29. November 2016

Geht nicht?
Gibt’s nicht!

Seine E-Gitarren heißen Tesla, Birdfish oder Niwa. Sie sind Design-Objekte und kosten fast so viel wie ein Kleinwagen. Ulrich Teuffel kreiert seine exklusiven Instrumente in einer kleinen Werkstatt in Ulm – gekauft und geschätzt werden sie auf der ganzen Welt. Im Interview mit dem Mercedes-Benz Kundenmagazin spricht der Gitarrenbauer über seine Passion und die Gemeinsamkeiten beim Instrumente- und Autobau.

Wie gut spielen Sie Gitarre, Herr Teuffel?

Für die Bühne reicht es nicht – jedenfalls nicht mit Eintritt. Zum Gitarrenbauen schon.

Bauen Sie wirklich nur 30 Gitarren im Jahr? Ganz allein?

Ganz allein. Damit fühle ich mich am wohlsten. Mitarbeiter haben mich stets zu sehr abgelenkt. Inzwischen stelle ich nur noch 20 sehr exklusive Instrumente pro Jahr her. Ich nehme mir mehr Zeit für jedes Objekt als früher. Das mache ich für meine Kunden gerne. Schließlich warten sie auch lange genug auf ihre Gitarre.

Was muss eine gute E-Gitarre können?

Sie müssen sich damit wohlfühlen, damit Sie sich vor Publikum ausdrücken können. Dass das Instrument perfekt klingt, setze ich als selbstverständlich voraus.

Sie haben mit ihrem „Handwerk“ einen Kindheitstraum verwirklicht. Doch ihre berufliche Laufbahn begann mit einer Lehre als Kraftfahrzeugschlosser. Hat Sie diese Zeit geprägt?

Die Ausbildung habe ich beim Daimler gemacht, weil ich ja ursprünglich Maschinenbau studieren wollte. Neben den Arbeitsabläufen in der Produktion habe ich damals vor allem eines gelernt: Wie man staunend in die Rolle eines Schöpfers von Alltagsprodukten hineinwächst! Das hat mich geprägt und mich dazu ermutigt, nach der Ausbildung Gitarren zu bauen und zu verkaufen.

„Eine gute E-Gitarre muss Ihnen gut stehen. Und Sie müssen sich damit wohlfühlen.“Ulrich Teuffel

Ulrich Teuffel in seiner Werkstatt. Rechts daneben eine Birdfish-Gitarre
Der Schöpfer und sein Werk. Die Birdfish ist Ulrich Teuffels kühnste Gitarrenkreation. Zu Teuffels Kunden zählen Billy Gibbons von ZZ Top, Henry Kaiser, David Torn oder Kirk Hammett von Metallica.
Wann haben Sie mit dem Gitarrenbauen angefangen?

Schon als Kind. Mein Großvater war Tischler und ich habe immer gern mit Holz gearbeitet. Weil ich damals häufig Gitarre gespielt habe, wollte ich dann auch eine selbst bauen. Ich hatte die Vorstellung, dass ich so zu einer guten Gitarre komme, die ich mir sonst nicht leisten konnte.

Reden wir über das Material. Woher bekommen Sie es, woraus sind Ihre Instrumente gebaut?

Sie sind ganz klassisch aus Holz gebaut. Ich kaufe es meistens bei meinen Holzhändlern, teilweise auch direkt vom Waldeinschlag, um es dann zu lagern. Da ich alle Bauteile meiner Gitarren selbst herstelle, beziehe ich vom Metallgroßhandel verschiedene Aluminiumhalbzeuge sowie Messing und Edelstahl. Zur Herstellung meiner Tonabnehmer kaufe ich Magneten aus einer Aluminium-Nickel-Kobalt-Legierung sowie hauchdünnen Kupferlackdraht.

Sie verwenden aber doch relativ wenig traditionelle Klanghölzer. Und Sie kreieren radikal andere Formen.

Tatsächlich setze ich ganz klassische Tonhölzer ein und keine High-Tech-Materialien, wenn es um die Klanggestaltung geht. Die Konstruktion und die Gestaltung meiner Instrumente zeigt sich aber dann befreit von der Tradition.

Ihre Gitarren, besonders die preisgekrönte Birdfish, sind Designobjekte. Was kosten sie?

Zwischen 5.000 und 15.000 Euro. Manchmal auch mehr.

Und das sind dann wirkliche Unikate?

Im normalen Handwerk sind meine Gitarren nicht einfach reproduzierbar oder kopierbar. In der traditionellen Arbeitsweise werden nur die Holz- und Lackarbeiten vom Gitarrenbauer gemacht. Die mechanischen Einbauteile und die Tonabnehmer werden von der Zulieferindustrie gekauft. Da ich diese Teile nach meinem Design selbst herstelle, denke ich, sind meine Instrumente durchaus Unikate.

Gibt es eigentlich etwas typisch Schwäbisches bei Ihrer Arbeitsweise?

Geht nicht kann nicht sein. Spätestens in der vierten Nacht fällt mir morgens um drei ein, wie es gehen könnte. Nach dem Frühstück probiere ich es aus und dann geht es. Oder ich wach’ die nächsten vier Nächte wieder um drei Uhr auf, bis es geht.

Wie lautet Ihr Lebens- und Arbeitsmotto?

Hoffentlich keine Rente. Hoffentlich kann ich so noch bis 90 arbeiten, wenn auch langsamer. Ich kenne Menschen, die fangen als Rentner mit dem Gitarrenbauen an, also viel zu spät.