09. Juli 2018
Sport | Bremen

Kampfsport:
Fitnesstraining par excellence

Wer eine Technik zur Selbstverteidigung erlernt, trainiert nicht nur sein Selbstbewusstsein, sondern auch Ausdauer, Kraft, Koordination und Konzentration. Nils Thate, Experte für Kampfsport, verrät uns, welchen Fitnessfaktor WingTsun und Escrima bereithalten und wie das Training sein Leben verändert hat.

Zuerst war es Kung-Fu, dann kamen Boxen und Karate. „Ich habe vieles ausprobiert“, sagt Kampfsportler Nils Thate. „Aber ich wollte etwas lernen, mit dem ich im Ernstfall auch wirklich was ausrichten kann, und so landete ich bei WingTsun und Escrima.“ Thate ist mittlerweile Meister auf seinem Gebiet: Er bildete bei der Bereitschaftspolizei Bremen Beamte aus, war als Personenschützer tätig und als Berater in Sicherheitsfragen bei der Bremer Justiz. 2002 gründete er die Organisation für effektive Selbstverteidigung (OFES) – so heißt seine Kampfsportschule.

Universelles Training

Der Kampfsport habe sein Leben verändert, erzählt Thate: „Ich bin generell ruhiger und entspannter geworden, und das gilt für alle Lebensbereiche. Ich lebe im Hier und Jetzt.“ Durch das Training habe er gelernt, Menschen durch wenige Blicke einschätzen zu können. „Man wird aufmerksamer für sich und seine Umgebung, Wahrnehmung und Achtsamkeit werden gestärkt. Ebenso die Fähigkeit, sich zu konzentrieren.“ Dabei geht es nicht nur um das Thema Selbstverteidigung, sondern vielmehr um die Aspekte Fitness und Gesundheit. Kampfsportarten wie WingTsun und Escrima haben hier einiges zu bieten: „Dadurch, dass man die ganze Zeit in Bewegung ist, wird die Ausdauer trainiert. Das Beste daran: Man merkt gar nicht, wie sehr man sich auspowert, weil man sich so auf die Technik fokussiert.“ Auch ein spezielles Kraft- und Konditionstraining ist fester Bestandteil der Kurse in seiner Schule.

Fitnesstraining durch Seilspringen
Seilspringen ist bestes Fitnesstraining für Kampfsportarten.
Nils Thate, Kampfsport- und Fitnesstraining-Experte, in seiner Schule
„Kampfsporttraining macht einen aufmerksamer für sich und seine Umgebung“, so Nils Thate.

Kampfsport trainiert das Selbstbewusstsein

Wer in seine Schule kommt? „Das ist völlig gemischt“, sagt Thate. Denn Kampfsport sei im Prinzip für jeden geeignet: „Mein jüngster Kursteilnehmer ist 5 und die älteste 86.“ Unter seinen Schülern seien aber auch viele Manager, die sich seit dem Selbstverteidigungs-Training in Jobgesprächen viel entspannter fühlten. „Sie berichten mir davon, dass sie Augenkontakt länger standhalten können oder aufrechter sitzen. Sie fühlen sich insgesamt besser, seit sie trainieren, und verfügen über eine viel bessere Fitness.“ Selbstbewusstsein und auch geistige Flexibilität werden durch WingTsun und Escrima gefördert: „Und man lernt, wieder mehr auf sein Bauchgefühl zu hören.“ Das wäre schließlich in vielen Bereichen des Lebens wichtig – auch bei beruflichen Entscheidungen.

Kampfsporttrainer Nils Thate
Kampfsport ist für nahezu alle Altersgruppen geeignet.

Kampfkunst: Immer handlungsfähig bleiben

Insbesondere für Ernstfälle gilt: „Angst ist ein ganz natürliches Gefühl, das uns das Leben retten kann. Wir bringen den Teilnehmern daher zum Beispiel bei, wie man sich in unangenehmen Situationen durch die Atmung selbst beruhigen kann, damit man handlungsfähig bleibt.“ Oberste Prämisse sei immer die Deeskalation, sich wenn möglich aus der Situation herauszubegeben, zum Beispiel durch Weglaufen. „So macht die Klugheit aus uns allen Feiglinge“ – das ist eines von Thates Lieblingssprichwörtern. „Kommt es dann doch zum Ernstfall, hat man die erlernten Verteidigungstechniken durch das regelmäßige Training automatisiert.“ Die Chance, dass es dazu komme, werde durch das Training allerdings geringer – „auch das liegt am selbstbewussteren Auftreten.“

Zwei Disziplinen für Körper und Geist

Was ist WingTsun?

Fließende Bewegungen und eine plötzliche Schnelligkeit, die zu einer kraftvollen Einheit verschmelzen – das sind die Markenzeichen der chinesischen Kampfkunst WingTsun, was sich mit „schöner Frühling“ übersetzen lässt. Der Legende nach wurde sie von einer Frau erfunden, um sich gegen einen körperlich stärkeren Angreifer zur Wehr setzen zu können. Dies gelingt, indem man die Kraft des Angreifers nutzt und sie gegen ihn lenkt. Das Geheimnis des Erfolges liegt hier beim taktilen Reflextraining, das Körper und Geist gleichermaßen fördert.

Was ist Escrima?

Diese Kampfkunst stammt von den Philippinen und lässt sich mit „kleines Gefecht“ übersetzen. Der Fokus liegt darauf, die Selbstverteidigung mit und gegen Waffen zu schulen. Statt Waffen kommen im Training kurze Übungsstöcke zum Einsatz. Escrima fördert die Stresskontrolle, Fitness und Beweglichkeit und hilft, potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen. Auch hier ist die Vermeidung jeglicher körperlicher Auseinandersetzung oberstes Ziel.