17. März 2017

Ganz schön sportlich

Mit Moderator Michael Antwerpes fahren wir eine Runde um die Mercedes-Benz Arena und erfahren viel über seine Fitness, sportliche Motivation für Kinder, Reporter-Idole, nette und schwierige Interviewpartner sowie den Glanz von Goldmedaillen.

Michael Antwerpes, Sie beschäftigen sich beruflich den ganzen Tag mit Sport. Wie sieht es in der Freizeit aus – wie sportlich muss ein Sportmoderator sein?

Da stelle ich einen hohen Anspruch an mich selbst. Ich treibe fast jeden Tag Sport. Es ist ein sehr guter Ausgleich und man fühlt sich wohler. Auch in unserer Familie hat der Sport einen hohen Stellenwert.

Der Papa als Vorbild für die Kinder?

Ich finde es tatsächlich wichtig, dass Kinder und Jugendliche mit Sport aufwachsen. Abgesehen vom Training für die Gesundheit erwerben sie soziale Kompetenz: sich in ein Gemeinschaftsgefüge einordnen, Disziplin zeigen, Regeln akzeptieren, immer wieder motivieren, aus Niederlagen lernen, Tiefpunkte überwinden, Erfolge feiern.

Welchen Sport machen Sie?

Meist Fitness und Schwimmen, weil sich beides flexibel und unkompliziert in den Tagesablauf integrieren lässt. Schwimmen ist dabei eher eine Vernunftentscheidung: Es ist sehr gut für den Körper, aber leider ziemlich langweilig. Wenn ich Dynamik möchte, spiele ich ab und zu Squash. Im Winter fahre ich außerdem Ski. Da bin ich allerdings eher der Genussfahrer: bei schönem Wetter in Österreich in den Bergen und auf der Piste, ein Gesamterlebnis aus Sport, guter Küche und Unterhaltung mit der Familie und Freunden.

Wie sieht es bei Ihren Kindern aus?

Fußball, Schwimmen, Ballett – das sind im Moment die Favoriten. Ich finde es gut, wenn sie ihren Bewegungsdrang ausleben und unterstütze das gerne, aber ich treibe sie nicht. Die Motivation muss von innen kommen.

„Sie erleben wahre Tragödien und ebenso völlig überraschende Glücksgefühle.“Michael Antwerpes

Moderator Michael Antwerpes am Steuer seiner Mercedes-Benz C-Klasse.
Michael Antwerpes (54) am Steuer seiner C-Klasse.
Motivation ist ein gutes Stichwort. Was muss passieren, um Kids zu begeistern? Kann da auch die Sportberichterstattung im Fernsehen einen Betrag leisten?

Abgesehen vom Fußball, der in der Publikumsgunst eindeutig die Nummer eins ist, erleben wir – abhängig von deutschen „Helden“ – ein Auf und Ab bei der Beliebtheit von Sportarten. Nehmen wir zum Beispiel Biathlon: eine optimale Fernsehsportart. Mit den Kameras sind wir ganz nah an den Aktiven. Jeder Schuss in Großaufnahme, das ist an Dramatik nicht zu überbieten. Millionen schauen zu. Und doch ist Biathlon, was die Zahl der aktiven Sportler angeht, eine absolute Randsportart. Und noch eins kommt hinzu: eine optimale Nachwuchsförderung. Um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, müssen die Strukturen stimmen. Und für den Sportler selbst gilt: Man muss sich im Training quälen können, Entbehrungen auf sich nehmen. Und dazu sind viele nicht mehr bereit. Denn nur ganz wenige an der Spitze können von ihrem Sport auch leben.

Was halten Sie von neuen Trends?

Ich finde es spannend, wie sich aus der Fun- und Freizeitszene neue Sportarten entwickeln, die auch wieder frischen Wind in die TV-Berichterstattung bringen. Wie spektakulär sind bei den Skiübertragungen Freestyle oder Skicross!

Als Sportmoderator und Journalist treffen Sie viele Sportstars. Verraten Sie uns Insights über die netten und eher schwierigen Gesprächspartner?

Zwei positive Beispiele sind Kati Wilhelm und Magdalena Neuner, die ich aus der Zusammenarbeit bei den Biathlon-Übertragungen kenne. Sie sind Weltstars, aber total uneitel und machen jeden Spaß mit. Auch mit Boris Becker verbinde ich sehr gute Erinnerungen. Er war in Wimbledon als Experte mein Co-Moderator, sehr professionell.

Sprechen wir über Fußball – haben Sie einen Lieblingsverein oder müssen Sie von Berufs wegen neutral bleiben?

