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Sport | Ulm/Schwäbisch Gmünd - 04. Juli 2019

Traum Mille Miglia

Von Brescia nach Rom und wieder zurück – die Klassik-Rallye Mille Miglia ist Kult. Beim vermutlich berühmtesten Oldtimer-Rennen der Welt mit am Start zu sein bleibt für viele ein Traum. Marcello und Johannes Danieli aus Ulm haben es trotzdem geschafft und waren mit einem Mercedes-Benz Ponton dabei.

Als Marcello Danieli das Foto sah, war ihm klar: Jetzt gibt es kein Zurück mehr. In diesem Jahr würden er und sein Sohn Johannes endlich beim berühmtesten Oldtimer-Rennen der Welt dabei sein. Das Foto, das der Geschäftsführer von Harder Logistics in Neu-Ulm von Mercedes-Benz Classic bekommen hatte, stammte aus dem Jahr 1956. Für die meisten wird es nicht mehr als ein spannendes Zeitdokument sein. Für Marcello Danieli war es ein Wink des Schicksals. Auf dem Schwarz-Weiß-Foto sieht man Menschen, die dicht gedrängt an einer Kreuzung stehen. Sie haben Regenschirme aufgespannt und schauen zu einer dunklen Limousine, auf deren Fahrertür groß die Startnummer 509 prangt. Hinter dem Fahrzeug – es ist ein Mercedes-Benz 220 a der Baureihe W 180 – sieht man zwei Straßenschilder: Links geht es nach Viterbo und rechts nach Terni.

Einmal das Juwel erleben

Terni, die Stadt im italienischen Umbrien, hat für die Danielis eine ganz besondere Bedeutung: Es ist die Heimatstadt von Marcellos Vater und einiger Verwandter, die dort leben. Dass die Route der Mille Miglia 2019 ausgerechnet durch Terni führen würde, war für den Ulmer das „finale Element“, wie er sagt. Den Traum, einmal im Leben die Mille Miglia zu erleben, hatte er schon lange. „Ich habe vor circa 15 Jahren damit angefangen, mich mit automobilen Klassikern zu beschäftigen“, erzählt Danieli, der Kunde der Mercedes-Benz Niederlassung Ulm/Schwäbisch Gmünd ist. Achtmal hat er an der Donau Masters Rallye von Ulm nach Budapest teilgenommen. „Aber irgendwann kommt der Punkt, da möchte man das Juwel der Oldtimer-Rallyes einmal miterleben, und das ist die Mille Miglia“, so der 57-Jährige. Da gibt es nur ein kleines Problem. Einen Startplatz für die „Mille“ zu bekommen – das ist beinahe unmöglich.

Zwei glückliche Teilnehmer der Mille Biglia - Johannes und Marcello Danieli
Für Vater und Sohn ging ein Traum in Erfüllung: Johannes (l.) und Marcello Danieli auf der Mille Miglia.

Schaulaufen der Promis

„La corsa piú bella del mondo“ – das schönste Rennen der Welt, wie es von seinen Fans genannt wird, lockt jedes Jahr im Mai Hunderttausende von Schaulustigen nach Italien. Die Rallye ist ein Schaulaufen einmaliger historischer Fahrzeuge und ihrer prominenten Fahrer und Beifahrer. Unter den rund 400 zugelassenen Teams finden sich ehemalige Rennfahrer, Schauspieler und Modegurus – und Autoverrückte wie Marcello und Johannes Danieli. Das Wichtigste, um an der „Mille“ teilnehmen zu können, ist natürlich ein passendes Fahrzeug. Passend meint in diesem Fall, es muss ein Fahrzeugtyp sein, der bei der historischen Mille Miglia, die zwischen 1927 und 1957 ausgetragen wurde, teilgenommen hat. Wer sich für die Fahrzeuglisten interessiert, findet sie auf der Website des Veranstalters.

„Wie kommt man an ein Fahrzeug, das Mille-Miglia-fähig ist? Das ist gar nicht so einfach“, weiß Autoliebhaber Marcello. Aber dann wurden er und Sohn Johannes doch fündig: Die beiden machten in Deutschland einen gut erhaltenen Mercedes-Benz 220 a, Baujahr 1956, ausfindig. Der Mercedes-Benz W 180 war mit seinem Sechszylindermotor in den Jahren 1954 bis 1959 ein Modell der Oberklasse. Bei der Mille Miglia 1956 starteten mehrere Mercedes-Benz 220 in der Klasse der serienmäßigen Spezialtourenwagen. Die Fahrzeuge wurden damals von der Sportabteilung von Mercedes-Benz mit einer Zweivergaseranlage, einer härteren Federung, einer Mittel- statt Lenkradschaltung und einem 100-Liter-Tank speziell für das Rennen aufbereitet.

15.05. – Mille Miglia 2019 – Photo Press, Challenge GmbH, Route Brescia-Milano Marittima. Mercedes-Benz 220 a.
Oberklasse mit Sportlerherz – die Danielis haben fürs Rennen auf die Radkappen und die Stoßstangen verzichtet. Der Sechszylinder leistet dank Fächerkrümmer mehr als die serienmäßigen 74 kW.

