28. Oktober 2016
Sport | Nürnberg

Der Wellenritt seines Lebens

Sebastian Steudtner zählt zu den besten Big-Wave-Surfern der Welt. Mit Hartnäckigkeit, Mut und Leidenschaft hat er seinen Traum verwirklicht. Ein Traum, der riskant ist, Geduld erfordert und ihm grenzenlose Freiheit schenkt – wenn er mit atemberaubender Geschwindigkeit auf über 20 Meter hohen Wellen reitet.

Die Strände sind verwaist. Die sonnenhungrigen Urlauber sind längst abgereist. Draußen peitschen Sturmböen das Meer auf. Mit einer gewaltigen Kraft rollen die riesigen Wellen aufs Land zu. Überschwemmen den Strand und die Klippen. Aber nicht alle haben dem Sturm den Rücken gekehrt. Wer genau hinsieht, erkennt sie, diese winzig kleinen Menschen, die auf gigantischen Wellen reiten: die Big-Wave-Surfer. Einer von ihnen ist Sebastian Steudtner. Der Nürnberger hat sich ein besonderes Ziel gesetzt: Er will den Weltrekord. Und wenn sich Steudtner etwas vornimmt, dann zieht er es auch durch. Mit neun Jahren steht er das erste Mal im Urlaub auf einem Bodyboard. Mit 13 Jahren beschließt er, Surfprofi zu werden. Drei Jahre später bricht er die Schule ab und zieht von Nürnberg nach Hawaii. Als Bauarbeiter finanziert er sich das Surfen. „Ich musste für meinen Traum kämpfen, aber aufgeben war nie eine Option.“

Big-Wave-Surfer Sebastian Steudtner
„Ich bin kein Adrenalinjunkie. Hinter dem, was ich tue, steht hartes Training und Können“, sagt Big-Wave-Surfer Sebastian Steudtner.

In seinem Element

Noch immer gibt er jeden Tag sein Bestes, trainiert stundenlang Kraft und Ausdauer. Alles andere wäre leichtsinnig und riskant. Die Wellen, die Steudtner surft, sind über 20 Meter hoch und bis zu 80 km/h schnell. 500.000 Tonnen Wasser schieben ihn an. Angst empfindet er nicht. „Ich konzentriere mich auf die Welle. Auf den Punkt, an dem sie bricht, welche Linie ich in die Welle einfahren muss. Ich fokussiere mich auf das, was ich schaffen möchte.“ Im Wasser fühlt er sich frei. Die Kraft der Natur, die Urgewalt und die Weite des Meeres, aber auch dass er für wenige Augenblicke ein Teil davon ist, faszinieren ihn. „Ich liebe es, Surfer zu sein. Überall auf der Welt habe ich wundervolle Freundschaften geschlossen und beeindruckende Kulturen kennengelernt.“

Gerade ist Steudtner in Portugal auf der Suche nach den besten Wellen. „Perfekt sind sie nie. Das macht auch die Faszination des Wellenreitens aus. Man ist immer auf der Jagd nach dem ultimativen Brecher und wenn du ihn gesurft hast, dann willst du mehr.“ Warten, suchen und jagen gehört für Big-Wave-Surfer zum Alltag. Ihre Wetter-Apps und die Vorhersagen der Meteorologen haben sie ständig im Blick, um ja keine Sturmfront zu verpassen. Vor knapp zwei Jahren war der Ausnahmesportler genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort: in Nazaré, einem kleinen Fischerort an der portugiesischen Atlantikküste. Fast 22 Meter hoch war die Welle, auf der Steudtner ritt. Keinem anderen Surfer gelang es in diesem Jahr, diese Marke zu übertreffen. 2015 gewann er damit zum zweiten Mal bei den Big Wave Awards in der Kategorie „Biggest Wave“.

Ein Jetski begleitet Surfer Sebastian Steudtner
Sind die Wellen zu hoch, können Surfer sie nicht mehr anpaddeln. Jetskis ziehen sie in die Brecher hinein.

Peitschende Winde, unberechenbare Brecher

Noch bis Ende des Jahres bleibt Steudtner in Portugal. Anschließend geht es nach Hawaii, Irland, Indonesien, Chile und Tahiti. „Ich bleibe nie länger als zwei bis drei Monate an einem Ort, dann zieht es mich weiter – immer dahin, wo es die höchsten Wellen gibt.“ Besonders anspruchsvoll ist das Surfen in Irland und Portugal. Die Stürme kommen nah an die Küste, die Winde peitschen über die See. „Außerdem brechen die Wellen an vielen unterschiedlichen Spots, das macht sie unberechenbar.“ Dafür sind sie hier aber auch besonders hoch – nahezu perfekt für Steudtners Ziel. „Der Weltrekord liegt bei knapp 24 Metern. Diese oder nächste Saison will ich ihn knacken. Man muss gut vorbereitet sein und ein tolles Team haben, damit das gelingt. Denn eines ist sicher: Die Wellen kommen.“

Surfer Sebastian Steudtner fährt Mercedes-Benz
Profi-Surfer Sebastian Steudtner fährt Mercedes-Benz. Erst kürzlich holte er seinen neuen GLE in der Niederlassung Nürnberg ab.
Big-Wave-Surfer Sebastian Steudtner
Sebastian Steudtner
  • Geboren:

    4. Mai 1985

  • Vita:

    Er wächst in Nürnberg auf. Schon früh entdeckt er seine Leidenschaft fürs Wasser. 2001 geht er auf die hawaiianische Insel Maui und startet seine Karriere zunächst als Windsurfer ehe er sich dem Big-Wave-Surfen verschreibt.

  • Engagement:

    Steudtner ist Botschafter der Laureus Sport for Good Stiftung. Mit seinem Projekt „Wir machen Welle“ hilft er sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen dabei, durch das Surfen Selbstbewusstsein zu entwickeln und zu lernen, wie gut Erfolg sich anfühlen kann.

  • Website:

    www.sebastiansteudtner.de