15. November 2016
Sport | Nürnberg

Über Beachbreaks, Shaper und Surfboards

Surfen ist ein Lebensgefühl. Und die Leidenschaft von Sebastian Steudtner. Der Big-Wave-Surfer reist um die Welt auf der Jagd nach den spektakulärsten Wellen. Im Gepäck: Green Warrior und Co.

Er hat mehr Surfbretter als die meisten Menschen Schuhe. Für jede Welle, für jedes Wetter hat Sebastian Steudtner ein anderes Brett. Allein für die Saison in Portugal sind es 30 Stück, jedes Jahr benutzt er bis zu 65. Sie alle werden speziell für den Big-Wave-Surfer entwickelt und gebaut. „In Australien habe ich drei Wochen lang intensiv mit einem Shaper zusammengearbeitet. Wir haben besprochen, welche Anforderungen ich habe und was ich brauche. Schließlich muss ich mich zu 100 Prozent auf mein Equipment verlassen können.“ Anschließend wurden die Surfbretter am Computer modelliert und dann produziert.

Surfer Sebastian Steudtner mit seinem Shaper
Von der Stange sind Sebastian Steudtners Surfbretter schon lange nicht mehr, aber er surft damit auch keine 08/15-Wellen. Ein Shaper baut seine Bretter speziell für ihn.

Die Bretter, die die Welt bedeuten

Green Warrior hieß eines seiner Lieblingsbretter. „Es war knallgrün und unverwüstlich. So kam es zu seinem Namen.“ Mittlerweile gibt es Green Warrior 1 bis 14. „Das Surfbrett hat mir extrem gut gefallen, deshalb vergebe ich den Namen nun immer wieder, der Einfachheit zuliebe auch gleich mehrmals.“ Weil die Bretter beim Big-Wave-Surfen extreme Kräfte und ein extremes Tempo aushalten müssen, sind sie länger und schwerer als normale Boards. „Sie müssen eben auch bei Geschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern und bei noch so rauer See ruhig auf dem Wasser liegen“, erklärt Steudtner. Derzeit ist der 31-jährige Nürnberger in Portugal und jagt Monsterwellen. Sein Ziel: den Weltrekord knacken. Vielleicht gelingt ihm das mit einem seiner Green Warriors.

Big-Wave-Surfer Sebastian Steudtner beim Surfen
Gewaltig: Bis zu 80 km/h schnell sind die Wellen, die Sebastian Steudtner surft. 500.000 Tonnen Wasser schieben ihn an.

Surf-ABC: von Aloha bis Wipe Out

Steudtner ist ein Extremsurfer: extreme Wellen, extreme Wetterbedingungen, extreme Gefühle. Surfen macht aber natürlich auch im „kleinen“ Stil Spaß. Wen einmal die Leidenschaft fürs Wellenreiten gepackt hat, den lässt sie meist nie mehr los. Surfen ist eben nicht nur eine Freizeitbeschäftigung, sondern ein Lebensgefühl. Für alle, die den Sport selbst einmal testen möchten oder zumindest mitreden wollen, gibt es hier schon einmal die wichtigsten Begriffe rund ums Surfen.

Aerial:

Der Aerial ist ein besonders anspruchsvolles Surfmanöver. Der Surfer springt so weit wie möglich aus der Welle hinaus, um kurz darauf in derselben Welle wieder zu landen. Für einen Aerial benötigt man Geschwindigkeit, Geschick und viel Übung.

Aloha:

Aloha ist hawaiianisch und wird meist mit „Liebe“ oder „Zuneigung“ übersetzt. In Hawaii wird es als Grußformel verwendet. Aloha wird auch oft als Gruß unter Surfern genutzt.

Angling:

Angling oder Angle Take-off bedeutet, dass der Surfer in eine ungebrochene Welle schräg hineinstartet und diese auch seitwärts abfährt.

Backside:

Der Surfer surft mit dem Rücken zur Wellenwand.

Beachbreak:

Ein Surfspot, an dem die Wellen auf einer Sandbank und damit auf einem gleichmäßigen und sanft abfallenden Strand brechen. Solche Surfspots eignen sich hervorragend für Anfänger.

Blank:

Der Blank ist der Schaumkern und damit sozusagen der Rohling eines Surfboards. Der Shaper verarbeitet diesen weiter.