Mehr Power für den Ponton

Um den renntauglichen Aufbau der Limousine, mit der die Danielis an den Start gehen wollten, kümmerte sich vor allem Sohn Johannes. Gemeinsam mit anderen Klassiker-Enthusiasten nahm er den Wagen komplett auseinander. Die Karosserie und die Antriebseinheit wurden trockeneisgestrahlt, sämtliche Einzelteile aufgearbeitet oder – wenn noch verfügbar – erneuert. Sie bauten wie ihre Vorgänger im Jahr 1956 die Lenkradschaltung aus und ersetzten sie durch eine Handschaltung, verlegten den Auspuff und montierten einen Fächerkrümmer für mehr Power. Damit die auch auf die Straße kommt, wurde auch noch die Hinterachse getauscht: „In der Lombardei auf den langen Geraden entlang der Reisfelder brauchst du einfach Speed.“

Die rund 1.600 Kilometer von Brescia nach Rom und zurück sind eine harte Prüfung für Fahrer und Fahrzeuge. Um die Standfestigkeit ihres „Dickschiffs“, wie sie ihren Ponton liebevoll nennen, zu prüfen, nahmen sie im Vorfeld an einer anderen Oldtimer-Rallye teil. Johannes Danieli jagte den 220 a sicherheitshalber auch mal 700 Kilometer über die Autobahn zu einen Kundentermin. Alles kein Problem, der Ponton war startklar.

Ein Mercedes-Benz 220 Ponton bei der historischen Mille Miglia in den 1950er Jahren.
Ein Mercedes-Benz 220 Ponton bei der historischen Mille Miglia in den 1950er-Jahren. Das Foto hat den Danielis den letzten Anstoß gegeben, an der Klassik-Rallye teilzunehmen.

15 Stunden am Steuer

Etwa neun Monate baute Johannes Danieli am Mercedes-Benz Ponton. Mindestens genauso herausfordernd war die Aufgabe, die sich Vater Marcello gestellt hatte: Er wollte sich um eine Startberechtigung kümmern. Aber gab es da nicht diesen Onkel in Terni? Der wiederum jemanden kannte, der schon mal die Mille Miglia gefahren war, und der wiederum jemanden kannte und so weiter. Um es kurz zu machen, das Unmögliche gelang. Aber wirklich glauben konnten es die Danielis erst, als sie mit ihrem neuen Liebling über die Startrampe in Brescia rollten.

„Ich glaube, es hat dann noch hundert Kilometer gebraucht, bis ich realisiert habe, dass wir wirklich dabei sind“, erklärt der Logistiker, „erst dann bin ich in den Flow gekommen.“ Vom Rennen ist den beiden vor allem die unglaubliche Atmosphäre in Erinnerung geblieben, begeisterte Menschen entlang der Straßen und in den Dörfern und Städten. Während der vier Tagesetappen wechselten sich Vater und Sohn ab, was mehr als sinnvoll ist. Das Programm ist anspruchsvoll. Auf den rund 1.600 Kilometern müssen mehr als 120 Wertungsprüfungen abgelegt werden. Besonders die Renntage zwei und drei gehen mit Etappen von bis zu 15 Stunden an die Substanz.

20 Minuten für Wein und Prosciutto

Vater und Sohn haben das Rennen gemeistert, ohne Panne, jedoch mit einem kleinen Auffahrunfall in einem Kreisel. „Erst dadurch wurde die Mille zur Mille“, findet Marcello Danieli. Ein wirkliches Problem war der Crash nicht. In der Nacht danach wurde der Schaden vom Mercedes-Benz Classic-Team behoben. „Was die Leute leisten, ist einfach unglaublich“, so der Ulmer, „da war eine Kompetenz am Werk, wie ich es noch nie erlebt habe.“

Also Ende gut, alles gut. Aber war da nicht noch etwas mit einem schönen Städtchen in Umbrien? In Terni wurden Vater und Sohn von Freunden und Verwandten enthusiastisch begrüßt – mit Wein und Grappa, Schinken, Käse, Salchicha und mehr. Immerhin 20 Minuten konnte das Duo bis zur nächsten Zeitwertung herausfahren. Zeit genug für einen kleinen Familienplausch und Prosciutto. „Es war nur kurz, aber wir hatten eine Riesenfreude dabei“, sagt Marcello Danieli.

17.05. – Mille Miglia 2019 – Photo Press, Challenge GmbH, Route Rom-Bologna
Historische Städte wie Siena, legendäre Fahrzeuge und automobile Leidenschaft machen den einmaligen Reiz der Mille Miglia aus.
Die Danielis mit ihrem Mercedes-Benz 220 a Ponton am Ende des ersten Renntags.
Mille Miglia 2013, Mercedes-Benz 300 SL Coupé (W 198, 1954 bis 1957). Mille Miglia 2013, Mercedes-Benz 300 SL Coupé (W 198, 1954 to 1957).
  • Die Strecke

    Auch wenn sich die Streckenführung jedes Jahr etwas verändert: Die Mille Miglia startet immer in Brescia, führt nach Rom und wieder zurück nach Brescia.

  • Die Fahrzeuge

    An der Mille Miglia dürfen nur Fahrzeugtypen teilnehmen, die auch bei der originalen Mille Miglia zwischen 1927 und 1957 mit dabei waren.

  • Die Teilnehmer

    Von den rund 1.500 Bewerbungen, die jedes Jahr beim Auswahlkomitee der Mille Miglia eingehen, werden nur rund 400 Teams zugelassen. Davon sind nur 250 freie Startplätze, die anderen belegen die Teams der Sponsoren.

  • Die ursprüngliche Mille Miglia

    Seit ihrer Gründung im Jahr 1927 bis zu ihrem tragischen Ende 1957 war die Mille Miglia eines der berühmtesten Autorennen der Welt. Der Rundkurs von Brescia nach Rom und zurück nach Brescia wurde am Stück gefahren. Mercedes-Benz ist von Beginn an eng mit dem berühmtesten Straßenrennen der Welt verbunden. Die Siege von Rudolf Caracciola/Wilhelm Sebastian auf Mercedes-Benz SSKL (1931) und Stirling Moss/Denis Jenkinson auf Mercedes-Benz 300 SLR (W 196 S, 1955) sind Sternstunden in der Rennsport-Tradition des Konzerns.