26. Oktober 2016

Tradition und Trends
auf dem Cannstatter Wasen

„Jedes Volksfest hat sein ganz eigenes Flair, aber der Wasen ist schon etwas Besonderes." Stefan Kinzler muss es wissen: Seit mehr als 100 Jahren gehören die Fahrgeschäfte seiner Familie zum Cannstatter Wasen dazu. 2016 fand die 171. Auflage statt – mit Action für Highspeedfans und dem besonderen Charme nostalgischer Attraktionen.

Im bunten Trubel auf dem Cannstatter Wasen hat die Fruchtsäule ihren festen Platz. Schon zum allerersten Fest am 28. September 1818 wurde eine Säule aus Früchten, Getreide und Gemüse errichtet. Denn der württembergische König Wilhelm I. und seine Frau Katharina luden damals die Bevölkerung zu einer landwirtschaftlichen Leistungsschau ein. Pferderennen, Ehrungen für besondere Leistungen in der Viehzucht und viele Kirmesattraktionen lockten die Besucher auf die Wiesen am Neckar. Die Begeisterung Wilhelms I. für die bäuerliche Arbeit brachte dem Regenten den Ruf ein, „der Landwirt unter den Königen und der König unter den Landwirten“ zu sein.

Der Cannstatter Wasen – eine einmalige Mischung

„Die Größe des Festgeländes in Stuttgart, die Mischung aus Vergnügungsfahrten und Festzelten, der Krämermarkt und alle vier Jahre Süddeutschlands größte Fachausstellung rund um Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft – das ist einmalig!“, sagt Schausteller Stefan Kinzler. Insgesamt mehr als 330 Schaustellergeschäfte und Bewirtungen erwarten rund vier Millionen Gäste. Wer Kirmes liebt, kommt hier auf seine Kosten. Über fünf Kilometer erstrecken sich die Fronten der Attraktionen. Die Stuttgarter Schaustellerdynastie Kinzler steht mit der Familienachterbahn „Wilde Maus“ für den traditionellen Kirmesspaß. Ebenso wie das Kettenkarussell „Cannstatter Wellenflu“, die Geisterbahnen oder die mit Muskelkraft betriebene Überschlagschaukel „Looping the Loop“. Da kommen die vielen Nostalgiefans auf ihre Kosten.

Infinity ist das höchste mobile Loopingkarussell der Welt.
„Infinity“ ist das höchste mobile Loopingkarussell der Welt und schleudert seine Passagiere auf 65 Meter Höhe.

Nervenkitzel in der Weltneuheit „Infinity“

Hoch hinaus mit ruhiger Fahrt geht es in den beiden Riesenrädern. Von den heutigen Kirmesattraktionen blickt man aus luftiger Höhe auf die 26 Meter hohe Fruchtsäule auf dem Cannstatter Wasen hinab. Wenn man denn überhaupt noch einen Blick für seine Umgebung hat. Die Weltneuheit „Infinity“ etwa rühmt sich als höchstes mobiles Loopingkarussell der Welt und beschleunigt ihre Passagiere mit 120 km/h Spitzengeschwindigkeit auf 65 Meter Höhe. Auch der Freefall-Tower „Hangover“ verspricht Nervenkitzel: Aus 80 Metern Höhe rast die Sitzplattform mit irrer Beschleunigung von maximal 25 Metern pro Sekunde in die Tiefe. Höchstes Vergnügen für die Highspeedfans.

Die Bilanz für 2016 fällt positiv aus. Der Cannstatter Wasen ist das größte Fest Baden-Württembergs mit einer langen Tradition und eines der größten Schaustellerfeste weltweit. Deutlich zu spüren ist die wachsende nationale und internationale Bedeutung. Die Marke von vier Millionen Besuchern wurde wieder erreicht. Mit rund 5.000 Bussen kamen Reisengruppen zum Volksfest. Auch eine steigende Zahl von Besuchern aus Italien, Frankreich, den Benelux-Staaten und Großbritannien wurde registriert.

Die Familie von Schausteller Stefan Kinzler ist seit 1910 fester Teil des Cannstatter Volksfestes.
Die Wasen-Tipps von Stefan Kinzler
  • Hoch hinaus: Die Fahrt in einem der beiden Riesenräder bietet eine gute Übersicht über das Gelände und einen fantastischen Ausblick auf den Neckar.
  • Für Familien: Die „Wilde Maus“ ist ein Klassiker unter den Achterbahnen - fast ein halber Kilometer voller scharfer Kurven und Spaß für die ganze Familie.
  • Einfach erleben: Mit der ganzen Familie, im Freundeskreis oder mit Kollegen bekommt jeder Wasen-Besuch eine eigene Stimmung. Also ruhig öfter kommen. Es gibt so viele tolle Fahrgeschäfte und Buden mit leckerem Essen auf dem Wasen, da ist für jeden etwas dabei.
  • Blick hinter die Kulissen: Der Rundgang „Auf zum Volksfest“ vermittelt mehr über die Geschichte des Cannstatter Wasen und das Leben als Schausteller. Die Tour kostet 15 Euro pro Person inklusive einer Fahrt mit historischem Karussell und kleinem Umtrunk.

Fotos: © Werner Dieterich / Getty Images, © Freder / Getty Images, © Heiko R. Schimanzik, © Oliver Killig, © Westend61 / Getty Images, © in.Stuttgart / Thomas Niedermüller