Als Sportjournalist entwickeln Sie eine professionelle Betrachtung. Natürlich gehört Begeisterung dazu, aber ebenso die Fähigkeit zu einer gewissen Neutralität. Das hat nichts damit zu tun, ob Sie Fan eines bestimmten Vereins sind. Um tatsächlich mit Leib und Seele für seinen Club zu schwärmen, muss man damit aufgewachsen sein. Eine solche Verbundenheit von Kindesbeinen an habe ich zu keinem Verein entwickelt. Deshalb liebe ich Fußball per se.

Kein Mitfiebern mit dem VfB?

Hier in der Region und in meinem Beruf kann man sich der starken Ausstrahlung des VfB nicht entziehen. Natürlich fiebere ich mit, weil ich überzeugt bin, dass Stuttgart mit dem VfB in die Erste Bundesliga gehört.

„Ernst Huberty prägte als Moderator das Bild der Sportschau – und hat auch mich für den Beruf des Sportreporters begeistert.“Michael Antwerpes

Ein Freestyle-Skifahrer bei einem Looping
Spektakuläre Bilder in der TV-Berichterstattung versprechen Trendsportarten wie Freestyle-Skifahren.
Was hat Ihre Berufswahl beeinflusst?

Ich bin mit der Sportschau aufgewachsen. Bei nur drei Fernsehsendern gab es quasi eine Alleinstellung. Es war und bleibt das absolute Synonym für die aktuelle Sportsendung. Ernst Huberty prägte als Moderator das Bild der Sportschau – er und Dieter Kürten haben auch mich für den Beruf des Sportreporters begeistert.

Aber die Zeiten haben sich verändert ...

Natürlich. Einen solchen Kultstatus können Sie heute nicht mehr erreichen. Es gibt mehr Sender, mehr Köpfe, mehr mediale Vielfalt. Die Bedeutung des Fernsehens hat sich verändert. Und doch hält sich die Sportschau als Marke. Aus ihrer Tradition steht sie für journalistische Qualität und Seriosität. Und für gute Unterhaltung. Alles, was die Sportfans wollen. Diese Werte lebt die Sportschau auch im Internet. Und mit „Sport im Dritten“ spielen wir die regionale Komponente sehr überzeugend.

Das öffentlich-rechtliche System geht beim Bieten um die Fernsehrechte häufiger leer aus, wie sich zuletzt bei den Olympischen Spielen zeigte. Ärgert Sie das?

Generell muss man akzeptieren, dass den öffentlich-rechtlichen Sendern beim finanziellen Poker um die Fernsehrechte Grenzen gesetzt sind. Allein schon aus Verantwortung gegenüber den Beitragszahlern. Es ist ja nicht zu leugnen, dass auch immer mehr Sportfans diese zunehmende Kommerzialisierung der Olympischen Spiele kritisch sehen. Man wird abwarten müssen, ob und wie den privaten Anbietern eine Refinanzierung durch Werbung gelingt und wie die Akzeptanz der Zuschauer ist.

Wie beurteilen Sie es journalistisch?

Es ist ein herber Verlust. Mit der Olympia-Berichterstattung haben die öffentlich-rechtlichen Sender immer ein großes Publikum erreicht. Damit bekamen auch viele Sportarten eine Plattform, die sonst wenig im öffentlichen Fokus stehen und in der Regel zu kurz kommen.

Was hat für Sie als Journalist die Olympia-Berichterstattung ausgemacht?

Die Olympischen Spiele verdichten den gesamten Sport auf ein paar Wochen. Als Moderator bekommen Sie da vor Ort sehr viel mit von den Wettbewerben und vor allen Dingen von den Sportlern. Sie erleben wahre Tragödien und ebenso völlig überraschende Glücksgefühle.

Showmaster Michael Antwerpes moderiert seit 2003 die Rateshow „Sag die Wahrheit“.
Michael Antwerpes
  • Sport im Dritten: Immer sonntags ab 22.05 Uhr moderiert Michael Antwerpes im SWR-Fernsehen live aus Stuttgart „Sport im Dritten“. Die Show mit Studiogästen dreht sich um die Sport-Höhepunkte des Wochenendes und interessante Geschichten von Sportlern, Vereinen und Veranstaltungen aus der Region.
  • Sag die Wahrheit: Als Showmaster führt Michael Antwerpes seit dem Start 2003 durch die Rateshow „Sag die Wahrheit“ im SWR-Fernsehen. Die Sendung läuft montags um 22 Uhr.
  • Sportschau: In der ARD gehört Michael Antwerpes zum Moderatorenteam der ARD-Sportschau und präsentiert im Winter die Übertragungen von den Weltcup-Wettbewerben im Biathlon.