02. Januar 2017

Isabell Werth
Karriere mit Pferd

Sie ist die erfolgreichste Dressurreiterin aller Zeiten, ihre Pferde Satchmo und Gigolo sind Legenden: Isabell Werth. Im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin spricht sie über ihre Familie, Pferde, Erfolge und was sie antreibt.

Wie wird man zur erfolgreichsten Dressurreiterin aller Zeiten? Gibt es da einen langfristigen Masterplan? Und wie schafft man es, mit gerade einmal 47 Jahren bereits 25 Jahre an der Weltspitze zu stehen? „Glückliche Fügung“, sagt Isabell Werth. Denn ihr Weg in den Spitzensport war keinesfalls vorgezeichnet.

Video des Interviews mit Isabell Werth

Im exklusiven Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin spricht Isabell Werth über ihre Erfolge, ihre Pferde und was sie antreibt.

Das Reiten ist seit Kindertagen Isabell Werths große Leidenschaft: Aufgewachsen auf dem elterlichen Bauernhof, drehte die gerade mal Fünfjährige ihre ersten Runden auf Ponystute Illa, auf Pony Funny gelangen die ersten Turniererfolge. Von Dressur keine Spur, ihre Liebe gehörte dem Spring- und Vielseitigkeitsreiten. Bis Silvester 1986, als der Rheinberger Nachbar, Manager und Dressurexperte Dr. Uwe Schulten-Baumer der 17-jährigen Isabell anbietet, einige seiner Pferde zu reiten. Da war sie, die glückliche Fügung. Der Rest ist Reitsportgeschichte: Mit allen Pferden von Schulten-Baumer, allen voran Gigolo, feierte Isabell Werth Erfolge. Aber Glück allein macht noch keine Weltkarriere.

Erfolgsrezepte einer Olympionikin

Dazu braucht man eben auch Disziplin, Fleiß und eine große Portion Durchhaltevermögen – Charaktereigenschaften, die Isabell Werth zeitlebens unter Beweis gestellt hat. Sie geht „nebenher“ zur Schule, macht ihr Abitur und schließt ihr Jurastudium in Bochum mit dem Zweiten Staatsexamen ab – trotz täglichem Training, vielen Turnierreisen und einem übervollen Terminkalender. „Der ist auch heute noch prall gefüllt“, so die Rheinländerin. Ihre turnierfreien Wochenenden sehen deshalb nicht wirklich anders aus als normale Arbeitstage. „Außer dass die Arbeitszeit extrem verkürzt ist.“ Gerade am Sonntag. „Da reiten wir wirklich nur die wichtigsten Pferde, die auf ein Turnier vorbereitet werden.“ Also nur zwei bis drei statt sieben oder acht.

Unterwegs mit Pferdestärken

Isabell Werths Gold- und Silbermedaille aus Rio.
Isabell Werth hat bei fünf Olympischen Spielen insgesamt zehn Gold- und Silbermedaillen gewonnen.

Wer so viel auf Reisen ist, verbringt auch viel Zeit im Auto. Für ein Mädchen vom Bauernhof bedeutet das auch ein Stückchen Freiheit. „Mofa fahren über die dunklen Landschaften und durch die verlassene Bauernschaft? Ist nicht, hat Papa gesagt“, erinnert sich Werth an die Mobilitätsherausforderungen ihrer Jugend. Und so hat sich Autofahren zu einer Leidenschaft entwickelt: „Mit 70.000 bis 80.000 Kilometern im Jahr bin ich dabei.“ Das Auto ist dabei nicht nur Transportmittel, sondern auch ein bisschen Arbeitsplatz, wo man auf längeren Turnierfahrten in Ruhe die Telefonlisten abarbeiten kann – aber auch ein klein wenig Zuhause und Ruhezone. Und Raum für Ideen. „Ich überlege zum Beispiel, welche Musik zu welchen Pferden passt, und habe viele Kürmusiken im Auto angefangen zu hören ... und lautstark mitgesungen.“ Bei aller Leidenschaft für ihren Mercedes-Benz GLE steht für Isabell Werth, die Pragmatikerin, aber die Gebrauchsfähigkeit des Autos im Vordergrund. Der Fahrspaß, so verrät sie, darf allerdings nicht zu kurz kommen. Und zügig soll es auch vorangehen. Das hat man schon bei ihrer kometenhaften Karriere gesehen. Die soll noch lange nicht zu Ende sein.

Projekt „Weltpferd“

So lange wie möglich im internationalen Spitzensport etabliert zu sein – das ist Isabell Werths erklärtes Ziel. Mit weniger Turnieren, weniger Reisen, aber dafür mehr Zeit für die Dinge, die ihr noch mehr am Herzen liegen: die Familie und das Training ihrer Pferde. Denn vielleicht wird irgendwann aus der Vision Realität, wenn aus einem spannenden und vielversprechenden Pferd ein „Weltpferd“ wird. Vielleicht ist es die Oldenburger Stute „Weihegold“, die für die letzten Olympischen Spiele eigentlich nur Pferd Nummer drei war. Schon jetzt, erklärt Werth, ist die Trefferquote bei der Ausbildung der Pferde gut. Und genau dafür lebt die erfolgreichste Dressurreiterin aller Zeiten. Für die Momente, in denen sie denkt: Das kann was werden. „Davon habe ich schon einige gehabt und das waren hoffentlich nicht die letzten.“

Isabell Werth mit ihrem Mercedes-Benz Pkw vor Stallungen
Immer unterwegs: Vielfahrerin Isabell Werth vertraut auf Mercedes-Benz.
Isabell Werth zeigt ihre Gold- und Silbermedaille aus Rio.
Isabell Werth
  • Geboren
    21. Juli 1969 in Sevelen (Rheinland), aufgewachsen in Rheinberg
  • Schule und Studium
    Abitur am Amplonius-Gymnasium Rheinberg, Jurastudium in Bochum (Zweites Staatsexamen)
  • Berufliche Laufbahn
    Arbeit als Anwältin, danach Sponsoring-Beauftragte bei der Karstadt Warenhaus AG; seit 2004 selbstständig mit eigenem Turnier- und Ausbildungsstall in Rheinberg
  • Sportliche Laufbahn
    Anfänge im Spring- und Vielseitigkeitsreiten, 1986 bis 2001 Zusammenarbeit mit Dressurexperte Dr. Uwe Schulten-Baumer
  • Erfolge/Siege
    Teilnahme an 5 Olympischen Spielen (6 x Gold, 4 x Silber, zuletzt 2016 Mannschafts-Gold und Einzel-Silber), 7 Weltmeistertitel, 14-fache Europameisterin, 12-fache Deutsche Meisterin
  • Engagement
    Seit Januar 2006 Botschafterin der Christoffel-Blindenmission