Bodyboard:

Das Bodyboard ist ein kleines aus Schaumstoff bestehendes Brett. Man surft im Liegen oder auf den Knien auf dem Bodyboard. Der Surfer trägt in der Regel kurze harte Bodyboardflossen, um Geschwindigkeit zu machen.

Choppy:

Der Begriff bezeichnet stark aufgewühltes Wasser bzw. ungleichmäßig auftretende Wellen. Das Gegenteil ist „glassy“.

Drop:

Als Drop bezeichnet man den Augenblick, in dem man nach dem Take-off in eine Welle hineinfährt.

Duck Dive:

Unter Duck Dive versteht man eine Technik, mit der Surfer unter bereits gebrochenen Wellen hindurchtauchen können. Der Surfer drückt mit Fuß oder Knie das komplette Board unter Wasser, um hinter der Welle wieder aufzutauchen.

Finne:

Angebracht ist diese an der Unterseite des Surfbretts. Sie gibt dem Board Stabilität und erleichtert die Richtungskontrolle. Die ersten Surfboards hatten noch keine Finnen, sie wurden lediglich aus dem Stamm eines Baumes gefertigt.

Floater:

Ein Manöver, um den brechenden Teil der Welle zu durchfahren und so seinen Surfgang fortzusetzen. Der Surfer steuert den obersten Teil der sich überschlagenen Welle an und surft auf diesem entlang.

Leash:

Die Leash verbindet den Surfer mit seinem Surfbrett. Befestigt wird sie am Fuß des Sportlers.

Surfer Sebastian Steudtner im Meer
Wenn Sebastian Steudtner surft, ist er in seinem Element. Schon als Kind war er von Wasser fasziniert.
Nose:

Mit Nose wird die Spitze eines Surfboards bezeichnet. Je nach Art des Surfbretts kann sie spitz (Shortboard), abgerundet (Allroundboard) oder rund (Longboard) sein.

Peak:

Der Peak ist dort, wo die Welle am höchsten ist und als Erstes beginnt zu brechen. Von hier aus starten Surfer im Idealfall in eine Welle.

Rip Current:

Rip Current bezeichnet eine starke und durchaus gefährliche Strömung, die aufs Meer hinauszieht.

Shaper:

Ein Shaper stellt Surfbretter her. Er formt sie nach den individuellen Wünschen und Anforderungen des Surfers.

Spot/Surfspot:

Eine Stelle am Strand oder Riff, an der gute Bedingungen zum Surfen herrschen. In Surfzeitungen und im Internet findet man unzählige Surfspots. Sogenannte Secret Spots hingegen befinden sich in keinem Verzeichnis und sind in der Regel nur wenigen Leuten bekannt.

Tail:

Der Tail bezeichnet den hintere Teil eines Surfboards. Dieser kann folgende Formen haben: Square-Tail (flaches Ende), Round-Tail (rundes Ende), Pin-Tail (spitzes Ende) und Swallow-Tail (schwalbenschwanzähnliches Ende).

Take-off:

Der Take-off ist der Moment beim Surfen, in dem der Surfer auf dem Surfbrett aufsteht, um im Stehen zu surfen.

Top Turn:

Beim Top Turn fährt der Surfer die Wellenwand hinauf und dreht dann sein Board wieder Richtung Tal der Welle. Der Bottom Turn wird hingegen im Tal der Welle ausgeführt.

Wipe Out:

Der Wipe Out bezeichnet den Sturz vom Surfbrett. Das kann durchaus spektakulär aussehen, ist aber immer unbeabsichtigt.

Die besten Surfspots in Europa

Welche Strände eignen sich am besten für Familien und Anfänger zum Surfen? Profisportler Sebastian Steudtner gibt Tipps.

Peniche in Portugal 85 Kilometer nördlich von Lissabon gelegen, bietet die Halbinsel von Peniche hervorragende Wellen für jedes Surflevel.

Hossegor in Frankreich Der kleine Ort an der Atlantikküste ist weltweit für seine erstklassigen Beachbreaks bekannt. Auch Profis kommen deshalb gerne.

Bundoran in Irland Bundoran liegt im Nordwesten Irlands im County Donegal. Die Westküste um Bundoran zählt zu den besten Surf-Locations im Land.

Galicien in Spanien Weitläufige Strände, wunderschöne Landschaften und konstante Wellenbedingungen finden Surfer im Nordosten der Region.