein. Und, kaum zu übersehen, Thomas Rath ist auf den Hut gekommen: Er entwickelte gemeinsam mit dem Familienunternehmen Loevenich die luxuriöse Kollektion für seine Couture-Linie und eine eigenständige Kollektion für den lässigen Alltagslook. Ob Semi Couture oder „Streetstyle“, Luxuslady oder Bloggerin – bei Thomas Rath findet jede ihren passenden Deckel.

Das Thema Ihrer Herbst-/Winterkollektion 2017/2018 lautet „Love & Peace“ – was zeichnet Ihre aktuelle Semi Couture aus?

Es kommt wieder sehr viel Buntes, viele fröhliche Mustermixe – für den nächsten Winter ist das besonders schön. Wir setzen auf reiche, satte Farben: dunkles Lila und Petrol, ein leuchtendes Smaragdgrün sowie Rot- und Pinktöne kombiniert. Es darf also wieder ein bisschen auffälliger sein.

Was hat Sie ausgerechnet zu diesem Kollektionsthema inspiriert?

Die Idee kam im Sommer, auf Ibiza. Dort wird im August der Geburtstag von Krischna gefeiert. Diese Flower-Power überall, die ist bei mir hängengeblieben. So wurde das für uns zum Thema – für mich besonders: Ich stehe ja immer für Happiness, für Farben, für feminine Schnitte und Stoffe.

Auf der letzten Fashionshow haben wir Ihre neue „Hut Couture“ auf dem Catwalk bewundern dürfen ...

Absolut! Der Hut ist ein riesiges Trendthema. Ohne Kopfbedeckung geht eigentlich gar nichts mehr. Erst waren es die Beanies, diese übergroßen Mützen, jetzt sind es die Hüte. Nehmen Sie allein die Blogger-Szene: Der Style wird immer auf den Hut aufgebaut. Somit war es nahe liegend, dass wir eine eigene Hutkollektion designen.

Und eine Kollektion in Kooperation mit Loevenich?

Genau, wir haben aktuell zwei Hutlinien: die Semi Couture – unsere höherpreisige Einzelhandelskollektion, die einen modernen Look bedient, der sehr erwachsen ist. Diese Hüte sind aus Kaschmir oder Filz und mit Seide gefüttert, also unglaublich hochwertig aufgebaut. Und daneben gibt es die „Thomas Rath Blue Label Hutkollektion“, die in den bekannten Hutabteilungen zu finden ist: Beanies, Mützen mit großem Webpelzpuschel, Kappen – die übrigens wieder ganz angesagt sind –, Baskenmützen, gewaschene Wollfilz-Hüte, die man zusammenkrempeln kann und die Fedoras – große breitkrempige Hüte im „Blogger-Style“. Eben Kopfbedeckungen für jeden Anlass. Damit decken wir die ganze Bandbreite ab und haben den kompletten Hutmarkt revolutioniert.

Was unterscheidet Ihre Kreationen und Ihre Stoffe von denen anderer Designer?

Die Stoffe mit den Drucken für die Semi Couture, das sind alles Exklusiv-Drucke einer großen italienischen Firma. Da ich bereits lange in der Branche tätig bin und bei Unternehmen wie Jil Sander und Escada tätig war, habe ich gute Kontakte zu den Stoffdesignern der Webereien und Druckereien. Meine Tweeds dagegen kommen aus Irland oder Frankreich. Wir haben für alle Materialien ausgewählte Lieferanten.

„Die Message ist: Seid selbstbewusst und brecht mit verstaubten Stildiktaten!“Thomas Rath, Modedesigner

Thomas-Rath im Interview
Mit „Classic with a twist“ beschreiben Sie Ihren typischen Modestil. Was bedeutet das genau?

Es gibt immer die klassischen Elemente in der Kollektion. Das bedeutet: Ein gut sitzender Mantel, ein gut sitzendes kleines Schwarzes, Kleider, eng tailliert. Das ist für mich die „Classic“. Und die hole ich mir von klassischen, gut angezogenen Frauen wie Grace Kelly, Audrey Hepburn, Marilyn Monroe, Marlene Dietrich. Der „Twist“ ist 2017. Wir können nicht immer nur im Retro leben, wir müssen auch mit der Zeit gehen. Der Twist kommt jedes Jahr aufs Neue – in diesem Jahr ist es Hippie: leuchtende Farben, aufwendige Drucke, diese Lebendigkeit in der Mode. Wir waren lange immer nur taupe und grau unterwegs. Und mit 2017 kommt das knallige Rot zurück – „Code Rouge“ ist das Thema. Rot ist wieder da!

