14. Oktober 2016
Sport | Köln/Leverkusen

Medaillen fürs Rheinland

Im Interview zieht Michael Scharf, Leiter des Olympiastützpunkts (OSP) Rheinland, Bilanz der Wettkämpfe in Rio und spricht über Überraschungen und Enttäuschungen der rheinischen Athleten.

Herr Scharf, wie fällt Ihr Resümee von Rio 2016 aus?

Gemischt, aber letztlich positiv. Immerhin hat der OSP Rheinland knapp ein Viertel der deutschen Medaillen erkämpft. Die Goldmedaille von Fabian Hambüchen am Reck war herausragend. Dass er seine Karriere bei seinen letzten großen Wettkämpfen krönen konnte, ist eine wunderbare Geschichte für unseren Kölner Sportstudenten. Auch über die Bronzemedaillen unserer Hockey-Damen und -Herren habe ich mich sehr gefreut. Letztlich sind 28 unserer 62 Sportler aus dem Rheinland mit Edelmetall aus Rio zurückgekehrt. Insgesamt können wir daher zufrieden sein.

Neben diesen Höhen gab es aber auch Tiefen …

Das ist richtig. Lena Schöneborn im Modernen Fünfkampf oder auch Karl-Richard Frey im Judo hätten wir mindestens eine Medaille zugetraut. Gleiches gilt für Aline Focken im Ringen. Auch andere Athleten sind unter ihren Möglichkeiten geblieben.

Als ehemaliger Fünfkämpfer muss Sie das unglückliche Abschneiden von Lena Schöneborn besonders mitgenommen haben …

Ja, natürlich. Vor allem, weil sie nach dem Fechten noch auf Medaillenkurs war. Ich weiß ja genau, wie viel Energie Lena und auch unsere anderen Sportler in die Vorbereitungen für diesen Höhepunkt stecken. Und dann bekommt sie im Wettkampf ein Pferd zugelost, mit dem sie überhaupt nicht zurechtkommt. Das war schon bitter. Ein wenig getröstet hat die tolle Leistung von Annika Schleu auf dem fünften Platz.

OSP-Leiter Michael Scharf spricht über den Leistungssport im Rheinland.
Getröstet haben dann ja auch die tollen Ergebnisse der Sportler mit Behinderungen …

Ja, das stimmt. Unsere paralympischen Sportler und auch das ganze Event haben uns mit Rio versöhnt. Es herrschten tolle Rahmenbedingungen für die Athleten, die Stadien waren gut besucht und die Stimmung war spitze – man spürte den olympischen Geist. Und dann bringen wir Rheinländer auch noch 20 von insgesamt 57 Medaillen nach Hause. Besonders gefreut hat mich die Goldmedaille der 4 x 100 Meter Staffel der Herren von Bayer 04 Leverkusen. Wie die zwei erfahrenen Leichtathleten Markus Rehm und David Behre zusammen mit den jungen Wilden Johannes Floors und Felix Streng das Ding nach Hause geholt haben, war große Klasse.

Wie geht es nun weiter mit dem OSP?

Wir werden die Ergebnisse aus Rio jetzt genau analysieren, um zu schauen, in welchen Bereichen wir uns noch verbessern können. Ich denke zum Beispiel an die Ernährungsberatung oder an die psychologische Betreuung. Hier können wir unsere Strukturen sicher noch weiter professionalisieren. In einigen Disziplinen konnte man zudem erkennen, dass unsere Sportler nicht über dieselbe Athletik verfügen wie andere Nationen. Auch in diesem Bereich können wir uns noch weiterentwickeln. Wie dies von statten gehen kann, muss nun diskutiert werden. Ein Aspekt ist sicher die Förderung von dualen Karrieren. Das erfordert eine enge Zusammenarbeit mit den Unternehmen. Deswegen freue ich mich über die neue Kooperation mit der Mercedes-Benz Niederlassung Köln/Leverkusen.

Mercedes-Benz Köln/Leverkusen und der Olympiastützpunkt Rheinland haben eine Kooperation vereinbart.
Matthias Hindemith, Mercedes-Benz Vertriebsdirektor, freut sich mit Michael Scharf, Victoria von Eynatten und Robert Polkowski (v. r.) über die kommende Zusammenarbeit. Die Stabhochspringerin und der Sprinter waren aufgrund von Verletzungen in Rio nicht dabei (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 9,3 - 7,8 l/100 km, CO2-Emissionen kombiniert: 218 - 1789 g/km).
Sportlern bietet der OSP Rheinland beste Bedingungen für Erfolg.
Olympiastützpunkt Rheinland
  • Netzabdeckung:

    Der OSP Rheinland ist einer von insgesamt 19 Olympiastützpunkten in Deutschland. Das Gebiet reicht von Bonn bis Neuss und von Aachen bis Gummersbach.

  • Artenvielfalt :

    Der OSP Rheinland fördert 14 Schwerpunktsportarten, darunter Eishockey als einzige Wintersportart sowie sechs Sportarten für Menschen mit Behinderungen.

  • Erfolgsgarant:

    In Rio 2016 konnten Athletinnen und Athleten des OSP Rheinland in zehn Disziplinen Medaillen erringen. Gold gab es für Fabian Hambüchen (Kunstturnen/Reck), Max Hoff (Kanurennsport/K4 1.000 m) und Annike Krahn (Frauen-Fußball).

  • Geschäftsführung:

    Michael Scharf leitet den OSP Rheinland seit 2004. Daneben ist der 55-Jährige Vorsitzender des Stadtsportbundes Bonn sowie seit diesem Jahr auch Präsident des Deutschen Verbandes für Modernen Fünfkampf (DVMF) – die Disziplin, in der er 1987 deutscher Meister war.

  • Partnerschaft:

    Seit 1. August 2016 sind der OSP Rheinland und Mercedes-Benz Köln/Leverkusen Kooperationspartner. Von der Zusammenarbeit sollen auch die Kunden der Niederlassung profitieren – zum Beispiel durch exklusive Events.

Fotos: © Jens Pussel