Man liest immer wieder, Sie wären ein „Schwarz-Hasser“. Was ist da dran?

Das stimmt. Ich würde mal behaupten, von der gesamten Kollektion ist vielleicht ein Prozent schwarz. Wir sind die „Dunkelblau-Firma“. Dunkelblau ist unser Schwarz. Und diesen Tipp bekomme ich immer wieder als Lob von den Frauen zurück: In Dunkelblau wirkt frau gleich viel weicher und jünger als in Schwarz. Schwarz ist sehr hart, Dunkelblau aber unheimlich edel.

Der Fashion-Fauxpas schlechthin?

Ich kann schwarze blickdichte Strumpfhosen nicht leiden. Das machen viele Frauen verkehrt: Sie denken, schwarze blickdichte Strümpfe machen das Bein schlanker – Trugschluss. Zu einem Kleid sollte etwas Schöneres kombiniert werden. Der Trick von Tänzerinnen und Eisläuferinnen: über einem normalen Strumpf einen dunklen Netzstrumpf tragen – das macht immer noch ein schlankeres Bein.

Sie stehen vor allem für unkonventionell, nicht immer „German-like“ – was heißt das und wie lässt sich ein alltägliches Outfit „pimpen“?

Wir müssen modemutiger sein. „German“ bedeutet, dass wir nicht genug Selbstbewusstsein haben, was unsere Optik angeht. Die Welt ist offen, international, wir können auch mal nach links und rechts gucken. Leider stylen wir uns zu oft wie graue Mäuse. Aber mit der Blogger-Generation passiert gerade etwas Neues, ein Aufblühen der Mode: Elegant wird mit sportiv kombiniert. Mode wird unkonventioneller. Das Wichtigste beim Outfit ist der Sneaker, um Sportlichkeit reinzubringen. Ein toller Hosenanzug wirkt mit Sneakers gleich viel moderner als mit Pumps und ist im Jetzt angekommen. Wichtigstes Accessoire: die Kopfbedeckung – der Hut. Er rundet das Outfit erst richtig ab. Bei einem Outfit zählt das „Oben“ und das „Unten“. Dazwischen geht fast alles!

Thomas Rath in schwarz weiß
Thomas Rath
  • Person: Thomas Rath ist am 30. Dezember 1966 in Köln geboren und pendelt heute zwischen seinen zwei Wohnsitzen in Düsseldorf und Port d‘Andratx auf Mallorca.
  • Vita: Nach seiner Zeit als Trainee und Jungdesigner bei Basler Fashion ist Rath bei Windsor, Jil Sander, Mulberry und Escada als Designer tätig. 2009 arbeitet er für Zucchero und lebt selbst lange in Italien. Sein eigenes Modelabel „Thomas Rath“ gründet der Unternehmer 2010. Seine „Fashion Rath“-Bücher für die Frau und den Mann veröffentlicht er 2013.
  • Mode: Hauptsitz des Unternehmens ist Düsseldorf. Seine hochwertigste Modelinie, die „Semi Couture“, lässt Thomas Rath ausschließlich in Italien produzieren. Seine Designerstücke verkauft er in sieben Ländern in 170 Stores, zum Beispiel bei Breuninger in der Königsallee. Seine Kollektion „THOM by Thomas Rath“ – eine sportivere, jüngere Linie – vertreibt er exklusiv über QVC.
  • Beauty: Zusammen mit dem Lizenzpartner Klapp Cosmetics entwickelt der Unternehmer 2016 eine eigene Anti-Aging-Pflegelinie, die „TR Skin Couture“. Eine dekorative Kosmetiklinie folgt im Sommer 2017. Die Produktpalette reicht von Make-up und Foundations bis hin zu Lidschatten und Lippenstiften – passend zur Linie „THOM by Thomas Rath“.